MdL Kerstin Celina im Meinungsaustausch mit BdV

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Im Anschluss an den Besuch einer Delegation ihrer Fraktion im Sudetendeutschen Museum nahm sich die Grünen-Abgeordnete Kerstin Celina ausgiebig Zeit für einen Meinungsaus-tausch mit BdV-Landesvorsitzenden Christian Knauer, dessen Stellvertreter Bernhard Fackelmann, Landesschatzmeister Paul Hansel und Landesgeschäftsführerin Stefanie Sander-Sawatzki. Dabei ließ sie sich ausführlich über die gegenwärtigen Arbeitsschwerpunkte des BdV informieren. Besonders interessiert zeigte sich dabei die Parlamentarierin an der Migrationsberatung des BdV, der Brückenfunktion der Landsmannschaften in deren Heimatgebieten und am Schutz nationaler Minderheiten. Dabei bedauerte sie die von der rechtsnationalen PIS-Regierungspartei vorgenommenen Kürzungen des muttersprachlichen Deutschunterrichts in Polen von drei auf eine Stunde, mahnte aber auch für Deutschland ein breiteres sprachliches Angebot an den weiterführenden Schulen an. Damit sollen auch andere Sprachen, die viele Schülerinnen und Schüler zu Hause sprechen, ins reguläre Unterrichtsangebot aufgenommen werden.

BdV-Landesvorsitzender Christian Knauer wertete den Meinungsaustausch und den Besuch der Grünen-Abgeordneten im Sudetendeutschen Museum als weitere positive Signale für eine Intensivierung der Kontakte zwischen Bündnis 90/Die Grünen und dem BdV. Sie reihten sich in die Einladungen zur Verfassungsfeier auf Herrenchiemsee, der „Stallwächter-Party“ Anfang August und die starke Präsenz der grünen Fraktion beim Gedenktag für die Opfer von Flucht und Vertreibung ein. Dankbar erinnerte Knauer an die frühere Landesvorsitzende der Partei und heutige Kultusministerin in Baden-Württemberg, Theresa Schopper, die durch ihren Besuch des BdV-Landesausschusses in den neunziger Jahren den ersten Schritt zum Dialog mit dem BdV machte. Regelmäßige Treffen zwischen der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen und dem BdV-Landesvorstand hätten in den Folgejahren zu einem deutlichen Abbau von Vorurteilen und zu mehr Verständnis für die Anliegen der Vertriebenen beigetragen. Vor allem die ehemalige Fraktionssprecherin und spätere Bundestagsabgeordnete Margarete Bause sowie die erste Vertriebenenpolitische Sprecherin der Grünen, Christine Kamm, hätten diesen Prozess befördert.

Besorgt zeigten sich die BdV-Vertreter über die künftige Kulturförderung des Ver-triebenenbereichs auf Bundesebene. Bei den wenigen Projektmitteln, die bislang zur Verfügung standen, sei bereits der Rotstift angesetzt worden. Dadurch seien viele projektgeförderte Institutionen in ihrer Existenz gefährdet. Kontakte und Beziehungen – Brücken in Europa –, die durch die Corona-Krise schon genug gelitten hätten, drohten endgültig zusammenzubrechen. Wenn man bedenke, dass die Kultur der Heimatvertriebenen und Spätaussiedler ein Viertel der bundesdeutschen Gesellschaft tangiere, könne man von Seiten ihrer Verbände kein Verständnis hierfür aufbringen. Beunruhigt seien die Landsmann-schaften auch durch die Ankündigung von Kulturstaatsministerin Claudia Roth, die Grundsätze der Kulturförderung nach § 96 Bundesvertriebenengesetz überarbeiten zu wollen. Dies habe bei vielen Landsleuten Erinnerungen an den rot-grünen Regierungswechsel von 1998, in deren Folge die Kulturförderung der Heimatvertriebenen um 50 Prozent zusammengestrichen wurde und viele Einrichtungen geschlossen werden mussten, geweckt. Auch wenn diese Maßnahmen die Bundespolitik betreffen, werbe man auch bei der grünen Landespolitik um Sensibilität. Gemeinsames Ziel müsse es sein, extremen Parteien an den politischen Rändern kein Forum für populistische Versprechungen zu geben.

Paul Hansel informierte die Abgeordnete über die positiven Wirkungen der Wiederaufnahme der Institutionellen Förderung für das „Schlesische Schaufenster“ in Straubing und das Kulturwerk Schlesien in Würzburg. Bernhard Fackelmann berichtete von der Sicherung ostdeutschen Kulturgutes durch die Einrichtung der Kulturwerke für die Siebenbürger Sachsen, die Deutschen aus Russland, die Donauschwaben und die Banater Schwaben. Beide BdV-Vertreter luden die Abgeordnete zu Besuchen in ihre Einrichtung ein.

 Kerstin Celina stammt aus Kürnach im Landkreis Würzburg und hat 2013 über die Liste ihr Landtagsmandat in Unterfranken errungen. Seither gehört sie dem Parlament ununterbrochen an und ist Mitglied in den Ausschüssen für Arbeit und Soziales sowie für Gesundheit und Pflege. Die frühere Personalberaterin ist verheiratet und hat zwei Kinder. An der Julius-Maximilians-Universität Würzburg studierte sie erfolgreich Volkswirtschaftslehre und absolvierte parallel dazu ein viersemestriges Zusatzstudium in Russisch und in Spanisch. Ihre wichtigsten beruflichen Stationen waren zuvor die Senatsverwaltung des Landes Berlin, das Europareferat bei der Landesvertretung Berlins in Bonn und die Bundesagentur für Arbeit. „Ehrenamtlich engagiert sich die Abgeordnete bei der Feuerwehr und in der Kommunal-politik. Vor ihrer Zeit im Landtag war sie ehrenamtliche Schöffen am Amtsgericht.