
„Die Deutsche Minderheit in Polen ist heute mehr denn je auf den Zuspruch und die Unterstützung aus Deutschland angewiesen“. Dieses Fazit zogen die acht Mitglieder des Landesvorstandes der Landsmannschaft Schlesien und des Kuratorium der Stiftung im Anschluss an eine Begegnungsfahrt, die Ende Juli nach Schlesien führte. Sowohl die Bundesregierung wie die Länderregierungen seien hier gefordert. Als hilfreich und notwendig wird auch weiterhin das Engagement der beiden schlesischen Landsmannschaften angesehen.
Ihren Beginn nahm die Reise in einem Zusammentreffen mit dem Herausgeber der Zeitschrift „Schlesien heute“, Alfred Theisen. Er konnte in einem über dreistündigen Gespräch wichtige Informationen zur Situation der Deutschen in Schlesien geben und viele Fragen kompetent beantworten. In Breslau traf die Delegation mit der Vorsitzenden der Deutschen Minderheit, Krystyna Kadlewicz, zusammen. Sie engagiert sich dort seit der Gründung der Deutschen Sozial-Kulturellen Gesellschaft im Jahr 1990 und war 20 Jahre im Kulturausschuss tätig. Ausführlich kamen dabei die gegenwärtigen Probleme der Deutschen Minderheit in Breslau zur Sprache. Mit Deutschkursen und Veranstaltungen zum Jahresfestkreis versucht die Gesellschaft, insbesondere Kinder und Jugendliche an die Tradition der deutschen Kultur hinzuführen.
Obligatorisch gehörten Besuche des von der Deutschen Kriegsgräberfürsorge angelegten Soldatenfriedhof in Groß Nädlitz und dem Jüdischen Friedhof zum Reiseprogramm. Über Ohlau und Brieg ging es dann nach Oppeln. Dort besuchte man das neue „Ausstellungs- und Dokumentationszentrum der Deutschen in Polen“, dessen Auf- und Ausbau vom Bundesinnenministerium finanziert wurde, der laufende Betrieb von der Wojewodschaft getragen wird. Anhand einer Power-Point-Präsentation der Geschäftsführerin des Verbandes der Deutschen Minderheit, Johanna Hassa, wurde die Problematik des muttersprachlichen Deutschunterrichts erneut thematisiert. Seit September vergangenen Jahres wurde dieser für die rund 55.000 Kinder der Deutschen Minderheit in diskriminierender Weise durch die polnische Regierung von drei auf eine Stunde reduziert. Der Sprachunterricht der anderen Minderheiten blieb dagegen ungekürzt. Durch außerschulische Maßnahmen, finanziell unterstützt durch die Bundesregierung, werde nun versucht, einen Teil des reduzierten schulischen Unterrichts aufzufangen.
Ermöglicht durch eine Erbschaft von Marianne Müller, waren die Vertreter des bayerischen Landesverbandes in der Lage, mehrere Einrichtungen der Minderheit finanziell zu unterstützen. So konnte Landesvorsitzender Dr. Gotthard Schneider und dessen Schatzmeisterin Christiane Biedermann für die Anschaffung von Möbel und Spielsachen des neuen Kindergartens in Chronstau 1.000 Euro übergeben. Mit jeweils 3.000 Euro wurden die Schulen der Deutschen Minderheit in Cosel-Rogau, Ratibor-Studen und Gregorsdorf sowie Montessori-Schule des Vereins Pro Liberis Silesiae in Oppeln-Malino unterstützt. Die Grundschule Cosel-Rogau war die erste Schule ihrer Art und erhielt in den Anfangsjahren wertvolle Unterstützung durch die Vorsitzenden des Haushaltsausschusses im Bayerischen Landtag, Peter Winter und Josef Zellmeier. In Oppeln-Malino hofft man auf die Realisierung eines Lyzeums für die Jahrgangsstufen neun mit zwölf, um so die Schüler bis zum Abitur führen zu können.
Angetan zeigten sich die Besucher im Eichendorff-Bildungszentrum in Lubowitz. Dies soll nach den Worten des Vorsitzenden der Deutschen Minderheit in der Wojewodschaft Schlesien, Martin Lippa, zu einer Art Landschulheim weiterentwickelt werden. Insgesamt gibt es rund 480 Ortsverbände der Deutschen Minderheit in Polen mit einem eindeutigen Schwerpunkt in der Wojewodschaft Oppeln.
Letzter offizieller Programmpunkt war das Gedenken an die Toten im Lager Lamsdorf. In dem ehemaligen Kriegsgefangenenlager wurden 1945/1946 die Deutschen aus der Umgebung, im Wesentlichen aus dem Landkreis Falkenberg, interniert. Durch Terror und Schikanen seitens der polnischen Lagerleitung sowie durch Hunger und Krankheit kamen rund 1.800 Deutsche ums Leben. Am Gedenkkreuz gedachte die bayerische Reisegruppe der Toten im Gebet und durch Niederlegung eines Gebindes. Text: P. H.
