60 Jahre BdV – Tag der Heimat – Kaiserkirchweih

Das Gedenken  wurde abgehalten in der Herz Jesu -Kirche Pegnitz. Die Kleinstadt  Pegnitz ist einer der Orte, die nach dem zweiten Weltkrieg die Einwohnerzahl mehr als verdoppelten. Zahlreiche Geschäfte und Betriebe geführt von Sudetendeutschen und Schlesiern entstanden. Die Firma Horn aus Asch errichtete eine große Textilfabrik an der jetzigen B2. Vieles ist heute Vergangenheit. Es gibt noch je einen  Bäcker und einen Metzger mit Egerländer Traditionen.  Das Cafe Bär hat Wurzeln aus der Reichenberger Gegend.  Namenschilder wie Huttarsch,   weisen auf eine Herkunft aus dem Osten hin.

Der Ort gehörte bis zur Gründung des Königsreichs Bayern zur Markgrafschaft Bayreuth. Man war evangelisch. Heute ist der Ort überwiegend katholisch, und es war notwendig die große Herz Jesu Kirche zu bauen. In dieser Kirche hielt Pfarrer Peter Klamt am 15.10.2017 den Gedenkgottesdienst für die BdV – Veranstaltung. Er ging in seiner Predigt einfühlsam auf das Schicksal nach dem Kriege ein. Gleichzeitig hatte er entsprechende Texte herausgesucht, die Trost und Zuversicht ausdrückten. Dankbar waren die Landsleute über die Schubertmesse,  vertraute Texte und Melodien, die doch zu Herzen gehen.

Im Anschluss ging es bei Kaiserwetter in das benachbarte Pfarrheim. Dort wartete ein exzellentes Gulasch, auf diejenigen, die Mittag essen wollten. Es gab aber auch reichlich Gelegenheit zum „dischkurieren“. Pfarrer Klamt unterhielt sich vor allem mit den Landsleuten aus dem Fichtelgebirge. Sein Vater betrieb dort einen Handel mit Waren, die die Glasmacher benötigten. Klamt begleitete als Kind seinen Vater und nachdem er den Führerschein hatte, fuhr er später auch als junger Mann Waren aus. Zum Gottesdienst war die Landtagsabgeordnete Frau Gudrun Brendel-Fischer gekommen. Sie hatte danach ein Ohr für Fragen und Sorgen.

Den Pfarrsaal hatte  Frau Sieglinde Overbeck liebevoll dekoriert. Dann half man zusammen. Aus der Küche duftete das Essen. Die Gästen, die mit dem Bus aus Bayreuth kamen,  setzten sich  gerne an die für sie vorhergesehenen Plätze. Aus den aufgetischten Schüsseln konnte man sich bedienen.

An besonderen Gästen ist zu erwähnen, der hochbetagte Altbürgermeister Alois Kreuzer aus Plech, der aus Endersdorf  bei Zuckmantel stammt. Aus Creußen war der frühere zweite Bürgermeister Josi Dostal mit Frau anwesend.  Er kommt aus Wachtl bei Olmütz, sie aus der Region Groß Tajax.  Karl Heider,  stammend aus dem Raum  Jägerndorf  und  früherer Obmann in Bayreuth,  begleitete mit seiner Frau die Bayreuther Truppe.

Inzwischen hatten sich auch die Musiker der Trachtenkapelle Pegnitz eingefunden. Unter der Leitung von Josef Prell spielten sie vor allem böhmische Musik und auch einige Lieder zum Mitsingen.

Um 13 Uhr begrüßte der Kreisvorsitzende des BdVs die Anwesenden zur Kaiserkirchweih und würdigte nochmals den vorausgegangenen würdevollen Gottesdienst. Er wies auf die 60 Jahre lange Zusammenarbeit im BdV. Wichtig sei auch den Tag der Heimat . Mit Ausnahme der Spätaussiedler haben alle Flüchtlinge und Heimatvertriebenen heute ein ziemlich hohes Alter erreicht. Die, in Bayern geborenen Nachkommen, haben vielfach andere Lebenserfahrungen. Allerdings gibt es aus dem Bereich der Enkelgeneration  eine Reihe von Nachkommen, die sich intensiv mit den Herkunftsorten ihrer Großeltern befassen.

Bürgermeister und stellvertretender Landrat Uwe Raab erinnert er an seine Jugendzeit. Er hat damals im Haus von Familie Förster gewohnt und Anni Förster erzählte immer wieder von ihrer alten Heimat Wachtl bei Olmütz. „ das was ich an Lebensgeschichte gehört habe, habe ich mit sehr zu Herzen genommen. Im Herbst 1973 bin ich sogar in den Ferien mit der Familie Förster nach Mähren gefahren.“

Raab weiter: „In Pegnitz selber hat es nachdem 2. Weltkrieg bald Eheschließungen zwischen Einheimischen und Neuankömmlingen gegeben. Die Menschen haben neues Glück erlebt, auch wenn die neue Heimat eine andere ist.“

Man lebe jetzt in einem freien einheitlichen Deutschland und in einem Europa, indem für uns seit 70 Jahren Frieden herrsche. Raab hofft, dass dieses friedliche Europa an die Nachkommen weitergegeben werden könne. Die Stadt Pegnitz trage dazu bei gerade durch ihre Partnerschaft mit Gyuancourt bei Paris und Slany bei Prag. Erst  vor eine paar Tagen sei er bei den dortigen Freunden in Schlan/Slany  gewesen.

Anschließend führte die Kreisvorsitzende der Sudetendeutschen Margaretha Michel mit Anekdoten durch das musikalisch umrahmte Programm.  Verschiedene Mundartsprecher trugen gekonnt Gedichte vor. So plauderte u.a. Horst Skripale  schlesisch. Frau Wander und Rudi Kiesewetter verwendeten die Gablonzer Mundart.  Zum Kaffee gab es echten Kleckselkuchen vom Bäcker Rippl. Das Rezept stammt aus der besten Konditorei von Komotau, wo der Seniorchef Josef Rippl ausgebildet wurde. Der Kuchen war diesmal besonders gut gelungen.

Auch für Unterhaltung blieb genügend Zeit. Jedenfalls wurde es keinem langweilig. Bis zum Ende blieb der Saal gut gefüllt.

Ein Dank geht an alle die vielen Helfern, die zum Gelingen des Festes beigetragen haben.

Anzumerken ist, dass der junge Reporter viel Verständnis für die Anwesenden zeigte. Er wies daraufhin, dass seine Kinder Großeltern aus dem Banat, aus Ostpreußen und dem Sudetenland hätten. Er selber sei immer noch besonders betroffen von den Erzählungen seiner Großmutter, die in Aussig Schreckliches erlebt habe.