
Wie aktiv das landsmannschaftliche Leben und wie lebendig die Traditionspflege auch achtzig Jahre nach Flucht und Vertreibung und 35 Jahre nach der massenhaften Ausreise der Landsleute aus ihren osteuropäischen Siedlungsgebieten noch heute in Augsburg ist, davon zeugte ein großes Geburtstagsfest anlässlich des 40-jährigen Bestehens des Chores der Banater Schwaben.
Mit einem derartigen Ansturm an einem Sonntagnachmittag im Pfarrheim Hl. Dreifaltigkeit hatten am 26. April wohl selbst die kühnsten Optimisten nicht gerechnet. Nachdem auch der allerletzte Platz besetzt war, musste der eine oder andere verspätet eintreffende Gast unverrichteter Dinge wieder seinen Heimweg antreten, da die feuerpolizeiliche Höchstzahl an Gästen aus Haftungsgründen nicht überschritten werden durfte. Trotz gewisser Enttäuschung überwog auch bei diesen der Stolz auf den festen Zusammenhalt der Landsleute.
Schon seit 40 Jahren gibt es in der Schwabenmetropole den Chor der Banater Schwaben. Im September 1985 wurde er als „fröhliche Musikrunde“ im Übergangswohnheim Eschenhof ins Leben gerufen. Seit 2018 bringt Aniko Oster „frischen Wind“ in die engagierte Singgemeinschaft. Den ursprünglichen Namen „Seniorenchor“ legten die Sänger inzwischen ab. Da ihre Herzen und Stimmen den Anforderungen durchaus gewachsen sind, sei von einem „Senioren-Image“ kaum etwas zu spüren. Kreisvorsitzende Dr. Hella Gerber attestierte den Sängerinnen und Sängern „Klang, Seele und kulturelles Aushängeschild“ des Kreisverbandes zu sein. Nicht ohne Grund hätten sie 2021 den Kulturpreis des BdV Bayern erhalten.
Welches große Ansehen sich die Chorgemeinschaft in den vergangenen vier Jahrzehnten erworben hat, wurde auch an der stattlichen Zahl von Ehrengästen deutlich. So hatten sich der ehemalige Bundestagsabgeordnete und jetzige Vizepräsident der Bundeszentrale für politische Bildung, Volker Ullrich, Augsburgs Dritter Bürgermeister Bernd Kränzle, BdV-Landesvorsitzender und Altlandrat Dr. h.c. Christian Knauer und der bayerische Landesvorsitzende der Banater Schwaben, Harald Schlapansky, in die Schar der Gratulanten eingereiht. Während Kränzle und Schlapansky die Bedeutung des Chores für das Kulturleben der Stadt beziehungsweise der Landsmannschaft hervorhoben, bescheinigte der BdV-Landesvorsitzende den Sängerinnen und Sängern deren tiefe Verbundenheit und Liebe zur verlassenen Heimatregion. Die vielen Tänze und Lieder, die er bei deren Veranstaltungen miterlebe, seien daher „keine Folklore, sondern gelebtes Brauchtum“.
Gekonnt führte schließlich das Mitglied der Banater Theatergruppe, Karin Metzler, durch das Kulturprogramm. Dabei erinnerte sie zunächst an die Anfänge des Chors als Singgruppe, die auf Initiative von Georg Biringer, Heinrich Deschu und Adelheid Urban einst ins Leben gerufen wurde. 1990 wurde unter der Leitung von Hans Eisele daraus der „Seniorenchor“. Man sang nicht nur miteinander, sondern traf sich auch zu Ausflügen und anderen geselligen Unternehmungen. 1996 übernahm Werner Zippel für die nächsten 22 Jahre die Leitung. Der Chor trat infolge fortwährend bei verschiedenen Anlässen, vor allem bei Gottesdiensten und Maiandachten, aber auch bei Heimattagen oder dem Bundes-Chortreffen auf. Für die Geburtstagsfeier hatte der Chor unter der Stabführung von Aniko Oster ein Repertoire unter dem Motto „Reise durch das Banat“ vorbereitet. Dieses traf offenkundig den Geschmack der Zuhörer, da sie immer wieder zum spontanen Mitklatschen und gar Mitsingen angeregt wurden. Für Abwechslung und gute Stimmung sorgten auch die mitwirkenden befreundeten Gruppen des Chores. So überzeugte die Musikkapelle der Banater Schwaben Augsburg unter der Leitung von Gerhard Hipp mit den eher kräftigen, Chorleiterin Aniko Oster und Johann Goschy mit ihren Solopartien eher mit den leiseren Tönen. Banater Mundart im Liedgut war vor allem dem befreundeten Chor der Seniorengemeinschaft der Banater Schwaben Ingolstadt vorbehalten. Nicht fehlen durfte eine gemischte Tanzgruppe des Kreisverbandes aus Jugendlichen und Erwachsenen, die mit flotten Tänzen ihre Verbundenheit zum Ausdruck brachten. Sehr zur Erheiterung der Gäste sorgte eine Abordnung der Banater Theatergruppe mit einem „schwowischen Sketch“. Edith Achim hatte diesen eigens für den gegebenen Anlass geschrieben und zusammen mit Monika Theismann und Karin Metzler auch selbst in der Hauptrolle als „streikende“ Oma dargeboten. Gänsehautmomente bescherte Lisa Schrannek, als sie das Gedicht „Heimat“ von Elisabeth Grün, einer ehemaligen Sängerin des Augsburger Chors, effektvoll vortrug. Großen Applaus erntete auch der Männerchor, der mit Begleitung der Musikkapelle die „Heimatglocken“ besang. Wehmut kam nochmal zum Schluss der Veranstaltung bei den Abschlussliedern „Muss i denn zum Städtele hinaus“ und „In der Heimat gibt’s ein Wiedersehen“ auf. Mit einem lebendigen Meinungsaustausch bei Speis und Trank ging das „rauschende Geburtstagsfest“ schließlich zu Ende.
Text: Halrun Reinholz/Susanne Marb

