Tag der Heimat in Grafing

Sozialstaatssekretär Hintersberger: „Tag der Heimat ist leuchtendes Beispiel für großartigen Zusammenhalt der Heimatvertriebenen“

Zum diesjährigen Zentralen Tag der Heimat in Bayern am 17. September 2017 in Grafing bei München betonte Bayerns Sozialstaatssekretär Johannes Hintersberger: „Der Tag der Heimat hat herausragende Symbolkraft: Die Heimatvertriebenen und Spätaussiedler sind eine starke und lebendige Schicksalsgemeinschaft. Wo immer sie sind, sie treten für den Schutz von Minderheiten und für Menschenrechte ein.“

Der Zentrale Tag der Heimat stand im Jahr 2017 unter dem Motto ‚60 Jahre Einsatz für Menschenrechte, Heimat und Verständigung‘. „Das Motto passt hervorragend“, zeigte sich Hintersberger überzeugt und würdigte das gesellschaftliche Engagement der Heimatvertriebenen: „Sie setzen sich fortwährend für Menschenrechte, ihre Kultur, die heimatverbliebenen Deutschen und den grenzüberschreitenden Dialog mit unseren Nachbarn ein. Das ist beispiellos.“

Der Staatssekretär stellte die gemeinsame Leistung der Vertriebenen und Spätaussiedler heraus: „Die Vertriebenen und Spätaussiedler sind geprägt von einem tief verwurzelten Wertebewusstsein. Sie wissen auch um die Bedeutung von Demokratie. Dies gibt ihnen Halt und Orientierung für die Gestaltung der Zukunft.“

Hintersberger bekräftigte: „Ein gutes Miteinander und die Aufarbeitung der Geschichte auf Basis von Wahrheit und Gerechtigkeit bedürfen auch weiterhin des engen Austauschs und Dialogs.“

Das Foto zeigt (von links nach rechts) Bayerns Sozialstaatssekretär Johannes Hintersberger bei seiner Festrede, Christian Knauer, Landesvorsitzender des Landesverbandes Bayern des Bundes der Vertriebenen, und den Augsburger Chor ‚Heimatmelodie‘ der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland unter Leitung von Aljona Heiser.

PM des BStMAS vom 18.9.2017

Gut besuchte Informationsveranstaltungen des BdV-Präsidenten

Am Rande der von vielen interessierten und diskussionsfreudigen Bürgern besuchten Veranstaltung in Cloppenburg am 7. September 2017 (v.l.n.r.): Landtagskandidat Christoph Eilers (CDU), Bundestagskandidatin Silvia Breher (CDU), BdV-Präsident Dr. Bernd Fabritius MdB und Nadja Kurz, Vorsitzende des Heimatvereines der Deutschen aus Russland in Molbergen (Foto: privat).

Mit einem Termin in Cloppenburg ging am 7. September 2017 eine erfolgreiche Reihe von Veranstaltungen zu Ende, die BdV-Präsident Dr. Bernd Fabritius MdB in den letzten Monat an viele Orte in Deutschland geführt hat.

Ob Waldkraiburg, Ingolstadt, Geretsried, Moosburg, Bayreuth, Pforzheim, Kiel oder zuletzt Cloppenburg: Stets informierte er an gut besuchtem Orte u.a. über die Arbeit des Bundes der Vertriebenen, etwa im Bereich des Erinnerungstransfers, der Kulturgutsicherung, der Verständigungspolitik und der Migrationsberatung, über die Anerkennungsleistung an ehemalige deutsche Zwangsarbeiter oder über die besondere Altersarmut bei Spätaussiedlern und die BdV-Initiative, diese abzumildern.

Verständigungspolitik, Migrationsberatung, Zwangsarbeiterentschädigung und Altersarmut

Insgesamt, so betonte Fabritius dabei immer wieder, fuße die Arbeit des BdV auf den bereits in der Charta der deutschen Heimatvertriebenen von 1950 niedergeschriebenen Grundsätzen. Schon damals sei insbesondere den osteuropäischen Nachbarn mit dem Ziel eines freien, friedlichen und geeinten Europas die Hand gereicht worden. Konsequent würden sich die Vertriebenen und ihre Verbände bis heute für die grenzüberschreitende Verständigung einsetzen.

Auch das Engagement des BdV in der Migrationsberatung passe in dieses Bild. Hier würden überwiegend Spätaussiedler beraten – aber auch anerkannte Flüchtlinge, die durch den Heimatverlust ähnliche Schicksalserfahrungen gemacht hätten und denen die deutschen Vertriebenen und Spätaussiedler daher mit Empathie begegnen. Ansonsten bestehe kaum Vergleichbarkeit dieser Gruppen, zumal die deutschen Vertriebenen nach moderner Diktion „Binnenvertriebene“ waren, die heutigen Vertriebenen und Flüchtlinge jedoch sprachlich sowie kulturell Fremde seien, für die völlig unterschiedliche Integrationserfordernisse beachtet werden müssten, hob der BdV-Präsident hervor.

Dem Bundestag und der Bundesregierung dankte er für die Einführung der Anerkennungsleistung an ehemalige zivile deutsche Zwangsarbeiter, wofür sich der BdV lange eingesetzt habe. Die bislang mehr als 25.000 Anträge zeigten, dass diese symbolische Geste gut angenommen werde. Am 31. Dezember 2017 laufe die Antragsfrist ab, gab Fabritius zu bedenken und empfahl Betroffenen, ihre Ansprüche noch fristgerecht geltend zu machen.

Das besondere Altersarmutsrisiko bei Spätaussiedlern bezeichnete der BdV-Präsident als „Generationen-Ungerechtigkeit im Rentenrecht“. Diejenigen, die mit gut ausgebildeten und hart arbeitenden Kindern besonders zur Sicherung unserer sozialen Systeme beitrügen, hätten seit den 1990er Jahren die Zeche für eine Neiddebatte zahlen müssen. Der BdV arbeite mit Nachdruck daran, die Situation dieser Menschen zu verbessern und habe dafür mehrere Vorschläge unterbreitet, die Zustimmung und Unterstützung der Unionsfraktion im Bundestag erreicht hätten.

Wahlaufruf

Seinen Schlusspunkt setzte der BdV-Präsident meist mit einem Aufruf zur Teilnahme an der Bundestagswahl am 24. September 2017. „Unser demokratisches Wahlrecht ist ein Privileg, um das uns Millionen Menschen in vielen Ländern beneiden“, erklärte Fabritius. Ohne einen konkreten Wahlvorschlag zu machen, empfahl er den Anwesenden, möglichst keine Partei zu wählen, die Anliegen der Heimatvertriebenen nicht unterstütze. Dabei sollte man bisherige Erfahrungen beachten, die Äußerungen der jeweiligen Kandidatinnen und Kandidaten verfolgen und sich anderweitig über die Ziele der Parteien informieren.

Eines jedoch betonte er immer wieder: „Lassen Sie nicht zu, dass extreme und populistische Positionen von links oder von rechts im politischen Diskurs die Oberhand gewinnen. Mit Abschottung, Nationalismus und anti-europäischen Tendenzen werden all unsere Erfolge und Errungenschaften, die uns Wohlstand und ein Leben in Frieden und Freiheit bescheren, ins genaue Gegenteil verkehrt.“

Viele Fragen und offene Diskussion

Viele Teilnehmer nutzten die Gelegenheit, nach den Worten des BdV-Präsidenten ergänzende Fragen zu stellen. Geduldig und detailliert beantwortete Fabritius eine Vielzahl an Fragen zur Rententhematik, aus denen deutlich wurde, wie wichtig eine Lösung der damit verbundenen Probleme für die Betroffenen ist und wie dankbar diese den von den Unionsparteien aufgegriffenen Vorstoß des BdV aufnehmen. Auch zu verständigungspolitischen Themen wie etwa dem Verhältnis zu Polen, Rumänien oder Russland wurde er befragt. Dabei lehnte er etwa den jüngsten Vorstoß der polnischen PiS-Regierung zur Forderung von Reparationszahlungen entschieden ab und bewertete ihn als Provokation ohne rechtliche oder moralische Legitimität.

Und ebenso leidenschaftlich, wie mancher Fragesteller auftrat, der aus Fabritius‘ Wahlaufruf doch eine Wahlempfehlung abgeleitet haben wollte, setzte der BdV-Präsident seine Worte nochmals ins richtige Licht: So sei es in erster Linie wichtig, überhaupt an demokratischen Meinungsbildungsprozessen teilzuhaben und sich möglichst auch in die konkrete politische Arbeit einzubringen. Erkennbar sei nämlich, dass Anliegen der Vertriebenen und Spätaussiedler sowie der deutschen Minderheiten gerade in den letzten Jahren umgesetzt werden konnten. Anhand der vorliegenden Wahl- und Grundsatzprogramme bestimmter Parteien lasse sich auch nachvollziehen, dass aktuelle Anliegen ebenfalls adressiert werden konnten – gerade im Hinblick auf das wichtige Thema Altersarmut.

Andere Parteien wiederum würden sich um diese Themen überhaupt nicht kümmern und „die Wertebezogenheit, Heimat- und Kulturliebe der Vertriebenen und Spätaussiedler als gestrig und volkstümelnd“ verhöhnen.

Keine „Deutschen erster und zweiter Klasse“

Eine weitere Partei würde versuchen, die Vertriebenen und Spätaussiedler vordergründig mit Nationalismen zu ködern, und ihnen ein aus der Zeit gefallenes Deutschland versprechen. In Wirklichkeit würde sie dann im Wahlprogramm „zwischen Deutschen erster und zweiter Klasse“ unterscheiden, „nur weil einige von uns nicht hier geboren wurden, sondern erst in den letzten Jahren zugezogen sind“, kritisierte Fabritius eine Regelung, die gerade Deutsche aus der ehemaligen Sowjetunion deutlich benachteiligen würde.

Diese Partei stelle z.B. in Aussicht, straffällig gewordenen Deutschen die Staatsbürgerschaft zu entziehen, wenn die deutsche Staatsbürgerschaft erst innerhalb der letzten zehn Jahre erlangt worden sei. „Deutsche sind Deutsche, gleich ob hier geboren oder vor 10 oder 20 Jahren eingebürgert“, stellte der BdV-Präsident klar und ergänzte, dass „eine solche Ungleichbehandlung mit dem Grundgesetz nicht vereinbar ist. Solche Verirrungen – und das ist nur ein mögliches Beispiel – lehne ich generell ab, besonders entschieden aber im Hinblick auf die vom BdV vertretenen Menschen.“

Es gelte, sich genau zu informieren, um die beste politische Vertretung zu wählen und nicht als Angehöriger einer Gruppe instrumentalisiert zu werden, wiederholte Fabritius abschließend nochmals die Botschaft aus seinem Wahlaufruf.

Pressemitteilung des Bundes der Vertriebenen vom 12.09.2017

BdV-Präsidialmitglied Milan Horáček erhält hohe tschechische Ehrung

Widerstand gegen den Kommunismus gewürdigt

Am 6. September 2017 ist BdV-Präsidialmitglied Milan Horáček von der Tschechischen Republik in Prag für seinen Widerstand gegen den Kommunismus ausgezeichnet worden. Hierzu erklärt BdV-Präsident Dr. Bernd Fabritius MdB:

Die Auszeichnung, die Milan Horáček namens des tschechischen Verteidigungsministers Martin Stropnický für „Kampf und Widerstand gegen den Kommunismus“ erhalten hat, ist hochverdient. Sie würdigt den Beginn eines lebenslangen, mutigen Einsatzes für Menschenrechte und gegen jedwedes totalitäre Unrecht.

 Außerdem steht sie sinnbildlich für das sich immer weiter verbessernde Verhältnis zwischen den Vertriebenen, ihren Verbänden und der Tschechischen Republik. Dies unterstreichen auch die offiziellen Reden tschechischer Regierungsvertreter bei den Sudetendeutschen Tagen.

 Auch die Ehrung eines gleichermaßen auf Ver­ständigung wie auf Wahrheit bedachten, kritischen Geistes wie Horáček zeigt, dass es ein gutes und vertrauensvolles Miteinander geben kann, trotz der Verwerfungen und Schrecknisse aus der Mitte des 20. Jahrhunderts.

 Ich freue mich über Milan Horáčeks Ehrung und gratuliere ihm herzlich.

Milan Horáček bei der Ehrung in Prag (Foto: Archiv Milan Horáček).

Pressemitteilung des Bundes der Vertriebenen vom 8.9.2017

Zentraler Tag der Heimat für Bayern in Grafing am 17. September

Die Ereignisse von Flucht und Vertreibung in Folge des Zweiten Weltkrieges gehören zu den einschneidendsten sozialen Veränderungen in der deutschen Nachkriegsgeschichte. Millionen von Vertriebenen, Aussiedlern und Spätaussiedlern haben seither in Bayern eine neue Heimat gefunden. Unter dem Leitwort „60 Jahre Einsatz für Heimat, Menschenrechte und Verständigung“ veranstaltet der Landesverband Bayern des Bundes der Vertriebenen – der Dachverband der landsmannschaftlichen Gruppen und Verbände in Bayern – in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft der Landsmannschaften im Landkreis Ebersberg seinen zentralen „Tag der Heimat“ für Bayern in diesem Jahr in Grafing, um an die Ereignisse zu erinnern. Bei dem Festakt werden neben dem BdV-Landesvorsitzenden Christian Knauer auch Johannes Hintersberger, Staatssekretär im bayerischen Staatsministerium für Arbeit und Soziales, Familie und Integration und BdV-Präsident Dr. Bernd Fabritius sprechen. Robert Niedergesäß, Landrat des Landkreises Ebersberg und Angelika Obermayr, Bürgermeisterin der Stadt Grafing, werden die Grußworte halten. Kulturell umrahmt wird das Programm von der Stadtkapelle Grafing, dem Markt Schwabener Drei-Gesang, der Münchner Saitenmusik, einer Jugendtanzgruppe der Siebenbürger Sachsen und dem Russlanddeutschen Chor aus Augsburg unter Leitung von Alena Heiser. Auf dem Programm steht wie immer auch die Verleihung des BdV-Kulturpreises.

Der Tag der Heimat beginnt am Sonntag, den 17. September um 13.30 Uhr mit einem öffentlichen Totengedenken am Waldfriedhof Grafing. Um 14.30 Uhr findet der eigentliche Festakt mit Gästen aus ganz Bayern in der Grafinger Stadthalle statt. Alle Bürger und Bürgerinnen sind hierzu herzlich eingeladen.

 

Sonntag, 17. September 2017, 13.30 Uhr

Totengedenken auf dem Waldfriedhof Grafing

Pfarrer-Dr.Rauch-Straße, 85567 Grafing

 

Sonntag, 17. September 2017, 14.30 Uhr

Festakt des Bundes der Vertriebenen für den Freistaat Bayern

Stadthalle, Jahnstraße 13, 85567 Grafing

 

TdH Grafing
Tag der Heimat in Grafing

Tag der Heimat: BdV-Präsident Dr. Bernd Fabritius fordert Vertreibungsverbot

BdV-Präsident Dr. Bernd Fabritius begrüßt Bundesinnenminister Dr. Thomas de Maizière beim diesjährigen Tag der Heimat (Foto: Peter-Paul Weiler/BdV).

Bundesinnenminister Dr. Thomas de Maizière hält Festrede

„60 Jahre Einsatz für Menschenrechte, Heimat und Verständigung“ lautet das diesjährige Leitwort für die Veranstaltungen zum Tag der Heimat des Bundes der Vertriebenen. Der zentrale Auftakt dazu fand am 2. September 2017 in der Urania Berlin statt. Es sprachen Bundesinnenminister Dr. Thomas de Maizière, BdV-Präsident Dr. Bernd Fabritius MdB sowie Prälat Dr. Martin Dutzmann, Bevollmächtigter des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) bei der Bundesrepublik Deutschland und der Europäischen Union. Für die musikalische Untermalung sorgten die Potsdamer Turmbläser unter Bernhard Bosecker, die Stücke des sudetendeutschen Komponisten Heinrich Simbriger spielten.

Prälat Dutzmann, der im 500. Jahr der Reformation von der EKD mit dem geistlichen Wort und Gedenken beim Tag der Heimat betraut worden war, beschrieb die Verschleppung der Israeliten nach Babylonien im sechsten Jahrhundert vor Christus. Er zeichnete deren Heimatsehnsucht und Fremdheitsgefühl nach und wies behutsam auf die historische Dimension von Vertreibungsverbrechen hin. Vor diesem Hintergrund seien Verständnis und Empathie für sämtliche Opfer von Vertreibungen und Deportation geboten. Gerade den deutschen Heimatvertriebenen und Flüchtlingen sei die Ankunft nach dem Verlust der Heimat schwergefallen, zumal das Ausmaß ihres Leides von der restlichen Bevölkerung oft nicht erkannt wurde. Für alle gleichermaßen gelte aber Gottes Heilsversprechen, das sich auch im kommenden Wochenspruch zeige: „Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen.“ (Jesaja 42, 3) Dieser Trost im Glauben habe sicher mit dazu beigetragen, dass die Vertriebenen letztlich ankamen und zu wichtigen Stützen der deutschen Nachkriegsgesellschaft wurden. Ausgehend von ihren eigenen Erfahrungen könnten sie heute besonders zur Bewältigung der aktuellen Herausforderungen von Flucht und Vertreibung beitragen, so Prälat Dutzmann.

Die Ansprache des BdV-Präsidenten, Dr. Bernd Fabritius MdB, stand ganz im Zeichen des 60. Gründungsjubiläums sowie des diesjährigen Leitwortes. Fabritius ging darin auf Entwicklungen ein, die der Bund der Vertriebenen im Laufe seiner Geschichte angestoßen und umgesetzt hat. Ebenso beschrieb er fortbestehende Aufgaben und umriss zukünftige Herausforderungen.

Die „Charta der deutschen Heimatvertriebenen“ vom 5. August 1950, auf der die Tradition des Tages der Heimat aufbaut, sei als „entschiedene Absage an eine immer wieder zu beobachtende Spirale aus Gewalt und Rache“ zu verstehen und mit ihrer Zielrichtung zu einem der Grundsteine des heutigen Europa der freien Völker geworden. Außerdem habe sie das Augenmerk auf „die notwendigen internationalen Anstrengungen zur Verhinderung weiterer Vertreibungsverbrechen“ gelegt.

Daher sollte Europa heute daran gelegen sein, „dass auch das fundamentale Menschenrecht des Schutzes vor Vertreibung und ethnischer Säuberung seinen normativ verankerten Platz in der europäischen Rechtsordnung erhält“, so Fabritius. „Wir brauchen eine Initiative, die von vornherein klarstellt, dass es uns nicht um rückwärtsgewandtes Recht geht, sondern um die Friedens- und Zukunftssicherung in Europa. Europa sollte hier Vorreiter sein und der Welt zeigen, dass wir mit Sanktionen gegen jeden vorgehen wollen, der sich in Zukunft ethnischer Säuberungen als Mittel der Interessenverwirklichung bedient und sich als Vertreiber betätigt“, erklärte er weiter.

Ein solches Vertreibungsverbot würde dazu beitragen, den Status der deutschen Minderheiten in den ostmittel- und osteuropäischen Ländern sowie der in Russland oder den anderen Nachfolgestaaten der GUS lebenden Deutschen zu sichern. Diesen Gruppen aufgrund ihres besonderen Schicksals einerseits zu helfen und andererseits die Tür nach Deutschland offenzuhalten, seien nach wie vor wichtige Anliegen des BdV.

Im Hinblick auf die zu uns kommenden Spätaussiedler mahnte Fabritius „eine angemessene Willkommenskultur“ an und betonte, nirgendwo sei dieser Begriff „passender und notwendiger“. Dazu zählte der BdV-Präsident auch das Eingehen auf offene soziale Fragen wie die gerade in diesem Bereich große Gefahr der Altersarmut. Die in den 1990er Jahren erfolgten Rentenkürzungen hätten nur zur Befriedigung einer Neiddebatte gedient. Ohne Rücksicht auf das Generationen-Umlageprinzip seien die an die Elterngeneration auszuzahlenden Beträge gekürzt, die Beitragspflicht der Kinder jedoch uneingeschränkt beibehalten worden. „Ich nenne das eine Generationen-Ungerechtigkeit, die wir beseitigen müssen – und daran arbeiten wir mit Nachdruck“, so Fabritius unter dem Applaus der Anwesenden.

Die Anerkennungsleistung an ehemalige deutsche Zwangsarbeiter nutzte der Präsident dafür, der Bundesregierung für die Unterstützung der Anliegen des BdV und seiner Gliederungen zu danken. Nur aufgrund gemeinschaftlicher Anstrengungen in vielen Bereichen sei diese symbolische Geste möglich geworden, machte er deutlich und ermutigte die Betroffenen zur Antragstellung.

Politische Unterstützung auch in der Zukunft sowie eine angemessene öffentliche Förderung würden die deutschen Heimatvertriebenen und ihre Verbände insbesondere für ihr verständigungspolitisches Engagement und ihre Aktivitäten für den Erhalt und die Weiterentwicklung ihrer Kultur entsprechend des Bundesvertriebenen- und Flüchtlingsgesetzes benötigen, erklärte Fabritius. Die Intensivierung der Arbeit in diesen Bereichen werde etwa eine noch engere Vernetzung mit den Organisationen der deutschen Minderheiten mit sich bringen und somit die Basis weiter verbreitern, auf der die Zusammenarbeit auf zwischenstaatlicher Ebene fuße.

Zusammenfassend wies BdV-Präsident Dr. Fabritius darauf hin, dass trotz des sich im Laufe der Jahrzehnte immer wieder ändernden Zeitgeistes und des Generationen-wechsels der in der Vertriebenencharta niedergeschriebene Versöhnungsgedanke bis heute erhalten geblieben ist. „Wir haben Verzicht geübt – und gehen auch heute vorneweg bei den politischen Entwicklungen hin zu einem vereinten Europa der befreundeten Nachbarn“, erklärte er und rief die Anwesenden dazu auf, den darauf hinarbeitenden politischen Kräften bei der Bundestagswahl am 24. September 2017 ihre Stimme zu verleihen.

Bundesinnenminister Dr. Thomas de Maizière MdB baute seine Festrede um die facettenreichen Themen „Erinnerung“ und „Heimat“ sowie um die Fragestellungen herum auf, wie Erinnerung weitergegeben und in welcher Bedeutung die Heimat erhalten werden kann.

Zu Beginn ging er dabei auf die im Berliner Deutschlandhaus entstehende Dauerausstellung der Bundesstiftung „Flucht, Vertreibung, Versöhnung“ ein. Mit Bezug auf die langsam schwindende Erlebnisgeneration von Flucht und Vertreibung nach dem Zweiten Weltkrieg erklärte er, deren Zeitzeugenberichte in Verbindung mit einer Vielzahl geretteter Objekte könnten nachfolgenden Generationen die Erinnerungen an das Erlebte näherbringen. „An Erinnerungen erkennen wir, wer wir sind und wodurch wir uns von anderen unterscheiden“, betonte der Bundesinnenminister und dankte dem Bund der Vertriebenen ausdrücklich für dessen „langen Kampf für dieses Dokumentationszentrum“.

Die zur Erinnerung gewordenen, leidvollen Erfahrungen der Vertreibung und der schwierigen Ankunft im Nachkriegsdeutschland sowie die damit oft verbundene Verdrängung als eine Art „innere Flucht“ könnten eine Ursache dafür sein, dass sich die deutschen Heimatvertriebenen durch besondere Leistung und Disziplin Akzeptanz in der Gesellschaft erwarben. „Das große westdeutsche Wirtschaftswunder, auf das unser Land so stolz war und das unserem Land auch ein Stück Identität gegeben hat – ‚Made in Germany‘ zum Beispiel –, das wäre jedenfalls ohne die leistungsbereiten, durch ihr Schicksal gestärkten Heimatvertriebenen nicht denkbar gewesen“, lobte de Maizière.

Der Tag der Heimat bleibe unverzichtbar, zumal die Veranstaltungsreihe immer wieder verdeutliche, dass die verlorene Heimat auch weiterhin existiere: einerseits als „gemeinsamer Erinnerungsort“. „Sie auch als solche zu bezeichnen und an sie zu erinnern ist versöhnlich und mahnend – und damit auch für uns heute noch von Bedeutung“, so der Innenminister. Andererseits bleibe die Heimat mit ihrer Historie auch als Kulturraum erhalten, „der auch heute noch allen Deutschen wegen seiner natürlichen Schönheit, wegen seiner Künstler und Geistesgrößen, seiner historischen Zugehörigkeit und bleibenden Verbundenheit zu Deutschland etwas zu sagen hat“. „Und dies ist auch spezifisch deutsch“, kommentierte de Maizière aktuelle politische Diskussionen.

Für die Zukunft der Veranstaltungen zum Tag der Heimat, aber auch der Gedenkstunde am „Gedenktag für die Opfer von Flucht und Vertreibung“ sei entscheidend, sie zum Teil der lebendigen Erinnerungskultur zu machen. Denn auch die Weitergabe des Erlebten – die Herausforderung an Kinder und Enkel, sich diese Vergangenheit immer wieder zu eigen zu machen und später ebenfalls weiterzugeben – bewirke eine starke Prägung der Identität, erklärte de Maizière mit einem Hinweis auf seine eigene, preußisch-hugenottische Familiengeschichte.

Besondere Wertschätzung hatte der Minister für den Aufruf des BdV zu Empathie mit heutigen Schutzbedürftigen sowie das aktive Engagement in diesem Bereich übrig.

Ausdrücklich dankte er den Vertriebenen und ihren Verbänden auch im Namen der Bundesregierung für das insgesamt Geleistete und bat um eine Fortsetzung der Arbeit. „Und wir werden Sie dabei weiter unterstützen – zur Anerkennung Ihres Schicksals und zur Mahnung an die künftigen Generationen, sich für Frieden und Recht einzusetzen“, so der Bundesinnenminister. Als Beispiel nannte er die schon vom BdV-Präsidenten angesprochenen Themen der Zwangsarbeiterentschädigung sowie die Rentenproblematik der Spätaussiedler.

Am Ende der Ausführungen de Maizières stand ein eindringlicher Wunsch für den Tag der Heimat: „Ich würde mich darüber freuen, wenn wir weit über Vertriebenenthemen hinaus darüber diskutieren, was Heimat heute ausmacht.“ Diese Ausdehnung des Themas könnte der Veranstaltung über die Heimatvertriebenen hinaus Prominenz verleihen und noch mehr Menschen zur Teilnahme begeistern.

Auch in diesem Jahr waren viele Gäste aus ganz Deutschland nach Berlin gekommen. Darüber hinaus konnten Vertreter aus Bundes- und Landespolitik sowie aus dem Diplomatischen Corps begrüßt werden. So waren etwa die bayerische Staatsministerin für Arbeit und Soziales, Familie und Integration, Emilia Müller MdL, der Beauftragte der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, Hartmut Koschyk MdB, der Beauftragte der Bundesregierung für die Unterlagen des Staatssicherheits-dienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik, Roland Jahn, sowie die Botschafter Ägyptens, Armeniens und der Tschechischen Republik zur Veranstaltung gekommen.

Beim würdigen Totengedenken am Mahnmal der deutschen Heimatvertriebenen, der „Ewigen Flamme“ auf dem Berliner Theodor-Heuss-Platz, sprachen in diesem Jahr der Berliner Innensenator Andreas Geisel MdA, der Berliner Landesvorsitzende des Bundes der Vertriebenen, Staatssekretär a.D. Rüdiger Jakesch, sowie BdV-Präsident Dr. Bernd Fabritius. Die höchsten Staatsämter, die Bundesländer, die Landsmannschaften und viele weitere gesellschaftliche Gruppen ließen zu Ehren der Toten Kränze niederlegen.

170902 TdH Präsidium Gruppe
Gruppenbild mit dem Bundesinnenminister (v.l.n.r.): BdV-Vizepräsident Christian Knauer, Steffen Hörtler (stellvertretender Bundesvorsitzender der Sudetendeutschen Landsmannschaft), BdV-Vizepräsident Reinfried Vogler, Emilia Müller MdL (Bayerische Staatsministerin für Arbeit, Soziales, Familie und Integration), BdV-Präsidialmitglied Waldemar Eisenbraun, Bundesinnenminister Dr. Thomas de Maizière MdB, BdV-Vizepräsident Stephan Grigat, BdV-Präsident Dr. Bernd Fabritius MdB, BdV-Präsidialmitglied Siegbert Ortmann, Hartmut Koschyk MdB (Beauftragter der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten)  (Foto: Peter-Paul Weiler/BdV).

170902 TdH Rede Innenminister
Bundesinnenminister Dr. Thomas de Maizière MdB bei seiner Festrede zum Tag der Heimat 2017 (Foto: Peter-Paul Weiler/BdV).

Pressemitteilung des Bundes der Vertriebenen: Marc-P. Halatsch

BdV-Präsident fordert Vertreibungsverbot

Friedens- und Zukunftssicherung in Europa und der Welt

Beim Auftakt zur diesjährigen Veranstaltungsreihe zum Tag der Heimat des Bundes der Vertriebenen am 2. September 2017 in der Urania Berlin, der zum Verbandsjubiläum unter dem Leitwort 60 Jahre Einsatz für Menschenrechte, Heimat und Verständigung steht, forderte BdV-Präsident Dr. Bernd Fabritius MdB, ein Vertreibungsverbot in der europäischen Rechtsordnung zu verankern.

Er erklärte:

Es ist höchste Zeit, dass auch das fundamentale Menschenrecht des Schutzes vor Vertreibung und ethnischer Säuberungen seinen normativ verankerten Platz in der europäischen Rechtsordnung erhält. (…) Wir brauchen eine Initiative, die von vornherein klarstellt, dass es uns nicht um rückwärtsgewandtes Recht geht, sondern um die Friedens- und Zukunftssicherung in Europa. Europa sollte hier Vorreiter sein und der Welt zeigen, dass wir mit Sanktionen gegen jeden vorgehen wollen, der sich in Zukunft ethnischer Säuberungen als Mittel der Interessenverwirklichung bedient und sich als Vertreiber betätigt.“

Weitere Informationen, Programm und Redetexte unter:

http://www.bund-der-vertriebenen.de/themen-und-termine/tag-der-heimat/tag-der-heimat-2017.html

Pressemitteilung des BdV – Bund der Vertriebenen, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit,
Pressekontakt: Marc-Pawel Halatsch

Staatssekretär Bernd Sibler zeichnet Beiträge im Wettbewerb „Die Deutschen und ihre östlichen Nachbarn. Wir in Europa“ aus

„Preisträger leisten wichtigen Beitrag zum gegenseitigen Verständnis und Zusammenwachsen in Europa“ – Staatssekretär Bernd Sibler zeichnet Beiträge im Wettbewerb „Die Deutschen und ihre östlichen Nachbarn. Wir in Europa“ aus.

BAYERISCH-EISENSTEIN. „Ihr alle seid Brückenbauer für ein freundschaftliches Miteinander in Europa! Mit euren kreativen Beiträgen zum Wettbewerb ‚Die Deutschen und ihre östlichen Nachbarn. Wir in Europa‘ habt ihr euch auf kulturelle Spurensuche begeben und den bayerisch-tschechischen Beziehungen nachgespürt. Damit habt ihr einen wichtigen Beitrag zum gegenseitigen Verständnis und Zusammenwachsen in Europa geleistet“, betonte Staatssekretär Bernd Sibler heute bei der feierlichen Preisverleihung in Bayerisch Eisenstein. Gemeinsam mit dem Direktor des „Hauses des Deutschen Ostens“, Prof. Dr. Andreas Otto Weber, zeichnete er Schülerinnen und Schüler aus ganz Bayern sowie Tschechien, Polen, Ungarn, Slowenien und Rumänien aus, deren Beiträge im Kreativwettbewerb überzeugen konnten.

Der Wettbewerb nahm heuer unter dem Titel „Karl IV. – Böhmen, Bayern, Europa“ die bayerisch-tschechischen Beziehungen in Geschichte und Gegenwart in den Blick. Vergeben wurden Preise in den Kategorien Kunst, Musik, Literatur, Spurensuche sowie Land und Leute in insgesamt vier Altersstufen. Knapp 12.000 Schülerinnen und Schüler aus Bayern und den angrenzenden östlichen Nachbarstaaten hatten in diesem Schuljahr mit kreativen Beiträgen oder über eine Beteiligung am Wissensquiz an dem Wettbewerb teilgenommen. Ein Teil von ihnen – darunter auch die Sieger des Wissensquiz – erhielt bereits über die Schulen Anerkennungsurkunden und Sachpreise wie Bücher, Spiele oder Umhängetaschen.

Das bayerische Kultusministerium ist Träger des Schülerwettbewerbs „Die Deutschen und ihre östlichen Nachbarn. Wir in Europa“. Seine Durchführung wird vom „Haus des Deutschen Ostens“ unterstützt. Er wird in zweijährigem Turnus durchgeführt und nimmt die Entwicklung der historischen Beziehungen zwischen Deutschland und seinen osteuropäischen Nachbarn in den Blick. Ziel des Wettbewerbs ist es, einen Beitrag zur europäischen Integration und zur Überwindung historisch begründeter Stereotype zu leisten. Die interkulturelle Dimension des Wettbewerbs wird dadurch unterstrichen, dass auch Schülerinnen und Schüler aus Osteuropa teilnehmen.

Weitere Informationen unter: www.oestlichenachbarn.bayern.de

Pressemitteilung des Bayerisches Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst, Kathrin Gallitz, Stellv. Pressesprecherin, 089 2186 2057, vom 28.7.2017.