Zeichen der Stärke: Sudetendeutsche feiern 75-jähriges Bestehen – 400 Besucher im Münchener Löwenbräu-Keller

 

Der Zuspruch war so groß, dass Landesvorsitzender Steffen Hörtler im traditionsreichen Münchener Löwenbräu-Keller kurzfristig die Säle wechseln musste. Rund 400 Gäste hatten sich dort am 19. März zur 75-Jahr-Feier der Landesgruppe Bayern der Sudetendeutschen Landsmannschaft eingefunden und einen ausgezeichnet organisierten Festabend erlebt. Nicht nur Landsleute aus dem Freistaat konnten sich darüber freuen, auch Honoratioren aus den Heimatlandschaften hatten zum Teil weite Wege auf sich genommen, um auf die gelungene Integration der Heimatvertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg und die sich schrittweise verbesserten Beziehungen zu Tschechien zurückzublicken. Die Grüße der Bayerischen Staatsregierung überbrachte Schirmherrschaftsministerin Ulrike Scharf, MdL. Begleitet von  den Vertriebenenpolitischen Sprechern der Landtagsfraktionen, Josef Zellmeier, CSU, Kerstin Celina, Bündnis 90/Die Grünen, Bernhard Pohl, Freie Wähler, und Volkmar Halbleib, SPD, unterstrich sie die Bedeutung der Sudetendeutschen als „Vierter Stamm Bayerns“.

Mit einer völlig überraschenden Nachricht eröffnete der Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe, Dr. h.c. Bernd Posselt, seine Festansprache. Ihm hatte der tschechische Staatspräsident Petr Pavel aufgetragen, seine persönlichen Glückwünsche zum Jubiläum der Landesgruppe zu übermitteln. Pavel, so der frühere Europaabgeordnete, habe bei einem Besuch in Theresienstadt mit der Bemerkung „Auch wir Tschechen dürfen nicht die Verbrechen unserer Vorfahren vergessen – wir müssen sie aufarbeiten.“ die Volksgruppe ermutigt, ihren Weg des Dialoges konsequent weiterzugehen.

Nach der Gründung der SL-Landesgruppe am 16. Januar 1949 und der Wahl von Rudolf Ritter Lodgman von Auen zum Vorsitzenden, hätten die Sudetendeutschen nie den „Eisernen Vorhang“ akzeptiert. Während die Landsmannschaft in den ersten Jahren damit beschäftigt gewesen sei, ihre vertriebenen Landsleute „aufzufangen“, hätten sie insbesondere nach dem Einmarsch der Warschauer-Pakt-Staaten im Jahr 1968 mitgeholfen, viele tschechische Flüchtlinge aufzunehmen. Die sudetendeutsche Bildungsstätte „Heiligenhof“ bei Bad Kissingen sei dabei ein besonderer Anlaufpunkt gewesen.

Zuvor habe man in der Zeit des „Prager Frühlings“ vor allem Literatur ins Nachbarland geschmuggelt. Auch in den ersten Jahren nach der Wende sei es für die Sudetendeutschen nicht grundlegend einfacher geworden. In vielen kleinen Schritten habe man immer wieder die Annährung gesucht. Dieser Weg sei jedoch voller Rückschläge gewesen. Manchmal, so Posselt, habe es den Anschein, dass Nächstenliebe sehr kompliziert ist, wenn der Nächste sehr nahe sei. Heute verfolgten Tschechen und Sudetendeutsche mit ihrem Eintreten für ein geeintes und starkes Europa ein gemeinsames Ziel.

Wie sehr die Sudetendeutsche Landsmannschaft heute auch den Schulterschluss mit den anderen Vertriebenenverbänden sucht, zeigte sich auch an der Teilnahme fast aller derer Landesvorsitzenden. Die Anwesenheit von BdV-Präsident Dr. Bernd Fabritius, des BdV-Landesvorsitzenden Christian Knauer und des oberbayerischen BdV-Bezirksvorsitzenden Paul Hansel demonstrierte zudem die Geschlossenheit im gemeinsamen Miteinander. Nicht zuletzt wurde dies auch durch das Kommen der Bundesvorsitzenden der Karpatendeutschen Schwesterlandsmannschaft, Brunhilde Reitmeier-Zwick, unterstrichen.

Für eine besonders festliche Stimmung sorgte mit ihrem erstklassigen Harfenspiel die Förderpreisträgerin der Sudetendeutschen Landsmannschaft im Jahr 2013, Marika Cecilia Riedl, und mit seiner „geistlichen Schlussbetrachtung“ der Präses der Sudetendeutschen Katholiken, Dieter Olbrich. S. M.