Verständigungspolitische Reise nach Rumänien 2019

Die durch das Bundesinnenministerium geförderte verständigungspolitische Reise des BdV Bayern nach Rumänien (25.7-1.8.2019) hatte zum Ziel die die Beziehungsgeschichte von Deutschen und Rumänen in Siebenbürgen und im Banat zu erkunden und für ein vorurteilsfreies Miteinander der Menschen in Europa in Gegenwart und Zukunft zu sensibiliseren. Durch eine abwechslungsreiche Mischung aus Vorträgen, Diskussionen, Gesprächen und Begegnungen mit politischen Vertretern und Kulturschaffenden der deutschen Minderheitengruppe, mit Vertretern aus Kultur, Politik, Wissenschaft und Gesellschaft Rumäniens und der interessierten Öffentlichkeit konnte die Gruppe einen Einblick in die gegenwärtige Situation des deutsch-rumänischen Zusammenlebens bekommen und den grenzüberschreitenden und interkulturellen Dialog fördern. Die Reise folgte der Leitidee eines friedlichen und vorurteilsfreien Miteinanders der Völker im geeinten Europa.

Den Auftakt der Reise machte eine Zusammenkunft mit der rumänischen Unterstaatssekretärin für interethnische Beziehungen Christiane Cosmatu. Das Treffen stand unter dem Leitwort „Heimat und Multikulturalität in Rumänien“. Cosmatu hatte zu einer Diskussionsrunde in ihre Amtsräume eingeladen. Bei dem Gespräch erläuterte Cosmatu den Teilnehmern die Minderheitenpolitik Rumäniens und die Arbeit ihres Hauses. Bei der regen Diskussion mit den Teilnehmern wurden insbesondere Fragen des interethnischen Zusammenlebens in Rumänien besprochen.

Die Gruppe wurde direkt im Anschluss von Vizebotschafter Kai Werner Hennig und Mitarbeitern der Botschaft in den Räumen der deutschen Botschaft in Bukarest zu einem Gespräch empfangen. Im Vordergrund der Gesprächsrunde standen die aktuellen politischen Entwicklungen in Rumänien und die Entwicklungslinien der deutsch-rumänischen Beziehungen in der jüngeren Vergangenheit und der Gegenwart. In der anschließenden Diskussion erörterte Hennig die Fragen der Teilnehmer, insbesondere Fragen des Minderheitenschutzes.

Am Abend des ersten Veranstaltungstages wurde die Gruppe von der deutsch-lutherischen Gemeinde Bukarest zu einem Gespräch in die lutherische Kirche und die Bukarester Gemeinderäume eingeladen. Bei dem Dialog mit Bischoffsassistent Vlad Nastase und dem Presbyterium wurde insbesondere die Rolle der Kirchen für die nationalen Minderheitengruppierungen diskutiert. Gerade für die Minderheitenbevölkerung waren die Kirchengemeinden in Siebenbürgen und dem Banat zu Zeiten der kommunistischen Diktatur ein wichtiger Rückzugsort, an dem diese nicht nur die religiöse sondern auch kulturelle Identität pflegen konnten.

Am zweiten Veranstaltungstag stand ein Besuch des Parlamentspalastes an. Da ein Treffen mit Staatspräsident Klaus Johannis aufgrund terminlicher Überschneidungen leider nicht stattfinden konnte, besuchte die Gruppe das Parlament im Rahmen einer Führung. Im Anschluss an den Parlamentsbesuch machte sich die Gruppe via Sinaia auf den Weg nach  Rosenau/Rasnov. Dort kam es zu einer Zusammenkunft mit Klaus-Harald Sifft, Geschäftsführer der Saxonia Stiftung, in den Räumen der Siftung. Sifft erläuterte den Teilnehmern die Arbeit der Stiftung, die rumänischen Bürger durch die Gewährung von sozialen Hilfsleistungen und Kleinbetriebe durch Wirtschaftshilfe und Kleinkredite unterstützt. In Einzelprojekten werden unter anderem auch Lehrkräfte im deutschsprachigen Schulwesen Rumäniens gefördert. Die Stiftung wird durch die Bundesrepublik Deutschland, die Verbände der Siebenbürger Sachsen in Deutschland, Österreich und Übersee und private Spender finanziert.

Am kommenden Tag stand die Teilnahme der Gruppe an der Haferland Kulturwoche in Deutsch-Kreuz/Viscri auf dem Programm. Die Haferland Kulturwoche ist eine der größten kulturellen Veranstaltungen in Siebenbürgen und ist der Förderung siebenbürgischer Kultur gewidmet ist. Die Kulturwoche wurde von Michael Schmidt und Peter Maffay initiiert und findet seit nunmehr sieben Jahren jährlich in der Haferlandregion statt. Im Rahmen der Kulturwoche hatte die Gruppe die Möglichkeit an der Eröffnungsveranstaltung teilzunehmen. Neben dem Bundesbeauftragten für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, Dr. Bernd Fabritius, sprachen bei der offiziellen Eröffnung auch Peter Maffay und Michael Schmidt, der deutsche Konsul Hans Erich Tischler, der rumänische Botschafter in Deutschland Emil Hureceanu sowie weitere Vertreter aus Politik und Gesellschaft Rumäniens. Auch mit der bayerischen Landesbeauftragten für Aussiedler und Vertriebene Sylvia Stierstorfer konnten sich die Teilnehmer im Rahmen der Kulturwoche austauschen. Im Anschluss an die Eröffnung hatten die Teilnehmer die Möglichkeit sich mit den Initiatoren und Unterstützern der Veranstaltung persönlich auszutauschen und die Ausstellung „Deutsche Minderheit. 100 Schicksale in 100 Jahren modernem Rumänien“ zu besuchen.

Am Abend des dritten Veranstaltungstages kehrte die Gruppe zurück nach Brasov/Kronstadt, wo diese mit Stadtpfarrer Christian Plajer und Frank-Thomas Ziegler, der die Öffentlichkeitsarbeit der Gemeinde betreut, zu einer Diskussionsrunde zusammenkam. Statdpfarrer Plajer erläuterte den Teilnehmern die Situation der Kirchengemeinden in Rumänien und deren Rolle für die Minderheitengruppen in Vergangenheit und Gegenwart. Gerade zu Zeiten der sozialistischen Diktatur waren die Kirchen für die Angehörigen der Minderheitengruppen „Schutzraum“ in dem die Betroffenen ihre Sprache und Kultur ausleben konnten.

Am kommenden Tag standen Besuche der Kirchenburgen Tartlau und Birthälm sowie das Josef-Haltrich-Lyzeums (ehemalige Bergschule) in Schäßburg/ Sighișoara und eine Zusammenkunft mit Rolf Binder an. Bei einer Gesprächsrunde mit Martin Bottesch, Siebenbürger Forum, Dr. Paul Jürgen Porr, Vorsitzender des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien und Konsul Hans Erich Tischler konnte die Gruppe am vierten Veranstaltungstag mehr über die Arbeit des deutschen Forums und der deutschen diplomatischen Vertretungen in Rumänien erfahren. Bei der Gesprächsrunde wurden auch die deutsch-rumänischen Wirtschaftsbeziehungen sowie die kulturelle Arbeit des Goethe-Instituts und anderer deutscher Kultureinrichtungen in Rumänien thematisiert.

Im Anschluss konnte die Gruppe mit Vizebürgermeisterin Corina Bokor im Hermannstädter Rathaus über die Entwicklung Hermannstadts in den vergangenen Jahrzehnten sprechen. Bokor betonte, dass es für die Entwicklung Hermannstadts ein großes Problem darstelle, dass gerade junge und ausgebildete Menschen seit dem EU-Beitritt Rumäniens den Weg in den Westen suchten. In Hermannstadt, das 2007 europäische Kulturhauptstadt wurde und seither ein sehr positive Entwicklung gemacht habe, herrsche kaum Arbeitslosigkeit, da viele Stellen aus Mangel an Arbeitskräften schlichtweg nicht mit entsprechenden Fachkräften besetzt werden könnten. Beim anschließenden Gespräch mit Friedrich Gunesch im Landeskonsistorium stand das Verhältnis von Kirche, Staat und Minderheit in Rumänien im Mittelpunkt der Diskussion.

Am Nachmittag besuchte die Gruppe das Hermannstädter Samuel-von-Brukenthal-Gymnasium und kam mit Direktorin Monica Hay zu einem Informationsgespräch zusammen. Hay betonte, dass es immer schwieriger werde deutschsprachige Lehrkräfte für die Arbeit an ihrer Schule zu gewinnen. Die Unterstützung aus der Bundesrepublik sei aber vorbildlich. Auch bei dem Treffen mit Heimleiterin Ortrun Rhein im Carl-Wolff-Haus in Hermannstadt, das auch durch die Bundesrepublik gefördert wird, wurde der Fachkräftemangel thematisiert. Rhein betonte, dass gerade im Pflegebereich viele Fachkräfte vom Westen abgeworben würden.

Am kommenden Tag reiste dir Gruppe weiter nach Temeswar/Timisoara. Hier kam es zu einer Zusammenkunft mit Ovidiu Ganţ, Vertreter des Demokratischen Forums der Deutschen im rumänischen Parlament, dem Temeswarer Vizekonsul Frank Ufken und weiteren Vertretern des Forums. Gant berichtete aus seiner Tätigkeit als Parlamentarier und schilderte seine Sicht der Dinge auf die minderheitenpolitischen Debatten. Thematisiert wurde unter anderm die Entschädigungsleistungen für ehemalige politische Gefangene, die Rumänien im Sommer 2019 erhöht hatte.

Am letzten Veranstaltungstag kam es dann zu einer internationalen grenzüberschreitenden Zusammenkunft mit Vertretern der ungarischen Kommune Elek, der rumänischen Gemeinde San Martin und Vertretern der deutschen Minderheiten in dem nahe der ungarischen Grenze gelegenen Ort San Martin. Auch die lokale Bevölkerung und örtliche Kulturgruppen hatten an an der Veranstaltung teilgenommen. Bernhard Fackelmann, der bereits mehrere Ortchroniken zu San Martins verfasst hat, führte die rund 60 Teilnehmer der Delegation durch die Gemeinde. Unter anderem wurden bei dem Rundgang der Friedhof, die Kirche und verschiedene historische Stätten und Gedenkorte besucht. Das gemeinsame Abendessen wurde von engagierten Mitgliedern der Heimatortgemeinschaft San Martin organisiert.

Die Reise wurde als verständigungspolitische Maßnahme über das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat gefördert. Wir danken für die Unterstützung.