FW-Landtagsabgeordnete besucht Aichacher SL-Heimatstube

Abgeordnete in der SL-Heimatstube, von links SL-Schatzmeister Jonny Michl, SL-Ortsobfrau Heidi Hötschel, Marina Jakob, MdL, Altlandrat Dr. h.c. Christian Knauer, stellvertretende SL-Ortsobfrau Erika Glöckner und SL-Vorstandsmitglied Hans Hötschel. Foto: Susanne Marb

Echtes persönliches Interesse führte am Samstag, 14. Dezember, die Landtagsabgeordnete der Freien Wähler, Marina Jakob, in die Heimatstube der Sudetendeutschen Landsmannschaft in Aichach. Durch den Großvater ihres Gatten sei das Thema Vertreibung ständig in ihrer Familie präsent gewesen. Der aus Sternberg im Sudetenland stammende Familienzweig habe dort einen großen landwirtschaftlichen Betrieb besessen und durch die Vertreibung verloren. Obwohl der Großvater durch Einheirat erneut erfolgreich einen bäuerlichen Betrieb ausbauen und bewirtschaften konnte, hätte ihn der Verlust der Heimat bis zu seinem Lebensende schwer gezeichnet. „Sein Herz schlug immer für Sternberg“, so die heute in Achsheim bei Langweid lebende Agrar-Ingenieurin.

SL-Ortsobfrau Heidi Hötschel, die über die Arbeit ihrer Ortsgruppe informierte, freute sich sichtbar über das Interesse der Mandatsträgerin. Sie sei die erste Abgeordnete überhaupt, die der SL-Heimatstube einen Besuch abgestattet habe. SL-Schatzmeister Jonny Michl ließ in kurzen Worten die Entstehung der Einrichtung und deren grundlegende Neugestaltung vor fünf Jahren Revue passieren. Heute würden die Räumlichkeiten, die dankenswerterweise der Aichacher Stadtrat der SL überlassen hat, für Vorstandssitzungen und der Unterbringung der Heimatbibliothek, vor allem aber durch die Migrationsberatungsstelle für erwachsene Zuwanderer (MBE) des Bundes der Vertriebenen (BdV) genutzt.

Dass es mit der Verwaltung der MBE-Stellen durch den Bund immer wieder zu Problemen komme, davon berichtete BdV-Landesvorsitzender Altlandrat Dr. h.c. Christian Knauer. Es sei ein taktisch kluger Zug des Bundes gewesen, die Personal- und Finanzverantwortung dieser Einrichtungen den caritativen Trägern und dem BdV zu überlassen. Dass aber die auszuzahlenden Löhne zu Beginn des Jahres immer von diesen vorzustrecken seien, eine Eigenbeteiligung verlangt werde und die hierin tätigen Sozialarbeiter schlechter als im sonstigen öffentlichen Dienst bezahlt würden, sei nur schwer zu vermitteln. „Wir halten diese Einrichtungen aus tiefer Überzeugung in deren Notwendigkeit und in Erinnerung an das Schicksal unserer eigenen Familien trotz all dieser Widrigkeiten vor“, so der Landesvorsitzende. Ob diese Stelle langfristig gehalten werden könne, hänge nicht zuletzt auch von der weiteren freiwilligen Unterstützung durch den Landkreis ab. Mit ihrem Wegfall würde auch eine der wichtigsten Ansprechpartner für die ukrainischen Flüchtlinge wegfallen, da allein die BdV-Migrationsberaterin über perfekte Russisch-Kenntnisse verfüge.

Während des ausgesprochen konstruktiven Dialogs würdigte die Abgeordnete die Arbeit der Vertriebenenverbände. Nach dem fortschreitenden Ableben der Erlebnisgeneration sei es wichtig, die Landsmannschaften bei der Kultur- und Erinnerungsarbeit zu unterstützen. Hier würde die FW-Fraktion eng mit ihrem Koalitionspartner CSU zusammenarbeiten. Sowohl ihr als auch ihren Gesprächspartnern, waren jedoch die Sorgenfalten im Hinblick auf die veränderten Rahmenbedingungen für die Aufstellung der kommenden Haushalte deutlich anzumerken. Infolge der negativen Auswirkungen der Bundespolitik auf die Steuereinnahmen, sei man gezwungen gewesen, bereits im Nachtragshaushalt 2025 die haushaltsgesetzliche Sperre von bisher zehn auf 15 Prozent zu erhöhen. Dies werde sich auch auf die Institutionelle Förderung der Vertriebeneneinrichtungen auswirken. „Für mich war der Besuch von großem informativem Wert und wird sicher nicht mein letzter gewesen sein“, zog die FW-Politikerin abschließend Bilanz.