Zum achten Mal: Europa zu Gast in der Mitte Deutschlands – Schlesier bei der Europeade im thüringischen Gotha

Mitte Juli war es wieder so weit. 100 schlesische Trachtenträgerinnen und -träger machten sich in Form einer großen Sternfahrt aus allen Himmelsrichtung auf den Weg nach Gotha. Dort fand vom 12. bis 16. Juli unter dem Motto „Europas Zusammensein unterm Friedenstein“  die „Europeade“, das größte europäische Folklorefest, statt. Sie versteht sich als eine der großen Friedensbewegungen in Europa. Nach den verheerenden Folgen des Zweiten Weltkriegs hatten sich im Sommer 1964 vorwiegend junge Menschen zum Gründungstreffen in Antwerpen getroffen, um einen Beitrag zur Friedenssicherung durch freundschaftliche Treffen von Menschen zu sichern. Seither treffen sich jedes Jahr im Sommer circa 5.000 Europäerinnen und Europäer stets in einer anderen Stadt Europas. Einheit in Vielfalt steht dabei im Mittelpunkt. Auch heuer präsentierten sich 196 Gruppen aus 23 Ländern mit ihren traditionellen Trachten und ihrer regionalen Volksmusik einer großen Schar von Besuchern.

Die Europeade hat jeweils fünf Veranstaltungstage, von denen am Mittwoch der Gastgeber mit seiner Kultur beginnt, bevor sich ab Donnerstag eine ganze Stadt verwandelt, um auf Märkten, Tanzböden und Festbühnen unzählige kulturelle Angebote zu unterbreiten. Bei einer Eröffnungsgala am Donnerstag und einer Abschlussveranstaltung am Sonntag zeigen die teilnehmenden Gruppen jeweils die schönsten Tänze, Sitten und Bräuche ihrer Heimat. Der Freitagabend steht im Zeichen der Chöre. Tags drauf veranstalten die besten Kulturgruppen einen Europeade-Ball. Wer alle fünftausend Frauen, Männer und Kinder in ihren bunten Trachten erleben will, der kommt zur Europeade-Parade am Samstagnachmittag.

Auch in diesem Jahr hatten die schlesischen Kulturgruppen am zweiten Tag die ersten Straßenauftritte erfolgreich zu absolvieren. Zwischen finnischen Tanzgruppen und einer bretonischen Kapelle mit ihren Schalmeien und Sackpfeifen, durfte der schlesische Farbtupfer nicht fehlen. Wie gut die Vielfalt des schlesischen Repertoires aufgenommen wurde, zeigte sich am enthusiastischen rhythmischen Mitklatschen der Umstehenden. Beim Freitagskonzert überzeugte erstmalig eine Musikgruppe der Schlesier mit schwungvollen Weisen. Beim feierlichen Chorabend auf dem Hauptmarkt durfte der „Schlesierchor“ nicht fehlen.

Bei der feierlichen Eröffnung der Europeade im Volkspark-Stadion übergaben die vorjährigen litauischen Gastgeber aus Memel/Klaipeda die Europeade-Fahne den Hausherren. Diese reichten sie bei der Abschlussveranstaltung an den nächsten Ausrichter, die rund 34.000 Einwohner zählende Stadt Nuoro im nordöstlichen Zentralsardinien weiter.

Der „große Tag“ für die teilnehmenden Gruppen war erneut der Samstag. Am Vormittag konnten die Abordnungen die Grüße der Regionen an den Oberbürgermeister der Stadt, Knuth Kreuch, und an den Präsidenten des internationalen und deutschen Europeade-Komitees, Rüdiger Hess, übermitteln. Ein farbenfrohes und heiteres Bild bot sich den Zuschauerinnen und Zuschauern am Nachmittag bei der großen Parade, wo die Gruppen mit ihren prächtigsten Trachten singend und tanzend durch das Spalier zogen.

Beim Europeade-Ball, dessen Beginn sich durch vorhergehende kräftige Schauer verzögerte, feierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu den Klängen der großen Kapellen. Es wurde miteinander getanzt und gelacht. Polka- und Walzerrunden schienen nie enden zu wollen und die Polonaise-Schlangen wurden immer länger. Bei der Abschlussveranstaltung haben die Schlesier als Mitbegründer der Europeade immer einen Ehrenplatz. So auch heuer, wo sie nach einer Choreographie von Veronika Moll von der Riesengebirgs-Trachtengruppe München, die „Lange Reihe im Kreis“ aufführen durften. Eigentlich handelte es sich dabei um eine altbekannte Weise. In der neuen Struktur überraschte sie aber äußerst positiv, was viel Applaus und Anerkennung einbrachte. Text/Foto: A. T.