Studien- und Informationsfahrten

Berlinfahrt 2017

Auch 2017 ist wieder eine Delegation des BdV-Bayern zum Tag der Heimat nach Berlin gereist. Auf Einladung von BdV-Präsident Dr. Bernd Fabritius besuchte die Gruppe den Bundestag und das Paul-Löbe-Haus. Natürlich stand auch der Besuch der Auftaktveranstaltung zum Tag der Heimat in der Berliner Urania auf dem Programm der viertägigen Reise nach Berlin.


„Ungarn und die deutsche Minderheit“ – Studienfahrt des BdV-Landesverbandes nach Ungarn

Anlässlich des 25-jährigen Bestehens des deutsch-ungarischen Freundschaftsvertrages veranstaltete der Landesverband Bayern des Bundes der Vertriebenen, die Dachorganisation der Landsmannschaften in Bayern, in diesem Jahr erstmalig eine Reise in das europäische Ausland, um sich über die Situation der deutschen Minderheitengruppen zu informieren. Auf Anregung von Georg Hodolitsch, Vizevorsitzender der Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn, wählte die Delegation Ungarn zum Ziel ihrer fünftägigen Informationsreise. Die Gruppe um den BdV-Landesvorsitzenden Christian Knauer erwartete in Ungarn ein spannendes und abwechslungsreiches Programm. Gleich zum Auftakt kamen die Teilnehmer im Ungarischen Parlament mit Emmerich Ritter, Parlamentssprecher der Ungarndeutschen, zusammen. Aus erster Hand bekamen die Delegierten, unter ihnen die Vorsitzenden der Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn sowie der Donauschwaben und der Siebenbürger Sachsen, Informationen über die gegenwärtige Situation der Deutschen in Ungarn.

20170406_100845.jpg

Im Anschluss besuchte die Delegation die Budapester Andrássy Universität, wo Prof. Dieter A. Binder, Dr. Orsolya Lénart und Prof. Georg Kastner über die wissenschaftliche Beschäftigung mit der deutschen Geschichte in Ungarn berichteten und bestehende Problemfelder der Kultur- und Brauchtumspflege ansprachen. Noch am selben Tag traf die Gruppe im Haus der Ungarndeutschen mit Otto Heinek, Vorsitzender der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen, mit Monika Ambach, Direktorin des Ungarndeutschen Kultur- und Informationszentrums, und mit Johann Schuth, Chefredakteur der „Neue Zeitung“, zusammen. Im kleinen Kreis wurden hier offen die Fortschritte ungarndeutscher Kulturpflege in den vergangenen Jahren und die aktuellen Probleme der kulturellen Autonomie diskutiert. Im weiteren Verlauf der Reise besuchte die Delegation das Ungarndeutsche Bildungszentrum in Baja, wo der Vertreter der örtlichen deutschen Selbstverwaltung und Fachschaftsleiter für Deutsch und Volkskunde im UBZ, Alfred Manz, die Delegation in einem sehr prägnanten Vortrag über die kulturellen Aktivitäten der lokalen Selbstverwaltung und die ungarndeutsche Bildungslandschaft informierte. Beim anschließenden Empfang konnten sich die Teilnehmer mit Gabriella Scherer, Hauptdirektorin des UBZ, und Joseph Emmert, Leiter der Kulturabteilung, austauschen.

DSCF5045

Noch am selben Abend besuchte die Delegation das Lenau Haus in Pécs/Fünfkirchen. Hier nahm die Gruppe an der feierlichen Verleihung des Lenau-Preises teil, der in diesem Jahr an die Mundartforscherin Dr. Katharina Wild ging. Im Anschluss konnten die Delegierten im Gespräch mit der Hauptdirektorin des Valeria-Koch-Schulzentrums, Ibolya Englender-Hock, und Zoltán Schmidt von der ungarndeutschen Regionalleitung der Branau Wissenwertes über die Aktivitäten des Lenau Hauses erfahren. In einem sehr offenen Gespräch erörterten die Referenten den Teilnehmern die aktuellen Probleme in den Bereichen Sprachentwicklung und Bildung. Am Samstag morgen führte der ehemalige Pécser Regionalbischof Michael Mayer die Gruppe aus Bayern durch die Kathedrale St. Peter und Paul.

17 Bischof Mayer 2

Auch mit lokalen Gruppen hatte sich die Delegation auf ihrer Informationsreise zur deutschen Minderheit getroffen. Gleich am Abend des ersten Veranstaltungstages besuchte die man die ungarndeutsche Selbstverwaltung in Soroksár und das dortige Bauernhausmuseum („Sváb Tájház“). Am örtlichen Denkmal zur Erinnerung an die Vertreibung der Deutschen legten der BdV-Landesvorsitzende Christian Knauer und Hans Schmuck, Vorsitzender der Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn in Bayern, im Rahmen einer Gedenkminute jeweils ein Gesteck nieder. Den krönenden Abschluss der Reise bildete das Zusammentreffen mit der lokalen ungarndeutschen Tanzgruppe um Leiter Franz Várga und Vizebürgermeister Attilla Stettner, die zusammen mit der deutschen Selbstverwaltung Pusztavám um Tíbor Gerlinger eine Festveranstaltung mit lokalen Tanz-, Musik- und Mundartgruppen für die Besucher aus Bayern organisiert hatten. Mit der Gemeinde Pusztavám, die Partnergemeinde des oberbayerischen Ortes Geretsried ist, bestehen schon seit mehr als 25 Jahren enge Kontakte nach Bayern. Die Reise, die unter der Leitung von Georg Hodolitsch, Vorstandsmitglied der Lands-mannschaft der Deutschen aus Ungarn, und BdV-Geschäftsführer Sebastian Sparwasser stand, diente so nicht nur als Informationsreise sondern insbesondere auch dazu, die freundschaftlichen Beziehungen zwischen Ungarn und Deutschland zu pflegen und weiter auszubauen.


Berlinfahrt 2016

Auch in diesem Jahr ist wieder eine Delegation von Mitgliedern der BdV-Gebietsverbände zum nationalen Tag der Heimat nach Berlin gereist. Während der viertägigen Studienfahrt Anfang September, besuchte die Gruppe auf Einladung von BdV-Präsident Dr. Bernd Fabritius auch den Bundestag. Die 35 Teilnehmer konnten hier in einem unterhaltsamen Vortrag Wissenswertes über die Aufgaben und Funktionen des Parlaments sowie über die Geschichte des Reichstagsgebäudes erfahren. Nach dem Besuch der Reichstagskuppel wurde die Gruppe im Paul-Löbe-Haus von BdV- Landesvorsitzenden Christian Knauer und Dr. Bernd Fabritius empfangen. Letzterer berichtete der Gruppe aus dem parlamentarischen Alltag und den politischen Prozessen in Berlin. Anschließend stand die Ausstellung „GrenzErfahrungen. Alltag der deutschen Teilung“ am Bahnhof Friedrichstraße auf dem Programm. Die von der Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland konzipierte Ausstellung eröffnete den Teilnehmern vielerlei Erinnerungen und auch neue Einblicke in die Geschichte der deutsch-deutschen Teilung. Nach Einbruch der Dunkelheit staunte man am Spreeufer über die eindrucksvolle Licht-Videoinstallationsshow „Dem deutschen Volke — Eine parlamentarische Spurensuche. Vom Reichstag zum Bundestag“ zur Geschichte des Parlaments und des Reichstagsgebäudes.

Höhepunkt der Reise war zweifelsohne der Tag der Heimat in der Urania, der dieses Jahr unter dem Motto „Identität schützen – Menschenrechte achten“ stand. Neben Bundespräsident Joachim Gauck und BdV-Präsident Dr. Bernd Fabritius sprach auch der Beauftragte der deutschen Bischofskonferenz für die Vertriebenen- und Aussiedlerseelsorge Weihbischof Reinhard Hauke. Gauck und Fabritius betonten in ihren Ansprachen, dass das Schicksal der Vertreibung der Deutschen aus dem mittleren und östlichen Europa ein wichtiger Teil deutscher Erinnerungskultur sei. Gleichzeitig würdigten beide Redner den Beitrag der deutschen Heimatvertriebenen zur Verständigung in Europa. Mit Blick auf die gegenwärtige Flüchtlingssituation betonte Gauck, dass die Integration der Ankömmlinge ein langandauernder und herausfordernder Prozess sein werde. Gerade aber die heimatvertriebenen Deutschen empfänden Empathie mit den Flüchtlingen von heute. Im Anschluss an die Veranstaltung, die von den Potsdamer Turmbläsern musikalisch umrahmt wurde, kam es zu einem informellen Austausch zwischen den Teilnehmern der Reise sowie den anwesenden politischen und landsmannschaftlichen Delegierten. Die Kranzniederlegung am Vertriebenendenkmal am Theodor-Heuss-Platz, bildete schließlich den Abschluss des Veranstaltungstages. Neben den Vertretern des BdV und der Landsmannschaften nahmen auch Frank Henkel, stellvertretender Bürgermeister Berlins sowie die Bayerische Sozialministerin, Emilia Müller, an dem Erinnerungsakt teil.

img_8265-1024x683
Die Teilnehmergruppe mit Bernd Fabritius und Christian Knauer