Wissenserweiterung: BdV besucht Einrichtungen in Berlin – Eindrücke von der Seminarfahrt des BdV Bayern. Eine Nachbetrachtung unserer Referentin Dr. Alexandra Rabensteiner

Gruppenbild mit Bundestagsvizepräsidentin Andrea Lindholz. Foto: S. Marb/BdV

Zum traditionellen Jahresempfang hatte der BdV-Bundesverband am Dienstag, 21. April, ins Hotel Aquino nach Berlin geladen. Der BdV Bayern folgte der Einladung und organisierte für eine 20-köpfige Delegation eine viertägige Seminarfahrt in die Hauptstadt mit einem spannenden und abwechslungsreichen Rahmenprogramm. Vom Münchner Hauptbahnhof ging es am Sonntag mit dem ICE nach Berlin. Ohne große Verspätung, jedoch bei schlechtem Wetter, ging es nach der Ankunft ins Hotel und abends durch den strömenden Regen zu Fuß zum Restaurant „Mutter Hoppe“. Im gemütlichen Ambiente und zum Geschmack Altberliner Küche gab es die Möglichkeit, sich besser kennenzulernen und sich auszutauschen. Nach Willkommens- und Informationsworten durch den Landesvorsitzenden Dr. h.c. Christian Knauer kehrte die Gruppe mit „nassen Füßen“ zurück ins Hotel. Während einige bei einem Glas Wein oder Bier ihre Gespräche fortsetzten, tankten die anderen im gemütlichen Hotelbett Kraft für die nächsten Tage.

Der Montag startete mit dem Besuch im Verbindungsbüro des Hohen Repräsentanten von Bosnien und Herzegowina. Durch die aktuelle Situation vor Ort konnte der Hohe Repräsentant, Christian Schmidt, selbst leider nicht dabei sein. Büroleiter Ingo Gnoyke, den einige der Mitreisenden bereits von der verständigungspolitischen Reise nach Bosnien und Herzegowina 2024 kannten, gab gemeinsam mit seiner Mitarbeiterin Mariam Kublashvili einen Einblick in die Geschichte und die aktuelle Lage des Landes sowie in die Aufgaben und Befugnisse des Hohen Repräsentanten und dessen Tätigkeitsfelder. Neben dem überaus interessanten Überblick blieb Zeit, Fragen zu stellen, die von Gnoyke und Kublashvili ausführlich beantwortet wurden. Für viele der Anwesenden waren die Infos neu und auch für jene, die in Sarajevo dabei waren, bot das Treffen weiterführende Erkenntnisse.

Weiter ging es an diesem Tag in den Deutschen Bundestag: Nach einer kurzen Einführung auf der Zuschauertribüne, der Besichtigung der Glaskuppel mit Blick über das verregnete Berlin, zwei obligatorischen Gruppenfotos und einem Imbiss in der Kantine im Paul-Löbe-Haus, folgte der Höhepunkt an diesem Nachmittag. Die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestags, Andrea Lindholz, MdB, nahm sich Zeit, der Gruppe einen Einblick in ihre Arbeit und über aktuelle Themen zu vermitteln. Dazu gehörten die schwierige weltpolitische Lage, neue aufgeheizte Debattendynamiken sowohl im Plenarsaal als auch in der Gesellschaft sowie die ihr zugetragene Aufgabe der Digitalisierung des Deutschen Bundestags. Weiter betonte sie ihre Verbundenheit mit dem BdV und dessen Themen. Für ihre anstehenden Reisen nach Polen und Rumänien griff sie die Vorschläge der BdV-Mitglieder gerne auf und versicherte, sich vor diesen auch noch mit Dr. Bernd Fabritius, dem Beauftragten der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, auszutauschen. Der freie Abend bot den Teilnehmern die Möglichkeit zur individuellen Erkundung der Stadt.

Am Dienstagvormittag besuchte die  BdV-Reisegruppe das Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Versöhnung im Deutschlandhaus. Obwohl viele der Mitreisenden dieses bereits früher besucht hatten, war die Spannung groß. War eine stärkere Empathie für die Situation der deutschen Heimatvertriebenen spürbar? Hatten die Ergebnisse der letzten Bundestagswahlen und der nur wenige Wochen vorher erfolgte Wechsel der Direktion von Dr. Gundula Bavendamm auf Dr. Roland Borchers erste Auswirkungen? Bei der Führung gelang es der Bereichsleiterin für Bildung und Vermittlung, Dr. Silke Krohn, und deren Mitarbeiterin Sanna Holappa, ein positives Bild zu erzeugen. Die ursprünglich auf 50 Minuten geplante Führung dauerte am Ende gut eineinhalb Stunden und war geprägt durch gegenseitige Anregungen. Die Teilnehmer zeigten sich im Anschluss von der Ausstellung überwiegend beeindruckt. Einzelne merkten an, in einigen Stationen ihre eigene Fluchtgeschichte erkannt zu haben. Trotz Kritik an einzelnen Aspekten, wie etwa dem fehlenden Hinweis darauf, dass sich im zweiten Stock der Schwerpunkt der Ausstellung, nämlich die Flucht und Vertreibung der Deutschen befindet oder, dass das Geschehen nach dem Ersten Weltkrieg mit seinen fatalen Folgen weitgehend fehlt, zeigte sich Landesvorsitzender Dr. h.c. Knauer insgesamt mit der Entwicklung des Hauses zufrieden.

Nach einer kurzen Mittagspause in der Sonne ging es weiter ins Bundesministerium des Innern zum Termin mit Dr. Bernd Fabritius. Innenminister Alexander Dobrindt, der sich gerade im Haus befand, ließ es sich nicht nehmen, ein Foto mit der Gruppe zu machen. Anschließend nahm sich Dr. Fabritius Zeit für einen regen Meinungsaustausch. Im Zentrum seiner Ausführungen standen seine Arbeitsfelder als Beauftragter der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten. Zudem informierte er über erste Erfolge, wie zum Beispiel die Rückbenennung des „Bundesinstituts für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa“ (BKGE) durch Innenminister Dobrindt und die erfolgreichen Interventionen im Stiftungsrat Flucht, Vertreibung, Versöhnung. Besonders hob er die Berücksichtigung der Anliegen der Vertriebenen und Spätaussiedler in der aktuellen Koalitionsvereinbarung hervor. Auch gegenwärtige Herausforderungen, wie die politische Diskussion im Umgang mit den sogenannten „Spätgeborenen“ im Kontext der Russlanddeutschen, waren Teil seiner Ausführungen.

Der an Eindrücken intensive Tag wurde am Abend durch den Jahresempfang des BdV gekrönt. In den bis auf den letzten Platz gefüllten Saal des Tagungszentrums hatten sich neben BdV-Mitgliedern aus ganz Deutschland auch Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Kultur und Religionsgemeinschaften eingefunden. Mit Spannung erwartet wurden die Reden des neuen BdV-Präsidenten Stephan Mayer, MdB, und des Festredners, Bundesinnenminister Alexander Dobrindt. Mayer dankte in seiner Rede zum einen dem „Bundesvertriebenenminister“ Dobrindt in dessen Ministerium erstmals seit den 1990er Jahren wieder alle vertriebenenpolitischen Felder gebündelt seien. Der BdV mit seinen Landsmannschaften und Landesverbänden fühle sich dort strukturell, personell und inhaltlich gut vertreten. In besonderer Weise dankte er allen Ehrenamtlichen in den Verbänden und Landsmannschaften für deren Arbeit.

Innenminister Alexander Dobrindt, der den Titel des „Bundesvertriebenenministers“ mit einem Schmunzeln annahm, solidarisierte sich mit dem zentralen Anliegen des BdV, Frieden in Europa zu bilden. Mit BdV-Präsident Mayer war er sich einig, dass der Verband zwar eine lange Geschichte habe, aber nach wie vor für Aufgaben der Gegenwart und Zukunft stehe. Mayer hatte zuvor diese in den drei Säulen „Erinnerung, Verständigung und Zukunft“ charakterisiert. Die Geschichte, so Dobrindt, könne man nur verstehen und die Zukunft darauf positiv entwickeln, wenn man nicht vergesse, aber die Hand zur Versöhnung ausstrecke.

Zum Abschluss der überaus gelungenen Reise ging es nach dem Jahresempfang in das bereits zur Tradition jeder Berlinreise gehörenden Restaurant „Volkskammer“. Dort wird die traditionelle Berliner Küche im Ambiente der DDR-Zeit serviert. Nach einem freien Mittwochvormittag ging es dann wieder, bepackt mit neuem Wissen, neuen Erfahrungen und vielen Erlebnissen, in Richtung Bayern. Was besonders in Erinnerung bleiben wird, sind die Gespräche mit den politischen Vertreterinnen und Vertretern und die Zeitzeugenerlebnisse der Mitreisenden, die über die eigene Flucht oder die ihrer Familie berichteten.

Besuch im Dokumentationszentrum im Deutschlandhaus. Foto: S. Marb/BdV
Besuch beim Beauftragten für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, Dr. Bernd Fabritius. Foto: S. Marb/BdV
Besuch im Dokumentationszentrum im Deutschlandhaus und beim Beauftragten für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, Dr. Bernd Fabritius. Fotos: S. Marb/BdV