Riesengebirgs-Trachtengruppe reiste zur 55. Europeade der Volkskulturen in Viseu/Portugal

Bericht von Uli Moll

Am Samstag, den 21. Juli trafen sich die Unentwegten der Riesengebirgs-Trachtengruppe München schon frühmorgens, um zur Europeade 2018 aufzubrechen. Beim Beladen unseres Minibusses und auf den ersten 200 Kilometern bis zum Bodensee begleiteten uns Regenschauer, aber das trübte die Stimmung in keiner Weise. Es ging ja in südliche Gefilde, nach Viseu in Portugal. Mehr als 2.700 Kilometer Autobahn und Landstraße lagen vor uns, die ja nicht in einem Stück zu bewältigen waren. So hatten wir eine interessante Reiseroute geplant, um dabei auch einige prächtige Sehenswürdigkeiten Europas kennenzulernen. So erreichten wir nachmittags südlich von Lyon die Rhône und damit unser erstes Etappenziel in der Nähe von Vienne. Abends machten wir noch einen schönen Spaziergang durch die Stadt, die sich aus ihrer langen Vergangenheit ein reiches architektonisches Erbe bewahrt hat.

Am nächsten Morgen führte uns der Weg zunächst entlang der Rhône Richtung Süden und ab Nimes am Rand der Camargue entlang zum Ort Aigues-Mortes, der bereits im 10. Jahrhundert erwähnt wurde

Über Montpellier, Sète und Narbonne reisten wir entlang endloser Sonnenblumenfelder am Nordhang der Pyrenäen weiter nach Westen, bis wir Carcassonne erreichten. Ein Ausflug hierher gleicht einer Zeitreise. In dieser eindrucksvollen Festungsanlage lebten hier im Mittelalter bis zu 4000 Menschen. Heute flanieren Touristen durch die kleinen Gassen. Viel zu kurz war der Besuch an diesem Nachmittag, an dem auch noch die Tour-de-France zur gleichen Zeit Station in der Stadt machte.

Nach etwas mehr als einer weiteren Stunde Fahrzeit erreichten wir Toulouse, wo die zweite Übernachtung auf der Anreise zur Europeade eingeplant war. Eine kleine Erkundungstour durch die Innenstadt, vorbei an der Cathédrale Saint-Étienne führte uns zum Place du Capitole, wo wir gemeinschaftlich ein gemütliches Abendessen im sommerlichen Treiben der Stadt einnahmen.

Am nächsten Reisetag freuten wir uns auf ein wenig Entspannung am Zielort. Vorbei an Bayonne und Biarritz fuhren wir bei Iruna über die spanische Grenze. Und dann endlich das ersehnte kühle Nass! Mit Quartier in dem kleinen Fischerdorf Ondarroa konnten wir am Golf von Biskaya ein erfrischendes Bad in den Fluten des Atlantiks genießen, bevor wir am nächsten Tag weiter ins Landesinnere steuerten.

Segovia liegt in der zentralspanischen Region Kastilien und León und begeistert den Besucher mit der vielfältigen architektonischen Kunst aus zahlreichen Jahrhunderten. Leider blieb uns auch hier nur ein kurzer Aufenthalt, denn auf der Etappe bis Salamanca war ja auch noch Avila an der Reiseroute im Programm.  Angekommen in Salamanca besuchten wir in der Abendstimmung noch das historische Zentrum der Stadt, die ihre Wurzeln in keltischer Zeit hat und für ihre kunstvolle Sandstein- architektur und die Universität Salamanca bekannt ist. Hier gab es auch ein erstes Zusammentreffen mit einer weiteren Europeadegruppe. Es war die Tuna de Medicina de Granada, die auf dem Platz eine Kostprobe ihres abwechslungs- reichen Programmes darbot.

Nun hatten wir nur noch 225 Kilometer vor uns und endlich, am 21. Juli gegen Mittag, erreichten wir die Europeadestadt Viseu in Portugal. Nach dem üblichen Procedere an der Anmeldung konnten wir unser Quartier für die nächsten 5 Tage in einer zentral gelegenen Schule beziehen. Der Parque Aquilino Ribeiro, in dem auch einige Teilveranstaltungen stattfanden, lag direkt gegenüber. Nach den ersten Erkundungen in der Stadt fanden wir uns abends auf dem Platz der Kathedrale ein, wo uns unter dem Motto „Die Region stellt sich vor“ von unseren portugiesischen Gastgebern ein farbenprächtiges, und sowohl musikalisch wie tänzerisch beeindruckendes Begrüßungsprogramm geboten wurde. Begrüßungen und großes Hallo gab es auch an allen Ecken, wo man nun alte Bekannte von früheren Europeaden traf. Das alte Gefühl der Zusammengehörigkeit der europäischen Trachtler stellte sich ein,… die Europeade hatte begonnen.

Am Donnerstag eröffnete das Forum im Park. In mehreren kleinen Hütten gab es Informationen zur Europeade. Es präsentierte sich der Gastgeber, es gab einen Stand der Stadt Turku, wo die Europeade 2017 gefeiert wurde und Frankenberg an der Eder stellte sich vor. Dort werden wir von 17. bis 21. Juli 2019 zur 56. Europeade zusammenkommen.

Und nun wurden die Schlesier an diesem Donnerstag auch aktiv. An insgesamt 10 Plätzen der Stadt gab es offene Podien, auf denen die teilnehmenden Gruppen zu den sogenannten Straßenauftritten eingeteilt waren. Die Schlesier zeigen sich bei der Europeade immer im Zusammenschluss der Arbeitsgemeinschaft Schlesischer Trachtengruppen. Wir waren in diesem Jahr mit insgesamt 19 Tanzpaaren vertreten und zeigten ein halbstündiges, abwechslungsreiches Programm. Wie in südlichen Ländern üblich begann die Abendveranstaltung erst ziemlich spät, nämlich um 21.30 Uhr. Bei der offiziellen Eröffnung wurde die Fahne der Europeade von Trachtenträgern des letztjährigen Veranstaltungsortes Turku in Finnland der Gruppe aus Viseu übergeben und feierlich gehisst. Das vielfältige Programm zog sich bis weit in die Nacht, so dass die Letzten erst gegen 01.30 Uhr aus dem Stadion kamen.

Freitagabend fand im Parque Aquilino Ribeira das Chorkonzert statt, an dem sich die Sänger der Arbeitsgemeinschaft Schlesischer Trachtengruppen mit deutschem Liedgut, unter anderem von Joseph Freiherr von Eichendorff, erfolgreich beteiligten und einen anhaltenden Applaus ernteten. Die schlesischen Gruppen hatten tagsüber freie Zeit. Eine gute Gelegenheit, um die Region erkunden zu können. Die Riesengebirgler starteten deshalb einen Ausflug in die etwa 120 Kilometer entfernt gelegene Küstenstadt Porto.  Sie ist bekannt ist für ihre prächtigen Brücken und den hier hergestellten Portwein.

Am Samstagvormittag gab sich der Bürgermeister der Stadt Viseu die Ehre, Abordnungen der teilnehmenden Gruppen der Europeade im Garten des Konzertsaales Solar do Vinho do Dao persönlich zu begrüßen. Bei dieser Gelegenheit erhielten wir ein handgesticktes Bild als Erinnerungsstück und Dankeschön für unseren Besuch in Viseu. Am Nachmittag erfolgte die Aufstellung zur großen Parade im Park und dem Waldstück hinter dem Stadion Fontelo. Die Straßen der Stadt waren dicht mit begeisterten Zuschauern gesäumt, die reichlich Applaus spendeten und uns Trachtlern immer wieder „Obrigado“ (Danke….für den Besuch) und „Bem vindo a Viseu“ (Herzlich willkommen in Viseu) zuriefen. Nach den vielen zurückgelegten Kilometern, um dabei sein zu können und dem innigen Freundschaftsgefühl, das die Europeade beherrscht, rief diese entgegengebrachte Sympathie der Bewohner trotz der Hitze, die eine oder andere Gänsehaut hervor. Kurz vor dem Ende der Parade wurden alle Teilnehmer an einer Tribüne von dem gesamten Internationalem Komitee der Europeade, sowie von den offiziellen Vertretern der Stadt und Ministern der Region begrüßt. An dieser Stelle sei erwähnt, dass Rüdiger Hess, der Präsident des Deutschen Europeadekomitees bei der Neuwahl im März 2018 zum Präsidenten des Internationalen Komitees gewählt wurde. Der Gedanke der Europeade wird von ihm im Herzen getragen und er setzt sich mit seinem ganzen Engagement für diese Sache ein. Der Abend klang mit dem großen Europeadeball aus. Bei Musik und Tanz, sowie zahlreichen Gesprächen wurden alte Freundschaften gepflegt und neue geschlossen.

In der Kathedrale gab es am Sonntagmorgen einen gemeinsamen Gottesdienst und am Nachmittag um 15.30 Uhr begann die Schlussveranstaltung. Die 55. Europeade neigte sich schon wieder dem Ende zu. Im Zusammenschluss der Arbeitsgemein- schaft Schlesischer Trachtengruppen zeigten wir als diesjährigen Beitrag eine gut choreographierte Version des „Dreidans“. Und als zum Schluss die Europeadefahne in Viseu eingeholt und an die Europeadestadt Frankenberg für 2019 übergeben wurde, tanzten alle deutschen Gruppen die „Sternpolka“. Ein tolles Bild und eine herzliche Einladung zur 56. Europeade nach Deutschland.

Für uns war hier die Reise natürlich nicht zu Ende. Montag ging es weiter Richtung Süden und schon mittags erreichten wir Lissabon. Bis Donnerstagfrüh hatten wir Zeit, die Stadt zu erkunden und uns mit den unzähligen Sehenswürdigkeiten zu befassen. Zu kurz die Zeit, wie so oft, …..aber immer noch Zeit genug, mit dem Zug auch noch einen lohnenswerten Ausflug nach Sintra zu machen. Hier begeisterte uns besonders das Castelo dos Mouros, eine, wie der Name schon sagt, von den Mauren im 8. oder 9. Jahrhundert errichtete beeindruckende Burganlage in den Wäldern oberhalb Sintras. Sie zählt heute auch zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Von Lissabon aus führte uns die Reise wieder zurück nach Spanien, nach Sevilla. Die Hauptstadt der südspanischen Region Andalusien ist berühmt als „Wiege des Flamencos“. Nach erfolgten Besichtigungen und einem weiteren schönen Abend in einem gemütlichen Straßenrestaurant mit geschmackvollen spanischen Spezialitäten ging es am nächsten Tag weiter nach Benicarló an der Mittelmeerküste zwischen Valencia und Tarragona. Die Route führte uns vorbei an Cordoba und Manzanares durch die Extremadura nach Valencia, wo wir dann auf der Küstenstraße nordwärts reisten. In Benicarló gönnten wir uns nochmals eine Erfrischung durch ein abendliches Bad im badewannenwarmen Mittelmeer, bevor am Samstag das letzte Etappenziel, Avignon, erreichten.

Nach 16 Tagen „landeten“ wir nach ziemlich genau 6000 zurückgelegten Kilometern gesund wieder in unserer Heimatstadt München. Auch die 55. Europeade wurde, wie alle anderen vorherigen, von der Riesengebirgs-Trachtengruppe besucht und unterstützt. Verbunden war damit eine erlebnisreiche Reise, die uns viel über die unterschiedlichsten Regionen Europas lehrte. Nächstes Jahr sind wir zum 56. Mal sicher wieder dabei, den Gedanken der Europeade zu unterstützen. Dann in unserem Heimatland Deutschland und wir freuen uns schon heute auf alle Gäste aus den europäischen Regionen der Volkskulturen.

Unterstützt wurde die Teilnahme der Riesengebirgs-Trachtengruppe an der Europeade durch Mittel des Bayerischen Ministeriums für Arbeit, Familie und Soziales.