
Der BdV-Kreisverband Erlangen-Höchstadt hatte im Herbst erneut zum traditionellen „Tag der Heimat“ eingeladen. Die Veranstaltung im voll besetzten Erlanger Redoutensaal stand unter dem Motto: „Kulturarbeit hier und dort – Wir sind Brückenbauer in Europa“. Der hohe Stellenwert des örtlichen Vertriebenenverbandes wurde durch die Anwesenheit zahlreicher Politiker aus dem Bayerischen Landtag, dem Bezirkstag von Mittelfranken und den Kommunen sichtbar unterstrichen. Für einen farbenprächtigen und mitreißenden Auftakt sorgten mit einem gemeinsamen Programm die Folkloregruppen „Ina“ aus Gollnow (Goleniow) in Pommern und ihre Schwestergruppe „Ihna“ aus Erlangen.
BdV-Kreisvorsitzender Christoph Lippert hob in seiner Begrüßung die „Brückenbaufunktion“ der Landsmannschaften hervor. Viele Heimatvertriebene und deren Nachkommen seien bereits zu Zeiten des „Kalten Kriegs“ in die alte Heimat gefahren, um zu den neuen Bewohnern Kontakt aufzunehmen. Diese Begegnungen hätten vielfach zu guten Verbindungen, oftmals sogar zu dauerhaften Freundschaften geführt. Für die anwesenden Politiker würdigte Innenminister Joachim Herrmann, MdL, ebenfalls die Leistungen der Vertriebenen für die Verständigung mit den östlichen Nachbarländern. Zugleich hob er deren maßgeblichen Anteil am Wiederaufbau Bayerns hervor.
Wie weit heute die Verständigung zwischen den früheren und heutigen Bewohnern der Vertreibungsgebiete gediehen ist, davon legten die beiden Kulturgruppen Zeugnis ab. Das Fundament für deren langjährige Freundschaft legte der leider schon verstorbene langjährige BdV-Kreisvorsitzende Eike Haenel. Er traf mit seinem Tanz- und Folkloreensemble 1993 bei Besuch seiner alten Heimat mit der Tanzgruppe in Gollnow zusammen. Bald darauf wurde beschlossen, der neuen Gruppe in Pommern den Namen „Ihna“ zu geben. Außerdem verständigte man sich auf Regeln für die partnerschaftliche Zusammenarbeit beider Gruppen. Durch nahezu jährliche gegenseitige Besuche und Auftritte, bei denen die Unterbringung überwiegend in Gastfamilien erfolgt, erwuchsen aus den Kontakten vielfach langjährige Freundschaften. Ihr gemeinsamer Auftritt, begleitet von eigenen Musikern, war sicherlich der kulturelle Höhepunkt der Veranstaltung, der von den Besuchern mit kräftigem Applaus gewürdigt wurde.
Große Aufmerksamkeit wurde auch dem Festvortrag der ehemaligen mittelfränkischen Bezirkstags-Vizepräsidentin Christa Naaß entgegengebracht. Mit Blick auf das Leitwort des Tages der Heimat, unterstrich sie der Wert der Begegnungen von Vertriebenen und Neubürgern. „Das Kennenlernen ist wichtig, um die Besonderheiten der Regionen sowie der Kultur und Sprache zu verstehen.“ Ein Miteinander beider Bevölkerungsgruppen sei zudem förderlich, sich mit der gemeinsamen Geschichte auseinanderzusetzen. Erinnern bedeute nicht rückwärtsgewandt zu sein, sondern könne eine gute Grundlage für eine fruchtbare Zusammenarbeit sein, so die langjährige SPD-Landtagsabgeordnete. Unzweifelhaft hätten die deutschen Heimatvertriebenen aber neben den Opfern der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft die schwersten Folgen und Verluste während und nach dem Zweiten Weltkrieg zu meistern.
