Bayerische Vertriebenenbeauftragte beim Tag der Heimat in Memmingen

Memmingen – Zum 70. Mal veranstaltete der Bund der Vertriebenen, vereinigte Landsmannschaften der Sudetendeutschen, Schlesier und Ostpreußen/Pommern, den Tag der Heimat. Im Kleinen Saal der Stadthalle wurde daran erinnert, dass der Tag der Deutschen Einheit genau der richtige Tag ist, um der Vertreibung der Deutschen aus Ost-, Mittel- und Südosteuropa und ihrer vielen unschuldigen Opfer zu gedenken.

Als Ehrengast konnte der BdV-Kreisvorsitzende Armin M. Brandt die Aussiedler- und Vertriebenenbeauftragte der Bayerischen Staatsregierung, MdL Sylvia Stierstorfer, willkommen heißen. In ihrem Grußwort hob Frau Stierstorfer, die zum ersten Mal in Memmingen und im Allgäu weilte, hervor:

„Heimat gehört zu unserer Identität. Das Recht auf Heimat ist ein Menschenrecht und Vertreibung ein Verbrechen. Erst wenn sich Europa ausdrücklich dazu bekennt, ist es wirklich eine Wertegemeinschaft. Unsere westlichen Werte wie Demokratie, Freiheit, Menschenwürde, Selbstbestimmung und Toleranz setzen voraus, dass der Mensch ein recht auf seine Heimat hat, ein Recht dort zu leben und zu bleiben, wo er herstammt und sich seine Wurzeln befinden.“

Frau Stierstorfer machte einen Auszug aus der Charta der Vertriebenen zum Motto des Festakts zum Tag der Heimat: „Wir werden jedes Beginnen mit allen Kräften unterstützen, das auf die Schaffung eines geeinten Europas gerichtet ist, in dem die Völker ohne Furcht und Zwang leben können.“ Weiterhin betonte die Vertriebenenbeauftragte, dass Europa nur zusammenwachsen könne, wenn es gelingt, altes Unrecht zu beseitigen und neues Unrecht zu verhindern. Aussiedler seien Brückenbauer zwischen der alten und neuen Heimat. Es gelte, Unrechtsdekrete zu beseitigen und Europa zusammenzuführen: „Nur wenn wir aus der Vergangenheit lernen, werden wir die Zukunft meistern.“

Die Festansprache hielt der Bürgerbeauftragte der Bayerischen Staatsregierung, MdL Klaus Holetschek. Der Freistaat habe die Dimension des Themas Heimat viel früher als andere erkannt. Die renommierte „New York Times“ hat in einem Leitkommentar vom 28.2.2018 mitgeteilt: „Nach ‚Kindergarten‘ und ‚Zeitgeist‘ soll man nun den Begriff ‚Heimat‘ übernehmen.“ Heimat und Weltoffenheit sind keine Gegensätze, sagte der Festredner, sondern zwei Seiten einer Medaille.

Der Tag der Heimat ist in besonderem Maß dem Leiden, den Verlusten, den menschlichen Tragödien und den Opfern gewidmet, so Holetschek. Die Geschehnisse während Flucht und Vertreibung, zum Beispiel aus dem Sudetenland, aus Schlesien, Ost- und Westpreußen oder die gewaltsame Deportation der Wolgadeutschen nach Sibirien, erhalten damit ein würdiges Gedenken.

Die Heimatvertriebenen haben Bayern große wirtschaftliche Impulse gegeben, so Holetschek. Sie waren ein großer Gewinn für diese Region, der Bayern nur stärker gemacht hat. Als deutsche Landsleute haben sich aber auch die Deutschen aus Russland, Rumänien und Oberschlesien ähnlich erfolgreich und rasch eingegliedert wie einst die Vertriebenen.

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Die Beauftragte der Bayerischen Staatsregierung für Vertriebene und Aussiedler Sylvia Stierstorfer, MdL, freute sich über den Empfang im Rathaus und das Stadtbuch als Willkommensgruß. Für ihr Kommen dankten (von rechts) Armin M. Brandt, Kreisvorsitzender des Bundes der Vertriebenen, Oberbürgermeister Manfred Schilder, Bürgerbeauftragter Klaus Holetschek, MdL, und Bürgermeister Dr. Hans-Martin Steiger.  Foto: Julia Mayer/Stadt Memmingen.

Den Freistaat Bayern und die Tschechische Republik verbindet eine enge und dichte Kooperation, erklärte Holetschek. Neben Ministerien und anderen staatlichen Einrichtungen tragen diese Zusammenarbeit viele engagierte Akteure auf regionaler und kommunaler Ebene. Die Eröffnung einer eigenen bayerischen Repräsentanz in Prag ist als Erfolg im neuen Kapitel der bayerisch-tschechischen Zusammenarbeit hervorzuheben.

Holetschek sagte auch die Unterstützung bei Sanierung und Modernisierung von Kultureinrichtungen zu, die sich in ganz Bayern befinden. Es besteht vieler Orts dringender Handlungsbedarf. Für 2019 ist die Eröffnung des Sudetendeutschen Museums, betrieben durch die Sudetendeutsche Stiftung, geplant.

Mit dem diesjährigen Leitwort, das machte der BdV-Kreisvorsitzende und LS-Bezirksvorsitzende Armin M. Brandt deutlich, legt der BdV einen besonderen Fokus aus eines seiner Kernanliegen. Damit will der BdV den schon vor Jahrzehnten eingeschlagenen Weg der Verständigung mit den Nachbarländern weiter verbreitern und festigen. Brandt sagte:

„Unrechtsdekrete wie die tschechischen Benes- oder die polnischen Bierut-Dekrete, auf Grund derer Millionen Menschen ihrer Heimat beraubt oder sogar sanktionsfrei ermordet werden konnten, sind historischen Ballast. Ein formales Fortbestehen in diesen unseren Nachbarländern ist nicht nur ein Affront gegen die ‚Charta der Grundrechte der europäischen Union‘. Es birgt auch die Gefahr, dass mit dem gesetzten Rechtsschein ideologische Überbleibsel solchen Unrechts überleben. Das Abwerfen alten Ballast wäre nach außen das Handausstrecken gegenüber den deutschen Opfern von Flucht, Vertreibung und Deportation.“

Brandt betonte, dass die Flüchtlinge und Aussiedler von früher bei uns nicht nur zu Hause sind. Sie haben in Bayern eine Heimat gefunden. Heimat ist ein Begriff, der so oft für Ausgrenzung bis hin zu Vertreibungen missbraucht worden ist. Er steht jedoch für Wurzeln und Zusammenhalt.

Heimat, so Brandt weiter, steht aber auch für das Angebot: Wer rechtmäßig in unser Land kommt, wer hier seinen Lebensunterhalt verdient, wer sich an Recht und Gesetz hält und unsere Sprache lernt, der kann, wenn er will, hier eine neue Heimat finden.

Nach den Worten von Oberbürgermeister Manfred Schilder, der Schirmherr am Tag der Heimat, leistet der BdV in allen Bereichen beträchtlichen zivilgesellschaftlichen Einsatz. Das Schicksal der deutschen Vertriebenen und Spätaussiedler sowie der heimatverbliebenen Deutschen mit all seinen Folgen gehört in das kollektive Gedächtnis der ganzen Nation.

Schilder erinnerte an „70 Jahre Landsmannschaften in Memmingen“: „Die Flüchtlinge und Heimatvertriebenen haben nach 1945 die Stadt mit aufgebaut und zugleich mitgeholfen, dass das Land heute wirtschaftlich so stark und kulturell so vielfältig ist. Diesen Menschen sind wir auf immer zu Dank verpflichtet.“

Oberbürgermeister Manfred Schilder hatte die Vertriebenenbeauftragte Sylvia Stierstorfer sowie die Repräsentanten des BdV in Memmingen zu einem Rathausempfang geladen.

Heimatliche Gedanken beim Tag der Heimat vermittelten Edeltraud Bethke (SL), Johanna Mory (LS) und Ursula Ewert (LdO).

Die musikalische Gestaltung der Feierstunde hatten die Akteurinnen der Tischharfengruppe Memmingen in hervorragender Weise übernommen.

Unter den Besuchern weilten Altoberbürgermeister und Ehrenbürger Dr. Ivo Holzinger und Bürgermeister Dr. Hans-Martin Steiger sowie der Landesvorsitzende der Pommern, Ernst Schroeder.

Bericht: amb