Nicht sehr lange währte die große Freu de bei den „Urgesteinen“ der Ost- und Westpreußischen Landsmannschaft in Hof, Christl und Helmut Starosta, die Anfang April das sehr seltene Jubiläum der „Gnadenhochzeit“ feierten. Wenige Wochen später, am 29. April, schlief Helmut Starosta liebevoll umsorgt im Pflegeheim Michaelishof im Alter von 98 Jahren friedlich ein. Dem Jubelpaar war es vergönnt, auf ein langes gemeinsames Leben zurückzublicken. Bereits in Marienburg, wo sie ihre Kindheit verbrachten, wohnten sie im gleichen Haus. Helmut Starosta in Marienburg/Westpreußen geboren, nahm nach Gymnasium, Arbeitsdienst und Luftwaffe im Zweiten Weltkrieg an den Endkämpfen an der Oder und in Berlin teil. Dabei wurde er zweimal verwundet. Nach den Kriegswirren begegnete sich das Paar wieder in Bayern und heirateten 1955. Aus beruflichen Gründen verschlug es beide anschließend in die Saalestadt. Obwohl die Zeit in Hof nur als kurze Übergangszeit gedacht war, wurden daraus bereits über 70 Jahre. Zwei Töchtern wurde hier das Leben geschenkt.
Bereits kurz nach Kriegsende nahm der Verstorbene Verbindung zur Landsmannschaft Ost- und Westpreußen auf. Von 1982 bis 1999 war er deren Bezirksvorsitzender in Oberfranken und von 1994 bis 1998 stellvertretender Landesvorsitzender. Ab 1983 fungierte er als Bezirksvorsitzender des Bundes der Vertriebenen in Oberfranken. 1989 wurde er zum Verbindungsmann für Sonderaufgaben des BdV Bayern für Sachsen ernannt und leistete dort wertvolle Aufbauhilfe. Nach seiner aktiven Zeit in der Vertriebenenarbeit wurde er zum BdV-Ehrenbezirksvorsitzenden ernannt. Christl und Helmut Starostas Hartnäckigkeit trug maßgeblich zum Entstehen der sehenswerten Abteilung „Flüchtlinge und Vertriebene“ im „Museum Bayerisches Vogtland“ in Hof bei. Deren Einweihung am 27. Januar 2012 sah Helmut Starosta „als Höhepunkt seines Lebens“ an.
Für sein großes ehrenamtliches Engagement wurde Helmut Starosta vielfach ausgezeichnet. Er erhielt unter anderem 1987 das Silberne Ehrenzeichen der Landsmannschaft Westpreußen, 1988 die Goldene Ehrennadel des Bundes der Vertriebenen, 1993 die Westpreußen Spange in Silber und 2000 das Ehrenzeichen in Silber der Landsmannschaft Ostpreußen. Durch den Bundespräsidenten wurde Helmut Starosta im Juli 2003 mit der Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland geehrt. Am 10. Juli 2013 erhielt das Ehepaar den BdV-Kulturpreis.
Auch im gehobenen Alter nahm Helmut Starosta weiter aktiv am Leben teil. Große Unterstützung erfuhr er durch seine Frau Christl und seine Töchter. Die letzten Jahre verbrachte er, weil die körperlichen Beschwerden zunahmen, im Pflegeheim Michaelishof. BP

