Heimatortsgemeinschaft Guttenbrunn feiert mit rumänischer Bevölkerung 300-jähriges Ortsjubiläum

Wenn es eines weiteren Beweises tätigen Brückenbaus zwischen früheren und heutigen Bewohnern einst nahezu rein deutscher Dörfer im östlichen Europa bedurft hätte, in der Gemeinde Guttenbrunn (Zabrany), im rumänischen Banat, hätte man ihn gefunden. Die von den Aussiedlern in Deutschland gegründete „Heimatortsgemeinschaft Guttenbrunn“ (HOG), unter Leitung ihrer rührigen neuen Vorsitzenden Hiltrud Leber, hatte ihre Mitglieder bereits Anfang des Jahres eingeladen, zur Feier des 300-jährigen Bestehens der Heimatgemeinde Anfang August die alte Heimat zu besuchen. Nicht zuletzt wegen des sehr ansprechenden Rahmenprogramms, waren diesem Aufruf über 400 Landsleute aus der ganzen Bundesrepublik gefolgt. Erfreulich war zudem, dass sowohl die politische Gemeinde mit Bürgermeister Dan Codrean an der Spitze, die katholische, orthodoxe und griechisch-katholische Pfarrgemeinde sowie örtliche Vereine, wie die Freiwillige Feuerwehr, das Projekt wohlwollend unterstützten.

Die Freude des Wiedersehens stand aber zunächst vielen Besuchern aus Deutschland, die mit dem Bus, Flugzeug oder Privatautos angereist waren, schon am ersten Abend ihrer Ankunft in Hotels in Temeschwar oder Arad buchstäblich ins Gesicht geschrieben. Viele hatten sich seit Jahrzehnten nicht mehr gesehen und über das Wiedersehen gefreut. Auch genossen sie weitgehend in den Folgetagen das Rahmenprogramm, das die HOG im Vorfeld der eigentlichen Festtage perfekt vorbereitet hatte. So fanden am 1. August eine Stadtführung durch Temeschwar, der Besuch der dortigen neu renovierten Domkirche und eine gemeinsame Einkehr statt. Zu einem besonderen Erlebnis wurde am nächsten Tag die Teilnahme an der „Deutschen Wallfahrt“ in Maria Radna mit Mariensingen und abschließendem Kreuzweg

Ein langer Festzug vom Kulturheim zur katholischen Pfarrkirche, angeführt von den Banater Musikanten aus Temeswar, leitete den zweitägigen Festreigen ein. Während viele rumänisch-orthodoxe Einwohner vom Straßenrand aus den Aufzug staunend verfolgten, hatten sich Bürgermeister, Gemeinde- und Bezirksvertreter, die Geistlichkeit aller drei Konfessionen und weitere Ehrengäste, darunter auch der Bundesvorsitzende der Landsmannschaft der Banater Schwaben, Peter-Dietmar Leber, und BdV-Landesvorsitzender Dr. h.c. Christian Knauer in den Festzug eingereiht. Beim Festgottesdienst wurden bei vielen ehemaligen Guttenbrunner wehmütige Erinnerungen an die Taufe, Erstkommunion oder gar Hochzeit wach. Dankbarkeit und Insichgehen waren allenthalben während der Liturgie zu spüren, die durch die Erstaufführung der „Missa in C“ von Vincens Maschek durch den Temeschwarer Domjugendchor und das Symphonieorchester der Philharmonie Arad und die Konzelebration von 15 Priestern einen besonders feierlichen Charakter erhielt.

Wie sehr sich die früheren Bewohner Guttenbrunns noch heute mit ihrem einstigen Wohnort verbunden fühlen, wurde besonders bei der anschließenden Segnung der Sankt Wendelin-Kapelle deutlich. Gemeinsam mit der Gemeinde hatte die HOG durch großzügige Spenden die kleine, fast verfallene Gebetsstätte komplett saniert. Auch bei anderen Projekten zeigen sich Engagement und Erfolge der erst im vergangenen Jahr neu gewählten HOG-Vorstandschaft. So konnten durch Spenden eine offene Dachluke im Kirchturm und die Dachrinnen am Hauptgebäude erneuert werden. Durch die Anstellung des Friedhofspflegers Petru Tehei ist auch die Sanierung der zum großen Teil überwachsenen Gräberfelder deutlich sichtbar. Für relativ geringe Euro-Beträge können Angehörige nunmehr die Grabsteine ihrer Vorfahren geradestellen und säubern lassen und dafür sorgen, dass die Inschriften wieder gut lesbar werden. Die Gedenkfeier für die Verstorbenen hat sicher viele Angehörige motiviert, hier zu investieren, um den Friedhof in wenigen Jahren wieder zu einem würdigen Aussehen zu verhelfen, ist sich Hiltrud Leber sicher.

In sehr gutem Zustand präsentierten sich auch die Kriegerdenkmale, mit den Namen überwiegend deutscher Gefallener, sowohl bei der katholischen Pfarrkirche wie beim orthodoxen Gotteshaus. Ein Zeichen für die HOG, dass sich die heutigen Bewohner und ihre Verantwortlichen durchaus für die Geschichte ihres neuen Wohnortes interessieren und keine Interesse daran haben, die deutschen Wurzeln zu eliminieren.

Ungezwungen und fröhlich gestalteten sich die gemeinsamen Mittag- und Abendessen sowie die Zusammenkünfte im eigens durch die Gemeinde im Sportgelände aufgestellten Festzelt. Die Grußworte rumänischer und deutscher Honoratioren wurden immer wieder durch gekonnte und farbenprächtige Einlagen banater wie rumänischer Trachten- und Tanzgruppen aufgelockert. Ihre besondere Verbundenheit mit Deutschen und Rumänen zeigte Deutschlands Generalkonsulin in Temeschwar, Regina Lochner. An beiden Festtagen ließ sie es sich nicht nehmen, die Lesungen während der Gottesdienste vorzutragen und anschließend fröhlich mitzufeiern. Auch der Vorsitzende des Banater Kulturwerks in Bayern, Bernhard Fackelmann, lobte das Fest. Es sei ihm eine Ehre, die Zusammenkunft auch mit bayerischen Fördermitteln unterstützen zu können. Die Gründung der Vertriebenen-Kulturwerke durch die Koalition von CSU und Freien Wählern im Jahr 2020 hätten zu einem deutlichen Aufschwung der Aktivitäten in den Landsmannschaften und Heimatortsgemeinschaften geführt.

In allen weiteren Grußworten wurde der Freiheit und der Demokratie ein hoher Stellenwert eingeräumt. Von rumänischer Seite wurde erneut der Weggang der deutschen Minderheiten aus Siebenbürgen und dem Banat bedauert. Es klaffe eine Wunde, so viele Redner. Bundesvorsitzender Peter-Dietmar Leber führte den Aufbruch seiner Landsleute auf die jahrzehntelange Unfreiheit durch die kommunistische Diktatur zurück. Man wollte nach der Revolution einfach die Gelegenheit beim Schopf packen, seinen Kindern und Enkelkindern eine neue Perspektive zu bieten. BdV-Landesvorsitzender Dr. h.c. Christian Knauer ermutigte die ehemaligen Guttenbrunner ihren Kontakt zu den heutigen Bewohnern zu intensivieren. „Sie sprechen die gleiche Sprache!“ Dies sei eine wichtige Voraussetzung für die Stärkung des gegenseitigen Austausches und des Wachsens von Freundschaften.

In einem persönlichen Schreiben an die HOG-Vorsitzende zog der BdV-Landesvorsitzende eine ausgesprochen positive Bilanz. Besonders einige Programmpunkte seien für ihn sehr berührend gewesen und hätten ihn an die Heimattreffen seiner aus Schlesien stammenden Familie erinnert. Die Jubiläumsfeierlichkeiten seien „wirklich gelungen“ gewesen. Selbst die „Berufskritiker“ die es sicher auch in den Reihen der HOG gibt, könnten, objektiv gesehen, nichts an ihnen aussetzen. S.M./C.K.