
Wohl selten konnte die Vorsitzende des gleichnamigen Fördervereins, die ehemalige CSU-Landtagsabgeordnete Reserl Sem, soviel politische Prominenz bei der traditionellen Gedenkandacht am Denkmal der Heimatvertriebenen auf dem Rahmenberg in Tann begrüßen, wie heuer. Zum einundzwanzigsten Mal hatte man sich bei strahlendem Sonnenschein dort versammelt, um den Opfern von Flucht und Vertreibung zu gedenken. Der katholische Pfarrer Wolfgang Reincke unterstrich dabei, dass dieses Gedenken auch für die Zukunft wichtig sei, damit spätere Generationen aus dem Geschehen von damals lernen könnten. Wörtlich: „Bitten wir Gott darum, dass es den jetzigen Generationen gelingt, Frieden zu haben und zu halten.“
Dass die Vorzeichen hierfür weltweit nicht gerade zum Optimismus Anlass geben, darauf verwiesen nicht nur Reserl Sem, sondern auch alle Grußwortredner. So erinnerte BdV-Vizepräsident Stephan Mayer, MdB, an das gegenwärtige Leid von über 100 Millionen Flüchtlingen weltweit. Er dankte dem Förderverein für „den Fortbestand der Erinnerungskultur“. Der Abgeordnete erinnerte daran, dass die Heimatvertriebenen nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges „viel zur positiven Nachkriegsentwicklung Bayerns“ beigetragen hätten. An die junge Bevölkerung appellierte er: „Die Heimatvertriebenen haben bei uns eine neue Heimat gefunden, sie haben angepackt und deshalb gilt es für uns, die Erinnerung an diese damalige Leistung aufrecht zu erhalten.“
Auch sein Bundestagskollege Max Straubinger erinnerte in seinem Grußwort daran, dass in der Zeit von der Vertreibung bis heute vieles durch die Leistung der Heimatvertriebenen entstanden sei. 80 Jahre nach Kriegsende könne man stolz darauf sein, in einem so starken Land wie Deutschland zu leben. Er dankte dem Markt Tann und dem Förderverein für die Pflege des Denkmals und der damit verbundenen Mahnung an die junge Generation, sich für den Erhalt des Friedens einzusetzen.
Landrat Michael Fahmüller und Bürgermeister Wolfgang Schmid erinnerten in ihren Grußworten an den Bau des Mahnmals vor 71 Jahren. Man könne stolz darauf sein, in Tann diesen Erinnerungsort zu haben. Vertreibung und Flucht seien ganz aktuelle Geschehnisse, was die Unterbringung von Flüchtlingen aus der Ukraine in Tann belege. Schon zuvor hatte der evangelische Pfarrer Robert Schön Gewalt, Unrecht und Krieg in der heutigen Zeit beklagt. Wieder würden Menschen Leid erfahren und man könne sich fragen: „Hört das nie auf?“ Daher seien Gebet und Andacht wichtiger denn je.
Reserl Sem freute sich, dass sich unter die zahlreichen Gäste auch die stellvertretenden Bürgermeistern von Reut und Zeilarn sowie den stellvertretenden SPD-Kreisvorsitzende Alfred Feldmeier gemischt hatten. Für den feierlichen Rahmen sorgten die „Herrgottsbläser“ unter Leitung von Hans Schreiner sowie die Fahnenabordnungen der Sudetendeutschen Landsmannschaft, der Freiwilligen Feuerwehr sowie der Reservistenkameradschaft Tann. Mit der Bayernhymne und dem Deutschlandlied fand die Feierstunde ein würdiges Ende.
