
In einem kurzen Film zum Thema, wurde das Leitwort der Veranstaltung „70 Jahre Charta der deutschen Heimatvertriebenen“ gleich von Beginn an in den Mittelpunkt gestellt. Oberbürgermeisterin Eva Weber gestand in ihrer Begrüßung, dass es bei ihr „immer wieder eine Gänsehaut auslöst, wenn sie Bilder, in denen das Vertreibungsgeschehen gezeigt wird, sieht“. Heute könne man sich das damalige schreckliche Geschehen nach dem Zweiten Weltkrieg nahezu nicht mehr vorstellen. Er grenze an ein Wunder, dass die nahezu 15 Millionen aus ihren Heimatgebieten vertriebenen Menschen sich innerhalb relativ kurzer Zeit integriert und eine entscheidende Rolle zum Aufbau der zerstörten Deutschlands gespielt hätten. Die Charta habe maßgeblich dazu beigetragen. Augsburg freue sich, nach vielen Jahren wieder Veranstaltungsort für den zentralen Tag der Heimat in Bayern zu sein.
Vieles hätte sich seither zum Positiven gewandelt. Dies gelte auch für die in den Heimatgebieten verbliebenen Landsleute. Sie seien inzwischen als nationale Minderheiten anerkannt und würden oft als „wunderbare Mosaiksteinchen in der jeweiligen nationalen Gesamtkultur“ betrachtet. Dem anwesenden rumänischen Botschafter attestierte er, dass dessen Land neben Ungarn die vorbildlichste Minderheitenpolitik in Europa aufweise. Die dortigen jüngsten Parlamentsbeschlüsse zur dauerhaften monatlichen Entschädigungsleistung, für die nach dem Zweiten Weltkrieg verschleppten deutschen Zwangsarbeiter stelle die symbolische Anerkennungsleistung der Bundesrepublik sogar in den Schatten.
Dem Zentralrat der Juden in Deutschland entbot Knauer, anlässlich ihrer Gründung von 70 Jahren einen besonderen Gruß. Viel zu lange hätten sich auch die Verbände der Heimatvertriebenen allzu sehr mit dem Schicksal der eigenen Opfergruppe beschäftigt und dabei das Leid jener, auch unter ihren Augen, geschändeten oder ermordeten jüdischen Nachbarn hinten angestellt oder gar ausgeklammert. Er sei froh, dass in Bayern mit der Israelitischen Kultusgemeinde eine konstruktive Zusammenarbeit gepflegt werde. Man sich einig sei, dass die Menschenrechte unteilbar seien und jegliche Formen von Nationalismus und Radikalismus schon im Keim bekämpft werden müssten.
Das Motto des diesjährigen Heimattags stelle ein Dokument in den Mittelpunkt, das wichtige Impulse für die europäische Entwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg gegeben habe. Man müsse sich immer wieder ins Bewusstsein rufen, was die Vertreibung und die Deportationen damals bedeuteten: Enteignung, Entrechtung, Zerstörung des Lebensmutes, Zwangsarbeit, Willkür, Gewalt, Überlebensangst, unendliches und unermessliches menschliches Leid. Daran nicht zu zerbrechen, sondern Mut zu fassen und zu einem friedlichen Zusammenleben in Europa aufzurufen, sage viel über die Moral der Heimatvertrieben aus. Zudem seien sie seit 70 Jahren Europas Brückenbauer.
Ziel der Bayerischen Staatsregierung sei es, die Heimatvertriebenen weiter zu stützen und zu stärken. „Wir wollen, dass sie sich fest in unser kollektives Gedächtnis in Bayern und Deutschland einprägen.“ Dabei habe man alle Heimatvertriebenen im Blick. Derzeit sei man dabei, Kulturzentren für die Deutschen aus Russland, die Siebenbürger Sachsen, die Banater Schwaben und die Donauschwaben zu realisieren. Diese Zentren würden „begehbare Schätze sein, die unsere Erinnerungen an einen wichtigen Teil der deutschen Geschichte aufrecht halten werden“. Zudem wünsche sie sich, dass noch viel mehr Schulklassen die bestehenden Einrichtungen und Zentren besuchten um zu sehen, wie glanzvoll das kulturelle Erbe der Heimatvertriebenen und Spätaussiedler strahlt.
