Folkloreensemble Ihna bereist mit polnischen Partner vier Wochen Brasilien

Folkloreensemble Ihna bereist mit polnischen Partner vier Wochen Brasilien

Die Tatsache, dass heuer „200 Jahre deutsche Einwanderung nach Brasilien“ gefeiert wird, bot dem Folkloreensembles „Ihna“ aus Erlangen einen willkommenen Anlass, ihre vierte Rundreise nach Brasilien in Zusammenhang mit dem Kulturprojekt „Folklore im Spiegel“ zu starten. Gemeinsam mit der polnischen Partnergruppe „Zespol Ina“ aus dem westpommerschen Gollnow (Goleniów) starteten 35 deutsche und 25 polnische Teilnehmer in ein Abenteuer, das durch 15 Städte in sechs Bundesstaaten, von Espírito Santo bis Rio Grande do Sul, führte. Insgesamt legten die Kulturgruppen dabei etwa 7.000 Kilometer zurück.

Vielfach in Europa unbekannt, begegnete den beiden Gruppen in dem südamerikanischen Land fränkische, pommersche und polnische Folklore, die dort nach der Einwanderung über Generationen hinweg gepflegt wird. Die einstige ostdeutsche Region ist in Brasilien noch überall sichtbar. So wird in Santa Maria de Jetibá, der pommerschsten Stadt des Landes, „Pommersches Platt“ in der Schule unterrichtet, in Blumenau findet das zweitgrößte Oktoberfest der Welt statt. Durch die Unterkunft in Gastfamilien hatten die Teilnehmer die besondere Gelegenheit, individuelle Eindrücke zu erwerben und ganz persönlich etwas zu Toleranz und Völkerverständigung beizutragen.

Zum Kulturprojekt „Folklore im Spiegel“ gehörten sowohl Tanzworkshops, um sich auszutauschen und unterschiedliche Traditionen gegenseitig zu erkunden, als auch Auftritte auf mehr als 20 verschiedenen Bühnen, sechs Radio- und zwei Fernsehinterviews. Während der trilateralen Jugendbegegnung in Blumenau konnte in Zusammenarbeit mit Ligia Maria Louduvino Martins, Dozent für den Studiengang „Diplom in Tanz“ an der FURB, und João Paulo Wust, Leiter des Dachverbands AFG, eine neue Tanzfolge erarbeitet, gemeinsam gestaltet und präsentiert werden. Die theoretischen Grundlagen dafür wurden von den Leitern der Ihna Silvia, Landulf und Rosanna Jäger, vermittelt. FURB ist das erste College im Landesinneren von Santa Catarina und wurde 1964 als Ergebnis einer Gemeinschaftsbewegung gegründet. Es handelt sich um eine kommunale Behörde mit Sonderregelung und voller didaktisch-wissenschaftlicher, administrativer, finanzieller und Vermögensverwaltungsautonomie.

Während der langen Reise wurden nicht nur die Freundschaften zwischen den beiden Ihna/Ina-Ensembles vertieft und neue Freundschaften geschlossen, auch die Sozialkompetenz der Teilnehmer im Alter zwischen einem und 58 Jahren wurde hervorragend geschult. Alle zeigten sind dankbar für diese Erfahrungen, für die Unterstützung durch Fördermittel und für die große Gastfreundschaft in Brasilien. Die Reise wurde so zu einem unvergesslichen Erlebnis. Die „Ihna“ pflegt seit 1958 pommersches Brauchtum. Neu ist seit diesem Jahr auch eine fränkische Tracht, die in Handarbeit entstanden ist, sowie das zugehörige Potpourri „Frängische Tänz und Liedla“ der Tanzleiterin Rosanna Jäger. Ebenfalls neu im Programm ist die kaschubische Tanzfolge, die gemeinsam mit der polnischen Ina entwickelt und getanzt wurde. S. J./B. F.