
Ende Juli verlieh der Bayerische Staatsminister für Heimat, Albert Füracker, MdL, in Nürnberg der gebürtigen Böhmerwäldlerin Inge Schweigl einen der neun Bayerischen Dialektpreise. Der mit je 1000 Euro dotierte Preis würdigt besondere regionale Verdienste im Bereich Dialektpflege und Dialektforschung. Für jeden Regierungsbezirk ist eine Auszeichnung vorgesehen. Zusätzlich gibt es einen Preis für die Mundartpflege der Sudetendeutschen sowie einen Sonderpreis.
Christina Meinusch, die Heimatpflegerin der Sudetendeutschen, hatte die 1939 geborene Inge Schweigl für den Preis vorgeschlagen. In ihrer Begründung heißt es: „Inge Schweigl wurde als siebenjähriges Mädchen aus Krummau/Český Krumlov im Böhmerwald vertrieben. Sie gehört zu den wenigen noch lebenden Mundartsprecherinnen und Mundartsprechern, die ihren Dialekt noch in der Heimat gesprochen haben. Zeit ihres Lebens hat sie das Böhmerwäldler Idiom gepflegt. Sie gilt als eine der besten und authentischsten Mundartsprecherinnen ihrer Heimatregion.“
Die Preisträgerin sammelte 200 Volkslieder aus dem Böhmerwald für Archive des Bayerischen Landesvereins für Heimatpflege. Diese sang sie für den Bayerischen und den Süddeutschen Rundfunk auf Tonträger und dokumentiert sie dadurch. Als ausgebildete Märchenerzählerin und passionierte Mundartsprecherin gab sie die Nachschrift von Gustav Jungbauers „Böhmerwaldmärchen“ von 1923 heraus. Im „Freundeskreis Sudetendeutscher Mundarten“ engagierte sie sich seit der Gründung im Jahr 1977 und war beim alljährlichen Mundartseminar und der Jahrestagung der Mundartfreunde als Teilnehmerin stets dabei. Bei den alljährlichen Sudetendeutschen Tagen moderierte sie viele Jahre das Programm der Mundartfreunde.
Vor allem durch das Sammeln und Dokumentieren von Volksliedern in Mundart und Mundartbegriffen aus dem Böhmerwald leistet sie einen wichtigen Beitrag zur Dokumentation dieser Mundart. Dank ihrer Teilnahme an Mundartseminaren gibt sie ihr Wissen, vor allem aber den authentischen Klang ihres Dialekts, an nachfolgende Generationen weiter. Für ihr Engagement wurde Inge Schweigl 2006 mit der Adalbert-Stifter-Medaille und 2014 mit dem Kulturpreis für Volkstumspflege der Sudetendeutschen Landsmannschaft ausgezeichnet. Text/Foto: N. H.
