Mega-Event in München: Riesengebirgs-Trachtengruppe feierte 75. Geburtstag – Hunderte von Zuschauern auf dem Marienplatz

Strahlende Gesichter auf dem Gruppenbild. Foto: Hans J. Kupke

„Es ist unglaublich, was ihr in Bayern noch immer auf die Beine stellt“, schwärmte der Bundesvorsitzende der Landsmannschaft Schlesien, Stephan Rauhut, beim 75-jährigen Jubiläum der Riesengebirgs-Trachtengruppe in München. Hatten so manche Festgäste mit einer „normalen Feier“ gerechnet, präsentierte sich diese nahezu als „Mega-Event“. Ausschlaggebend hierfür war nicht nur eine perfekte Organisation des Festtages, sondern die starke Vernetzung im Bayerischen Trachtenverband und durch die regelmäßige Teilnahme an der Europeade, dem wohl größten europäischen Trachten- und Folklorefestival, das jährlich an wechselnden Orten in Europa stattfindet.

Schon viele Monate vor dem Festwochenende, das vom 8. bis 10. Mai stattfand, hatten die Planungen, die immer wieder aktualisiert, umgeworfen, verbessert und verworfen wurden, begonnen. Am Freitag trafen dann nach und nach rund 100 auswärtige Gäste ein. Großes Hallo und echte Wiedersehensfreude herrschte im reservierten Bereich des Augustiner Biergartens. Mit einem frisch angezapften Fass und guter Brotzeit gab es bei zünftiger Musik angeregte Unterhaltungen mit den Volkstanzgruppen aus Linsengericht, Haubern und Schrecksbach (alle Hessen), Waldburg in Baden-Württemberg, Gütersloh, Braunschweig, Bonn und dem Frankenland.

Erster Höhepunkt des offiziellen Programms war am Samstagmittag, nach dem Glockenspiel des Münchner Rathauses, eine zweistündige Präsentation von Volkstänzen auf dem Marienplatz vor dem Münchner Rathaus. Nach der Eröffnung mit dem Tanz „Rediwa“ durch den Jubelverein, überbrachte Stadtrat David Süß (Bündnis 90/Die Grünen) die Grüße des Oberbürgermeisters. Dabei bezeichnete er die Kulturgruppen der Heimatvertriebenen als ein „besonderes Juwel“, die auch die Landeshauptstadt bereicherten. Die besondere Öffentlichkeitswirksamkeit des Programmpunkts zeigte sich auch am großen Interesse der sich zu Hunderten ansammelnden Zuschauer. Dank Handys gingen sowohl etliche tausend Bilder und Filme der vielfältigen Trachten- und Tanzdarbietungen in die Welt hinaus. Besonderen Beifall erhielten die Fahnenschwinger der Gruppe Linsengericht sowie das Glockenspiel-Trio des Patenvereins D’Untersberger.

Bis auf den letzten Platz besetzt war um 16 Uhr beim Festakt der große Saal des Augustiner-Kellers. Über 400 Gäste, unter die sich auch unter anderem Bundesvorsitzender Stephan Rauhut, der Landesvorsitzende der Schlesier, Dr. Gotthard Schneider, der Vorstandsvorsitzende der Stiftung Kulturwerk Schlesien, Paul Hansel, und BdV-Landesvorsitzender Dr. h.c. Christian Knauer gemischt hatten, waren gekommen, um ihre besondere Verbundenheit mit der Gruppe zu zeigen. Münchens neu gewählter Oberbürgermeister Dominik Krause hatte eigens zum Anlass Stadtrat Beppo Brem (Bündnis 90/Die Grünen) entsandt, der in sehr persönlichen Worten dessen Grüße und eine Erinnerungsgabe als Dank und Anerkennung für die kulturellen Leistungen der RTG überbrachte.

Sichtlich berührt berichtet anschließend Vorstand Uli Moll von der Geschichte der Riesengebirgs-Trachtengruppe. Dass diese heute noch so aktiv ist, sei auf den starken Zusammenhalt der Mitglieder zurückzuführen. Eine besondere Freude war es für ihn, dem früheren Vorsitzenden Heinz Schindler sowie dem langjährigen Fähnrich und jetzigen Trachtenschulzen Erich Metzner aufgrund eines einstimmigen Beschlusses der Vorstandschaft die Ehrenmitgliedschaft zu verleihen. Auszeichnungen gab es schließlich auch für Veronika Moll (Goldene Ehrennadel der Landsmannschaft) und Roberto Perlo, Nicole von Wulffert und Werner Lachner (Silberne Ehrennadel) durch Bundesvorsitzenden Stefan Rauhut und Landesvorsitzenden Dr. Gotthard Schneider.

Während des immer wieder von farbenfrohen und abwechslungsreichen Tanz- und Gesangseinlagen aufgelockerten Festabends durften Grußworte der Ehrengäste und Gratulationen der Gastgruppen nicht fehlen. Dabei bezeichnete Bundesvorsitzender Stephan Rauhut die Riesengebirgler als eine der bedeutendsten schlesischen Kulturträger in der Bundesrepublik. Seit Jahrzehnten bereicherten sie nicht nur das im zweijährigen Turnus stattfindende Deutschlandtreffen der Schlesier, sondern viele Heimattreffen und Veranstaltungen im In- und Ausland. BdV-Landesvorsitzender Dr. h.c. Christian Knauer freute sich als Ehrenmitglied dem Jubelverein anzugehören. Für den BdV Bayern sicherte er der Gruppe weiterhin die finanzielle Unterstützung bei ihren Teilnahmen an der Europeade zu.

Ihren Ausklang fand das Festwochenende am Sonntag mit einem Weißwurstfrühstück im Rahmen eines Musikantenstammtisches auf der Terrasse des Augustiner-Kellers.
Text: Uli Moll/Susanne Marb

Die Riesengebirgs-Trachtengruppe in Aktion. Foto: Susanne Marb/BdV