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Gelebte Jugendarbeit: Ost- und Westpreußen setzen Schüleraustausch fort – Polnische Schülerinnen und Schüler Gäste in Bayern

Polnische Schülerinnen und Schüler mit ihren ostpreußischen Betreuern in Ansbach. Foto: Leander Holzer

Mitte August fand eine nunmehr schon langjährige Tradition seine Fortsetzung. Erneut hatte die Landsmannschaft der Ost- und Westpreußen e.V. in Bayern Schülerinnen und Schüler aus Ostpreußen zu einer Kulturfahrt in den Freistaat eingeladen. Landesvorsitzender Christoph Stabe konnte am 15. August in der sudetendeutschen Bildungsstätte „Der Heiligenhof“ im unterfränkischen Bad Kissingen eine erschöpfte, aber gut gelaunte Gruppe aus der ehemaligen deutschen Ostprovinz willkommen heißen. Nach gut zwölf Stunden Fahrt mit dem Bus hatten die Schüler und Lehrkräfte aus Allenstein (Szkola Podstawowa nr 15 w Olsztynie) und Neidenburg (Zespól Szkól Ogólnoksztalcàcych w Nidzicy) ihr Ziel erreicht. Angeführt wurden die Gäste von der Vorsitzenden der Deutschen Minderheit in Neidenburg, Sabina Regula, und dem Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft deutscher Minderheiten (GDM) im ermländischen Allenstein, Peter Dukat.

Interessant ist es, länger auf die überaus erfolgreichen Jugendbildungsmaßnahmen der Landesgruppe Bayern zurückzublicken und die Anfänge derselben zu beleuchten. Im Jahr 2010 wurde unter Federführung des langjährigen Landesvorsitzenden der Landsmannschaft, Friedrich Wilhelm Böld, damit begonnen, Förderanträge für solche Projekte beim Haus des Deutschen Ostens (HDO) in München zu stellen. Nach entsprechend positivem Bescheid konnte die Landsmannschaft 2011 die erste Schulklasse aus Landsberg (Górowo Ilaweckie) einladen und begrüßen. Dieser Besuch stellte den Beginn einer beispiellosen Erfolgsgeschichte dar, die jegliche Vergleiche innerhalb der Vertriebenenverbände nicht zu scheuen braucht. Nimmt man schließlich noch die Aktivitäten von Rainer Claaßen, dem Landesschriftleiter und Redakteur des „Preussen-Kuriers“ dazu, dann kommt man auf eine stattliche Zahl von mindestens 27 Jugendbildungsfahrten. Zusammen mit dem früheren Bürgermeister von Guttstatt, Jarek Kowalski, hatte Claaßen schon 2006 damit begonnen, mit finanzieller Unterstützung des Bundes Junges Ostpreußen (BJO), Schülerreisen in die Bundesrepublik zu organisieren. Allein 22 davon führten seit 2011 in den Freistaat Bayern und wurden über das Haus des Deutschen Ostens (HDO) aus Mitteln des Bayerischen Staatsministeriums für Familie, Arbeit und Soziales gefördert. Dies seien gut angelegte Steuergelder gewesen, da sie viel zum gegenseitigen Verständnis der jungen Leute beider Länder beigetragen hätten, so Stabe.

Hervorzuheben ist bei diesen Begegnungen, dass nicht nur Schulklassen aus Städten wie Guttstatt, Landsberg, Allenstein und Neidenburg die Möglichkeit hatten, Bayern kennenzulernen, sondern auch Schülerinnen und Schüler kleinerer Kommunen wie Mohrungen, Maldeuten, Sensburg und Elbing. Stolz ist man bei der Landsmannschaft auch, dass es mittlerweile gelungen ist, ebenfalls vier Jugendgruppen vom Hermann-Sudermann-Gymnasium aus dem litauischen Memel im Freistaat zu begrüßen.

In diesem Jahr erwartete die Schüler im Alter zwischen 14 und 18 Jahren ein äußerst abwechslungsreiches Programm vorwiegend in Unterfranken. Anhand eines umfangreichen kulturgeschichtlichen Bilderbogens konnten sie viel über die Historie, Traditionen und Schönheiten der verschiedenen Regionen erfahren. Unter der Leitung von Christoph Stabe, der von seinem 16-jährigen Sohn begleitet und abwechselnd von Mitgliedern des Landesvorstandes unterstützt wurde, führte die Besichtigungstour unter anderem nach Würzburg, Rothenburg ob der Tauber, Bamberg, Nürnberg, Ansbach und Coburg. Vielfach boten die Ziele dabei willkommene Gelegenheiten, die früheren historischen Verbindungen zwischen Polen, Bayern, Preußen und Ostpreußen aufzuzeigen. Nicht ausgeklammert wurden auch die gegenwärtigen Problemlagen, die Deutschland in Atem halten. So waren die Aufenthalte der polnischen Jugendlichen zum einen eine fantastische und emotionale Reise in die Vergangenheit, zum anderen aber auch eine Aufforderung, die anstehenden wirtschaftlichen, sozialen und sicherheitspolitischen Herausforderungen gemeinsam in Europa anzugehen.
Text: Christoph Stabe

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