Vertriebenenwallfahrt in Vierzehnheiligen

Vierzehnheiligen. Trachtenabordnungen von Pommern, Oberschlesiern, Banater Schwaben und Sudetendeutschen (mit ihren Untergruppierungen) nahmen am ersten September-Sonntag an der 71. Vertriebenenwallfahrt nach Vierzehnheiligen teil. Höhepunkt war der vom emeritierten Freiburger Erzbischof Dr. Robert Zollitsch zelebrierte Festgottesdienst. Bei der Marienandacht trug der Bundesgeschäftsführer der Sudetendeutschen Landsmannschaft Christoph Lippert die theologischen Gedanken vor.

In einer kleinen Prozession, angeführt von der Ackermann-Gemeinde Bamberg und weiteren sudetendeutschen Teilnehmern zogen die Heimatvertriebenen in die Basilika. Als einen „Ort der Barmherzigkeit, einen Gnadenort mit den 14 Nothelfern“ bzw. als „Insel in einer Zeit der Gleichgültigkeit“ charakterisierte Franziskanerpater Christoph Kreitmeir, Wallfahrtsseelsorger und Vikar im Franziskanerkloster Vierzehnheiligen, in seiner Begrüßung die Wallfahrtskirche. Angesichts der Heimatvertriebenen verwies er auf den brutalen Umgang mit den Menschen vor 70 Jahren, aber auch auf die aktuell zunehmende Unbarmherzigkeit.
Das Hauptanliegen der Vertriebenenwallfahrt, den Dank, die Bitten und Sorgen an Gott, mit den 14 Nothelfern als Vermittler, zu richten, rief Monsignore Herbert Hautmann, der Vertriebenenseelsorger der Erzdiözese Bamberg, in seiner Begrüßung in Erinnerung.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges hätten die Heimatvertriebenen nicht resigniert, sondern alle Schrecken, den Verlust der Heimat, die Perspektivlosigkeit usw. zu und vor Gott getragen, führte das frühere Freiburger Bistumsoberhaupt zu Beginn seiner Predigt aus. Er vergaß nicht, dass in seiner Heimat, den Siedlungsgebieten der Donauschwaben, die Vertreibung dieser Volksgruppe erst vor 70 Jahren ihren Höhepunkt erreichte. Er verwies auf die in den früheren Heimatgebieten bekannten Wallfahrten und die Neubelebung dieser Traditionen in der neuen Heimat bereits ab 1946. „Wallfahrtsorte sind Gnadenorte“, stellte Zollitsch fest, die den Heimatvertriebenen als Hilfe, Ermunterung, Stärkung, Kraftquelle und Tankstelle dien(t)en. Auch wies er auf das von Papst Franziskus ausgerufene Jahr der Barmherzigkeit und die Heiligsprechung von Mutter Teresa hin. „Die Barmherzigkeit ist ein Wesensmerkmal Gottes“, so Zollitsch. Und mit Blick auf die brutalen Ereignisse vor 70/71 Jahren bemerkte er: „Eine Welt ohne Barmherzigkeit ist eine unmenschliche Welt! Barmherzigkeit ist das Schlüsselwort für Gottes Handeln.“ Daher seien „Inseln der Barmherzigkeit“, wie die Basilika Vierzehnheiligen, wichtig. Den Gläubigen riet er, selbst Barmherzigkeit weiterzugeben, zu Inseln der Barmherzigkeit zu werden. „Die Erfahrung von Flucht und Vertreibung hatte keine Rache und Vergeltung zur Folge, sondern hat uns zu den Wallfahrtsorten geführt, um zur Vergebung und zum Bau von Brücken zu gelangen“, schloss Zollitsch seine Ansprache.
„Das Christentum hat sehr wesentlich dazu beigetragen, dass es gut gelaufen ist. Die Deutschen haben sich nicht gegenseitig aufgerieben“, stellte bei der Marienandacht am Nachmittag Monsignore Hautmann fest. „Auch die heutigen Flüchtlinge werden aufgenommen, und es wird zu einer guten Zusammenarbeit kommen“, blickte der Seelsorger auf die heutige Situation, wobei er auf die Sprachproblematik hinwies.
Das „Magnifikat“, die Lobpreisungen Mariens, nahm der SL-Bundesgeschäftsführer Christoph Lippert als Basis für seine theologischen Gedanken. Besonders betonte er die freie Entscheidung der Gottesmutter für das Heilswirken Gottes. Lippert ging auch auf Ottfried Preußlers Werk „Die Flucht nach Ägypten – königlich böhmischer Teil“ ein. Die Marienverehrung sei in Bayern und in vielen Herkunftsländern der Heimatvertriebenen weit verbreitet. „Diese Gemeinsamkeit der Völker hilft uns, den furchtbaren Irrweg des Nationalismus zu überwinden, der uns entzweit hat, und der letztlich in der Vertreibung geendet ist“, machte der Bundesgeschäftsführer deutlich. Die Andacht widme sich „in besonderem Gedenken an unsere Vorfahren, die in heimatlicher Erde ruhen. Aber auch in Gemeinsamkeit mit den Menschen, die jetzt dort leben, wo auch wir unsere Wurzeln haben“, schloss Lippert seine Meditation.

Text: Markus Bauer