Studien- und Informationsfahrten

BdV Bayern auf Begegnungsreise in Serbien 2023

Brücken bauen: BdV Bayern auf Begegnungsreise in Serbien – Offene Türen bei allen Gesprächspartnern

Wie „Brückenbau“ zwischen den Völkern praktiziert werden kann, davon legte eine Begegnungsreise des BdV Bayern nach Serbien ein beredtes Zeugnis ab. Eine Woche lang nutzten Mitglieder des Landesvorstandes sowie Landesvorsitzende und Funktionsträger aus den Landsmannschaften um sich ein unmittelbares Bild von der politischen Situation des Landes, insbesondere aber jene der deutschen Minderheit zu erarbeiten. Besonderes Interesse galt aber auch der Aufarbeitung des Martyriums der Donauschwaben am Ende des Zweiten Weltkriegs vor Ort. Ab 1944 war in der Batschka, in der Baranja, im Banat und in Syrmien zunächst ein System von Lagern die bestimmende Lebensform, in denen die deutsche Bevölkerung interniert, zur Arbeit gezwungen und dezimiert wurde. Mit etwa 95.000 Opfern wies Jugoslawien mit weitem Abstand die höchste Todesrate bei der durch Internierung, Flucht und Vertreibung getöteten Zivilbevölkerung auf. Die Zahl der Deutschen belief sich im Vorkriegsjugoslawien auf rund eine halbe Million und sank bis 31. März 1953 auf rund 62.000. Heute bekennen sich noch etwa 4.000 Staatsbürger zur deutschen Volkszugehörigkeit.

Wie sehr sich die Beziehungen zwischen Deutschland und Serbien nach dem Jugoslawien-Kriegen Ende der neunziger Jahre wieder erholt haben, darauf verwies die deutsche Botschafterin in Belgrad, Anke Konrad, beim Empfang der BdV-Delegation in ihren Amtssitz hin. Besonders spürbar sei die immer enger werdende Zusammenarbeit in den Bereichen Wirtschaft und Sicherheit. Deutschland sei größter bilateraler Handelspartner und Investor. So seien allein in den letzten Jahren 80.000 Arbeitsplätze durch deutsche Unternehmen geschaffen worden. Mit rund zwei Milliarden Euro hätte sich die Entwicklungszusam-menarbeit besonders in den Bereichen Energie und Klimawandel kraftvoll entwickelt.

Ein nicht zu vernachlässigendes Problem sah die Botschafterin in der starken Präsenz russischer Propaganda, auf der „fake-news“ kaum Richtigstellungen erfolgten. Es gleiche einem „innenpolitischen Balanceakt“ der Politik, sich von den russischen Abhängigkeiten zu befreien. Russland werde von weiten Teilen der Bevölkerung nach wie vor als freundliches „Bruderland“ gesehen, das sich sowohl im Ersten wie im Zweiten Weltkrieg an die Seite des Landes gestellt habe. Auch in der Kosovo-Frage, bei der Deutschland und Frankreich eine wichtige Vermittlerrolle eingenommen hätten, peitsche Russland die innenpolitische Stimmung auf.

Positiv hätte sich der Minderheitenschutz in Serbien entwickelt. Durch das Minderheitengesetz wurden die Deutschen 2002 als nationale Minderheit anerkannt. Zuvor war im Dezember 1996 der „Deutsche Volksverband, Verband der deutschen Minderheit in Serbien“ gegründet worden. Dessen Ziele seien unter anderem der Schutz der Interessen der Deutschen Minderheit, die Erhaltung der deutschen Identität, die Pflege der deutschen Sprache sowie der Sitten und Kultur der Donauschwaben.

Welche Herzlichkeit den deutschen Gästen überall im Land entgegengebracht wurde, war bei Empfang der Regionalregierung der Vojvodina in Novi Sad erstmals zu spüren. Kultusminister Alexsandar Sofić nahm sich mit Staatssekretär Viktor Pal und einer ganzen Riege von Mitarbeiterinnen ungewöhnlich viel Zeit, um ausführlich zu Themen der Aufarbeitung der Geschichte und aktuellen politischen Fragen Stellung zu nehmen. Dabei lobte er BdV-Landesvorsitzenden Christian Knauer, der in seinem Eingangsstatement die Einbeziehung der vertriebenen Donauschwaben in die Rückgabe des durch die Kommunisten verstaatlichten Eigentums herausgestellt hatte. Knauer, so der Minister, sei der erste deutsche Gast, der seinem Land hierfür gedankt und Anerkennung gezollt habe.

Ausreichend Zeit nahmen sich Kultusminister Aleksandar Sofić und Staatssekretär Victor Pal von der Regionalregierung der Vojvodina für die Beantwortung der Fragen der deutschen Gäste. Foto: S. M.

Das serbische Parlament hatte am 26. September 2011 ein Restitutionsgesetz zur Rückgabe bzw. Entschädigung von Vermögenswerten beschlossen, die nach dem 9. März 1945 enteignet worden waren. Das Gesetz sah grundsätzlich die Möglichkeit für eine Rückgabe bzw. Entschädigung auch an nichtserbische Staatsangehörige vor. Demnach konnten auch die vertriebenen Donauschwaben auf dem heute serbischen Staatsgebiet bis zum 14. Dezember 2016 Anträge auf Rehabilitierung und bis zum 3. März 2014 Anträge auf Restitution (Entschädigung) stellen.

Beklommenheit lösten die Besuche der Gedenkstätten bei Jarek und Gakowa aber auch des nahezu verfallenen katholischen Friedhofs in Apatin aus. Erst 2017 brach das Balkanland das Tabu um das Schicksal seiner einstigen deutschen Donauschwaben. Jahrzehntelang wurde dieses Thema totgeschwiegen. Seit der Errichtung und Einweihung einer Gedenkstätte in der Gemeinde Jarek für die misshandelten, vertriebenen und ermordeten Deutschen durch Serbiens Regierungschef Aleksandar Vucic im Mai gleichen Jahres, stellt sich das Land nunmehr auch offiziell diesem Kapitel seiner Geschichte. Die damalige Geste der Regierung wurde als wichtiger Schritt für die Aussöhnung und die Auseinandersetzung mit diesem Thema aufgefasst. „Nur durch die Achtung fremder Opfer werden wir das Recht haben, auch Respekt und Recht für unsere Opfer zu verlangen“, begründete Vucic damals das serbische Umschwenken.

Welche große Bedeutung die rund 550.000 Deutschen, die zwischen dem 17. und 19. Jahrhundert in menschenleere Gebiete des späteren Jugoslawiens eingewandert waren, weite Teile der Landwirtschaft, des Handwerks und des Handels bestimmten, wurde in Gesprächen mit Vertretern des Deutschen Nationalrats, des Deutschen humanitären Vereins St. Gerhard, dem Donauschwäbischen Museum in Sombor und beim Empfang bei Bürgermeister in Apatin spürbar. Auch bei den Fahrten durch die einstigen deutschen Dörfer konnte man die wirtschaftliche und kulturelle Bedeutung der nicht nur aus Deutschland stammenden damaligen Einwanderer noch gut nachvollziehen. Heute bemüht sich eine überschaubare Zahl geschichtsbewusster und vielfach ethnisch gemischter Nachfahren der einstigen donauschwäbischen Siedler, die auf Dachböden und Kellern verstreuten historischen Dokumente zu sammeln und vor dem endgültigen Verfall zu schützen. Text: Ch. K./S. M.

Zeitenwende: Apatin – Endstation der Ulmer Schachteln – Idealisten sichern kulturelle Zeugnisse der Deutschen

Der Besuch in Apatin, der mit 14.000 Deutschen einst größten deutschen Gemeinde Jugoslawiens, zählte zu den eindrucksvollsten Besuchsstationen für die BdV-Delegation während ihrer Begegnungsreise nach Serbien. Abgesehen von den noch weitgehend erhaltenen typischen Siedlerhäusern in den Dörfern, kann man beim Spaziergang am Donauufer oder beim Besuch des Donauschwäbischen Kirchenmuseums am deutlichsten auf die Spuren der bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges hier lebenden deutschen Einwanderer stoßen.

Der Vorsitzende des Deutschen Vereins „Adam Berenz“ in Apatin, Boris Masic, zählt hier zu den Idealisten. Er hat ein längst von der Kirche aufgegebenes Pfarrhaus und das benachbarte Kirchengebäude quasi zu einem provisorischen Kulturzentrum umgewidmet und eine Unzahl von Dokumenten, Büchern und liturgischen Gegenständen aus der gesamten autonomen Provinz Vojvodina gesammelt und diese vor dem endgültigen Verlust gerettet. Mit relativ geringen jährlichen finanziellen Mittel könnten hier nach Ansicht der BdV-Vertreter wertvolle Schätze gesichert und ausgewertet werden. Leider, so die Landesvorsitzende der Donauschwaben, Eva Hübner, ist das serbische Bewusstsein für den Wert dieser historischen Dokumente noch viel zu wenig ausgeprägt und in Deutschland kaum bekannt. Wenn hier nicht bald professionelle Unterstützung komme, drohe vieles von dem Gesammelten aus Unkenntnis verloren zu gehen, gestohlen oder auf dem Trödelmarkt verhökert zu werden.

Apatin wurde Mitte des 16. Jahrhunderts von den Osmanen erobert und 1687, nach der Befreiung durch die kaiserlichen Truppen, dem Habsburger Reich einverleibt. Im Rahmen der Ansiedlung der unbevölkerten Donauregionen mit Siedlern, vorwiegend aus deutschen Gebieten, entstand 1739 die heutige Stadt als Endstation der Ulmer Schachtel-Schifffahrt. Für die sich durch die massive Ansiedlung im Umland bildenden Dörfer mit deutschen Einwohnern wurde es zum Zentrum. Das an die Bauern zugeteilte Land war sumpfig und schwer zu bewirtschaften und erforderte, nicht zuletzt gegen das Sumpffieber, einen jahrelangen Kampf.

Apatin war von Anfang an keine reine Bauernsiedlung, sondern entwickelte sich rasch zu einer Industrie- und Handwerksstadt. Anfangs wurde es besonders durch seine Donaumühlen bekannt, in denen Bauern aus der ganzen Batschka ihren Weizen mahlen ließen, später durch seine vielfältigen Gewerbezweige. So waren dort Orgelbauer, Bildhauer, Vergolder, Kirchenmaler, Buchbinder und Buchdrucker genauso zu finden wie Schiffswerften, Brauereien, Ziegeleien, Tuch- und Papierfabriken oder Woll- und Seidenspinnereien. Bis zum Zweiten Weltkrieg war Apatin die Gemeinde mit dem höchsten pro Kopf Einkommen in Jugoslawien. Besonderen Ruhm brachte Apatin die 1756 gegründete Brauerei (heute Apatinska Pivara), die bis heute der größte Arbeitgeber der Stadt ist. Deren Hauptmarke, „Jelen pivo“ („Hirsch Bier“), das auch die bayerischen Gäste verkosteten, ist nicht nur das meist getrunkene Bier Serbiens, sondern wurde mehrmals als das „weltbeste Bier“ ausgezeichnet.

Die Auswirkungen des Zweiten Weltkrieges zerstörten das mehr als 200 Jahre andauernde friedliche Zusammenleben seiner Bürger aus verschiedenen Nationalitäten und Konfessionen. 1944 flohen 2.000 Apatiner beim Herannahen der Russen aus ihrer Heimat. Ende 1944 wurden ca. 1.800 Mädchen, Frauen und Männer in die Sowjetunion deportiert. Am 11. März 1945 wurden schließlich alle „Schwaben“ in die Internierungslager Gakowa (Gakovo) und Kruschiwl (Kruševlje) verschleppt. Bis zum Auflösen der Lager, im Sommer 1948, ging die Hälfte davon vor Hunger, Krankheiten und durch Tötungen zugrunde. Heute leben in Apatin nur noch wenige Deutsche.

30 Jahre nach dem Bürgerkrieg: Lage auf dem Balkan bleibt angespannt – Partnerschaft mit Kroatien vertrauensvoll

Dass es sich bei der Begegnungsreise des BdV Bayern nach Serbien um kein leichtes Unterfangen handeln wird, wurde der 16-köpfigen Delegation bereits bei ihrem Zwischenstopp in Zagreb klar. Schon während des Einführungsreferats der Leiterin der Kulturabteilung der Deutschen Botschaft, Nathalie Linow, wurde deutlich, wie komplex und spannungsgeladen sich die Situation auf dem Balkan auch dreißig Jahre nach den Bürgerkriegen darstellt. Sowohl die Regierungen Kroatiens wie Serbiens würden sich „mit versöhnlichen Schritten aufeinander zu“ schwer tun, da die Bevölkerung im ehemaligen Jugoslawien immer noch durch den „Heimatkrieg“, der von 1991 bis 2001 tobte, belastet sei.

Während Kroatien seit 2013 zur Europäischen Gemeinschaft gehöre und am 1. Januar 2023 den Euro eingeführt habe, zähle Serbien immer noch zu den EU-Beitrittskandidaten. Territoriale Ansprüche auf das Staatsgebiet von Bosnien-Herzegowina, der Kosovo-Konflikt und die geteilte Haltung Serbiens zu Russland, würden nicht zur Entkrampfung des Verhältnisses zum südlichen Nachbarn beitragen.

Innenpolitisch habe Kroatien ebenso noch Baustellen zu bewältigen. So sei seit dem EU-Beitritt ein Bevölkerungsschwund von rund zehn Prozent zu verzeichnen, der die wirtschaftliche Entwicklung des Landes hemme. Die derzeitig hohe Inflation und die damit verbundenen Preissteigerungen sowie die erheblichen Schäden durch zwei kürzlich erlittene Erdbeben kämen erschwerend hinzu. Die politischen, wirtschaftlichen, kulturellen und sozialen Beziehungen zu Deutschland seien traditionell freundschaftlich und eng. Schwerpunkte der Zusammenarbeit bildeten die bilateralen Handels- und Wirtschaftsbeziehungen, eine enge Zusammenarbeit auf EU-Ebene und die Pflege der wissenschaftlichen und kulturellen Beziehungen. Deutschland sei Kroatiens größter Handelspartner; bei ausländischen Direktinvestitionen nehme es neben den Niederlanden, Österreich und Luxemburg regelmäßig einen der vorderen Plätze ein. Mit fast drei Millionen Reisenden stellte Deutschland im vergangenen Jahr das zahlenmäßig größte Kontingent ausländischer Touristinnen und Touristen.

Kroatien und Deutschland seien Partner auf EU-Ebene und arbeiteten in allen wichtigen europapolitischen Fragen eng zusammen. Die politischen Kontakte würden durch regelmäßige hochrangige Treffen sowohl in Brüssel wie auch in beiden Hauptstädten ergänzt. Auch wenn sich Kroatien in vielen Bereichen an Deutschland orientiere, suche es auch eine eigenständige Rolle. Zu den engen Beziehungen trügen auch die über 430.000 kroatischen Staatsangehörigen in Deutschland bei, ebenso die viele Kroatinnen und Kroaten, die zeitweise in Deutschland lebten und wieder nach Kroatien zurückgekehrt sind. Text: S. M.

Weitgehend unbekannt: Lebendige deutsche Minderheit in Kroatien – Sprach- und Kulturförderung stehen im Mittelpunkt

Zwischenstation auf ihrer Reise nach Serbien war die kroatische Hauptstadt Zagreb. Dort hatte die BdV-Delegation im Rahmen eines gemeinsamen Abendessens im Hotel Laguna Gelegenheit, sich aus erster Hand von der Leiterin des Kulturreferats der Deutschen Botschaft, Nathalie Linow, über die aktuelle politische Situation im ehemaligen Jugoslawien zu verschaffen. Auf „weitgehendes Neuland“ stießen sie und der sie begleitende Vorsitzende der Deutschen Gemeinschaft – Landsmannschaft der Donauschwaben in Kroatien, Vladimir Ham, mit ihren Ausführungen zur deutschen Minderheit im südeuropäischen EU-Mitgliedsland. Kaum bekannt deshalb, weil es in Deutschland keine Landsmannschaft der vertriebenen Kroaten im BdV gibt.

Vierter von links: Vladimir Ham von der Deutschen Gemeinschaft – Landsmannschaft der Donauschwaben in Kroatien. Text/Foto: S. M.

Bei der Volkszählung im Jahr 1900 bekannten sich knapp 86.000 kroatische Staatsbürger zur deutschen Volkszugehörigkeit. Zwischen dem Zerfall der Doppelmonarchie und dem Ende des Zweiten Weltkriegs gab es wechselnde deutsche Zusammenschlüsse, begonnen vom 1920 gegründeten deutschen Kulturbund, der später verbotenen „Partei der Deutschen“ bis hin zur „Nationalsozialistischen Deutschen Gefolgschaft in Kroatien (NSDGK)“. Zum Kriegsende konnten aus dem „Unabhängigen Staat Kroatien“ bis Ende Oktober 1944 etwa 90.000 Kroatiendeutsche evakuiert werden bzw. fliehen. Etwa 19.000 Deutsche blieben auf dem Gebiet Kroatiens zurück.

Da die „kroatisch deutsche Volksgruppe“ im Potsdamer Abkommen nicht behandelt wurde, betrachteten die Alliierten deren Mitglieder als jugoslawische Staatsangehörige und versuchten sie dorthin zurückzuschicken. Allerdings veröffentlichte am 4. Juni das kommunistische jugoslawische Regime ein Dekret, wodurch den ethnischen Deutschen die jugoslawische Staatsbürgerschaft entzogen wurde. Ihr bewegliches und unbewegliches Eigentum wurde konfisziert. Daher ließen sich die meisten Kroatiendeutschen in Deutschland oder Österreich nieder. Einige konnten sich wieder in Jugoslawien ansiedeln, aber nur wenige kehrten in ihre ursprüngliche Heimat zurück.

Heute bekennen sich, mit leicht steigender Tendenz, etwas über 3.000 Bürgerinnen und Bürger zu ihren deutschen Wurzeln. Nur mehr wenige verstehen sich davon als „echte Donauschwaben“, da sich viele von ihnen in den letzten Jahrzehnten neu angesiedelt haben. Gemeinsam sind sie in der „Vereinigung der Deutschen und Österreicher von Kroatien“ organisiert und gelten offiziell als anerkannte Minderheit. Mit einigen anderen kleinen Minderheiten teilen sie sich einen ständigen Sitz im kroatischen Parlament. Vertreten ist die deutsche Minderheit auch vereinzelt in Regional- und Kommunalparlamenten.

Konzentriert leben die Deutschen vor allem in der Gegend rund um Osijek. Dort gibt es ein deutsches Kulturzentrum, hier findet jährlich auch ein deutschsprachiges Theaterfestival statt. In Osijek wird auch die zweisprachige, vierteljährig erscheinende, Minderheitenzeitung „Deutsches Wort“ herausgegeben. Einen besonderen Bekanntheitsgrad hat sich der dortige Minderheitenverband erworben, da er als einzige Minderheitenvertretung im Rahmen von wissenschaftlichen Fachtagungen den Einfluss von Minderheiten auf die Mehrheitsgesellschaft untersucht. Derzeit existieren in Kroatien fünf deutsch-österreichische Minderheitenvereine.

Zufrieden ist der Minderheitenverband mit der staatlichen Unterstützung durch den kroatischen Staat. „Wir bekommen das, was wir beantragen. Alle Projekte finanziert der kroatische Staat und das ist nicht wenig“, so Vorsitzender Vladimir Ham. Die Deutsche Gemeinschaft in Osijek bemüht sich erfolgreich, die Deutsche Sprache zu promovieren und zu bewahren. An einer Grundschule gibt es seit 1995 einen Klassenzug für die deutsche Minderheit. An zwei Zagreber Gymnasien und einem in Osijek existieren bilinguale Zweige. Derzeit lernen rund 20 Prozent aller kroatischen Schüler Deutsch als erste Fremdsprache, zirka 75 Prozent lernen zumindest einige Jahre lang Deutsch. An 13 kroatischen Gymnasien kann das Deutsche Sprachdiplom DSD II erworben werden.

Im Jahr 1996 haben Kroatien und Deutschland vertraglich vereinbart, die Kennzeichnung der deutschen Gräber aus den Weltkriegen in Kroatien zu erleichtern. Im Jahr 2005 verabschiedete die kroatische Regierung ein umfassendes Gesetz über die Rückgabe der verstaatlichten österreichischen Vermögensgegenstände an ihren rechtmäßigen Eigentümer.

Fazit der Reise durch den BdV-Landesvorsitzenden

Zu Beginn der Begegnungsreise nach Serbien hatten wohl die wenigsten Teilnehmer konkrete Vorstellungen von der dort vorzufindenden politischen und wirtschaftlichen Situation des Landes und noch weniger vom Überlebenskampf der dort existierenden deutschen Minderheit. Bei uns weitgehend unbekannt ist der „Deutsche Volksverband, Verband der deutschen Minderheit in Serbien“, der im Dezember 1996 gegründet wurde und seinen Sitz in Subotica hat. In bewundernswerter Weise versuchen unsere Landsleute mit einer eigenen Bibliothek, einem Chor, einer deutschsprachigen Jugendtheatergruppe und seit 1998 mit der halbstündigen deutschsprachigen Radiosendung „Unsere Stimme“ jeden Freitag ihre Identität und Kultur zu bewahren.

Kaum jemand nahm in Deutschland bislang die überall sichtbaren Bemühungen Serbiens im Hinblick auf die Rückgabe des einst konfiszierten Eigentums war. Was Ungarn vor Jahrzehnten in vorbildlicher Weise einleitete, um was man sich in Rumänien mit unterschiedlichem Erfolg bemüht, das wird derzeit in Serbien vollzogen. Traurig dabei bleibt anzumerken, dass es von Seiten der deutschen Politik und Medien kaum Hinweise auf die Möglichkeit einer Entschädigung für die vertriebenen Donauschwaben gab und auch eine Anerkennung dieser Geste gegenüber der serbischen Politik bis heute weitgehend unterblieb.

Auf den Wert des kulturellen Erbes der Donauschwaben als Teil der Landesgeschichte Serbiens hinzuweisen und die deutsche Minderheit moralisch zu unterstützen, dies waren die wohl entscheidenden Beweggründe für die Durchführung dieser Reise. Hinzu aber kam, im Dialog mit der serbischen Politik, egal ob auf Provinz- oder Kommunalebene, die Möglichkeiten für den Bau des gemeinsamen europäischen Hauses auszuloten. Gerade hier mussten wir feststellen, dass die serbische Bevölkerung selbst, nicht zuletzt aufgrund ihrer geschichtlichen Erfahrungen, mit Vorbehalten und Problemen anzukämpfen hat, von denen man in Deutschland nur vage Vorstellungen hat. Ein Großteil setzt Hoffnungen auf die Europäische Union. Dies nicht nur wegen vermeintlicher wirtschaftlicher Vorteile. Andere fühlen sich unverstanden, im Stich gelassen und zeigen offene Sympathien für nationalistische Parolen. Um letzteren den Wind aus den Segeln zu nehmen, gilt es auch von europäischer Seite stärker den Dialog nicht nur „mit denen da oben“, sondern mit den ganz normalen Bürgerinnen und Bürgern zu führen.

Entgegen so manchem Vorurteil, die Bereitschaft zum offenen Dialog konnte die BdV-Delegation überall spüren. Dies begann schon bei der Vorbereitung der Reise durch das serbische Generalkonsulat in München. Die Art und Weise, wie freundlich und offen der BdV im Balkanland überall empfangen wurde, war mehr als bemerkenswert. Die Welt ist nicht schwarz oder weiß, genau wie Serbien. Daher würde es sich lohnen, vorurteilsfrei und gepaart mit etwas Geschichtskenntnissen, Serbien stärker zu begegnen. Die Bürgerinnen und Bürger der Europäischen Gemeinschaft sollten der serbischen Bevölkerung stärker das Gefühl geben, dass sie in Europa anerkannt, geachtet und vor allem willkommen sind. Nur so wird sich der Handlungsspielraum für die serbische Politik in eine, aus BdV-Sicht positive Entwicklung vergrößern. Von daher war unsere Begegnungsreise wertvoll und erkenntnisreich.


Verständigungspolitische Reise nach Rumänien 2019

Die durch das Bundesinnenministerium geförderte verständigungspolitische Reise des BdV Bayern nach Rumänien (25.7-1.8.2019) hatte zum Ziel die die Beziehungsgeschichte von Deutschen und Rumänen in Siebenbürgen und im Banat zu erkunden und für ein vorurteilsfreies Miteinander der Menschen in Europa in Gegenwart und Zukunft zu sensibiliseren. Durch eine abwechslungsreiche Mischung aus Vorträgen, Diskussionen, Gesprächen und Begegnungen mit politischen Vertretern und Kulturschaffenden der deutschen Minderheitengruppe, mit Vertretern aus Kultur, Politik, Wissenschaft und Gesellschaft Rumäniens und der interessierten Öffentlichkeit konnte die Gruppe einen Einblick in die gegenwärtige Situation des deutsch-rumänischen Zusammenlebens bekommen und den grenzüberschreitenden und interkulturellen Dialog fördern. Die Reise folgte der Leitidee eines friedlichen und vorurteilsfreien Miteinanders der Völker im geeinten Europa.

Den Auftakt der Reise machte eine Zusammenkunft mit der rumänischen Unterstaatssekretärin für interethnische Beziehungen Christiane Cosmatu. Das Treffen stand unter dem Leitwort „Heimat und Multikulturalität in Rumänien“. Cosmatu hatte zu einer Diskussionsrunde in ihre Amtsräume eingeladen. Bei dem Gespräch erläuterte Cosmatu den Teilnehmern die Minderheitenpolitik Rumäniens und die Arbeit ihres Hauses. Bei der regen Diskussion mit den Teilnehmern wurden insbesondere Fragen des interethnischen Zusammenlebens in Rumänien besprochen.

Die Gruppe wurde direkt im Anschluss von Vizebotschafter Kai Werner Hennig und Mitarbeitern der Botschaft in den Räumen der deutschen Botschaft in Bukarest zu einem Gespräch empfangen. Im Vordergrund der Gesprächsrunde standen die aktuellen politischen Entwicklungen in Rumänien und die Entwicklungslinien der deutsch-rumänischen Beziehungen in der jüngeren Vergangenheit und der Gegenwart. In der anschließenden Diskussion erörterte Hennig die Fragen der Teilnehmer, insbesondere Fragen des Minderheitenschutzes.

Am Abend des ersten Veranstaltungstages wurde die Gruppe von der deutsch-lutherischen Gemeinde Bukarest zu einem Gespräch in die lutherische Kirche und die Bukarester Gemeinderäume eingeladen. Bei dem Dialog mit Bischoffsassistent Vlad Nastase und dem Presbyterium wurde insbesondere die Rolle der Kirchen für die nationalen Minderheitengruppierungen diskutiert. Gerade für die Minderheitenbevölkerung waren die Kirchengemeinden in Siebenbürgen und dem Banat zu Zeiten der kommunistischen Diktatur ein wichtiger Rückzugsort, an dem diese nicht nur die religiöse sondern auch kulturelle Identität pflegen konnten.

Am zweiten Veranstaltungstag stand ein Besuch des Parlamentspalastes an. Da ein Treffen mit Staatspräsident Klaus Johannis aufgrund terminlicher Überschneidungen leider nicht stattfinden konnte, besuchte die Gruppe das Parlament im Rahmen einer Führung. Im Anschluss an den Parlamentsbesuch machte sich die Gruppe via Sinaia auf den Weg nach  Rosenau/Rasnov. Dort kam es zu einer Zusammenkunft mit Klaus-Harald Sifft, Geschäftsführer der Saxonia Stiftung, in den Räumen der Siftung. Sifft erläuterte den Teilnehmern die Arbeit der Stiftung, die rumänischen Bürger durch die Gewährung von sozialen Hilfsleistungen und Kleinbetriebe durch Wirtschaftshilfe und Kleinkredite unterstützt. In Einzelprojekten werden unter anderem auch Lehrkräfte im deutschsprachigen Schulwesen Rumäniens gefördert. Die Stiftung wird durch die Bundesrepublik Deutschland, die Verbände der Siebenbürger Sachsen in Deutschland, Österreich und Übersee und private Spender finanziert.

Am kommenden Tag stand die Teilnahme der Gruppe an der Haferland Kulturwoche in Deutsch-Kreuz/Viscri auf dem Programm. Die Haferland Kulturwoche ist eine der größten kulturellen Veranstaltungen in Siebenbürgen und ist der Förderung siebenbürgischer Kultur gewidmet ist. Die Kulturwoche wurde von Michael Schmidt und Peter Maffay initiiert und findet seit nunmehr sieben Jahren jährlich in der Haferlandregion statt. Im Rahmen der Kulturwoche hatte die Gruppe die Möglichkeit an der Eröffnungsveranstaltung teilzunehmen. Neben dem Bundesbeauftragten für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, Dr. Bernd Fabritius, sprachen bei der offiziellen Eröffnung auch Peter Maffay und Michael Schmidt, der deutsche Konsul Hans Erich Tischler, der rumänische Botschafter in Deutschland Emil Hureceanu sowie weitere Vertreter aus Politik und Gesellschaft Rumäniens. Auch mit der bayerischen Landesbeauftragten für Aussiedler und Vertriebene Sylvia Stierstorfer konnten sich die Teilnehmer im Rahmen der Kulturwoche austauschen. Im Anschluss an die Eröffnung hatten die Teilnehmer die Möglichkeit sich mit den Initiatoren und Unterstützern der Veranstaltung persönlich auszutauschen und die Ausstellung „Deutsche Minderheit. 100 Schicksale in 100 Jahren modernem Rumänien“ zu besuchen.

Am Abend des dritten Veranstaltungstages kehrte die Gruppe zurück nach Brasov/Kronstadt, wo diese mit Stadtpfarrer Christian Plajer und Frank-Thomas Ziegler, der die Öffentlichkeitsarbeit der Gemeinde betreut, zu einer Diskussionsrunde zusammenkam. Statdpfarrer Plajer erläuterte den Teilnehmern die Situation der Kirchengemeinden in Rumänien und deren Rolle für die Minderheitengruppen in Vergangenheit und Gegenwart. Gerade zu Zeiten der sozialistischen Diktatur waren die Kirchen für die Angehörigen der Minderheitengruppen „Schutzraum“ in dem die Betroffenen ihre Sprache und Kultur ausleben konnten.

Am kommenden Tag standen Besuche der Kirchenburgen Tartlau und Birthälm sowie das Josef-Haltrich-Lyzeums (ehemalige Bergschule) in Schäßburg/ Sighișoara und eine Zusammenkunft mit Rolf Binder an. Bei einer Gesprächsrunde mit Martin Bottesch, Siebenbürger Forum, Dr. Paul Jürgen Porr, Vorsitzender des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien und Konsul Hans Erich Tischler konnte die Gruppe am vierten Veranstaltungstag mehr über die Arbeit des deutschen Forums und der deutschen diplomatischen Vertretungen in Rumänien erfahren. Bei der Gesprächsrunde wurden auch die deutsch-rumänischen Wirtschaftsbeziehungen sowie die kulturelle Arbeit des Goethe-Instituts und anderer deutscher Kultureinrichtungen in Rumänien thematisiert.

Im Anschluss konnte die Gruppe mit Vizebürgermeisterin Corina Bokor im Hermannstädter Rathaus über die Entwicklung Hermannstadts in den vergangenen Jahrzehnten sprechen. Bokor betonte, dass es für die Entwicklung Hermannstadts ein großes Problem darstelle, dass gerade junge und ausgebildete Menschen seit dem EU-Beitritt Rumäniens den Weg in den Westen suchten. In Hermannstadt, das 2007 europäische Kulturhauptstadt wurde und seither ein sehr positive Entwicklung gemacht habe, herrsche kaum Arbeitslosigkeit, da viele Stellen aus Mangel an Arbeitskräften schlichtweg nicht mit entsprechenden Fachkräften besetzt werden könnten. Beim anschließenden Gespräch mit Friedrich Gunesch im Landeskonsistorium stand das Verhältnis von Kirche, Staat und Minderheit in Rumänien im Mittelpunkt der Diskussion.

Am Nachmittag besuchte die Gruppe das Hermannstädter Samuel-von-Brukenthal-Gymnasium und kam mit Direktorin Monica Hay zu einem Informationsgespräch zusammen. Hay betonte, dass es immer schwieriger werde deutschsprachige Lehrkräfte für die Arbeit an ihrer Schule zu gewinnen. Die Unterstützung aus der Bundesrepublik sei aber vorbildlich. Auch bei dem Treffen mit Heimleiterin Ortrun Rhein im Carl-Wolff-Haus in Hermannstadt, das auch durch die Bundesrepublik gefördert wird, wurde der Fachkräftemangel thematisiert. Rhein betonte, dass gerade im Pflegebereich viele Fachkräfte vom Westen abgeworben würden.

Am kommenden Tag reiste dir Gruppe weiter nach Temeswar/Timisoara. Hier kam es zu einer Zusammenkunft mit Ovidiu Ganţ, Vertreter des Demokratischen Forums der Deutschen im rumänischen Parlament, dem Temeswarer Vizekonsul Frank Ufken und weiteren Vertretern des Forums. Gant berichtete aus seiner Tätigkeit als Parlamentarier und schilderte seine Sicht der Dinge auf die minderheitenpolitischen Debatten. Thematisiert wurde unter anderm die Entschädigungsleistungen für ehemalige politische Gefangene, die Rumänien im Sommer 2019 erhöht hatte.

Am letzten Veranstaltungstag kam es dann zu einer internationalen grenzüberschreitenden Zusammenkunft mit Vertretern der ungarischen Kommune Elek, der rumänischen Gemeinde San Martin und Vertretern der deutschen Minderheiten in dem nahe der ungarischen Grenze gelegenen Ort San Martin. Auch die lokale Bevölkerung und örtliche Kulturgruppen hatten an an der Veranstaltung teilgenommen. Bernhard Fackelmann, der bereits mehrere Ortchroniken zu San Martins verfasst hat, führte die rund 60 Teilnehmer der Delegation durch die Gemeinde. Unter anderem wurden bei dem Rundgang der Friedhof, die Kirche und verschiedene historische Stätten und Gedenkorte besucht. Das gemeinsame Abendessen wurde von engagierten Mitgliedern der Heimatortgemeinschaft San Martin organisiert.

Die Reise wurde als verständigungspolitische Maßnahme über das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat gefördert. Wir danken für die Unterstützung.

 


Delegationsreise nach Schlesien 2018

Bereits zum zweiten Mal veranstaltete der BdV Bayern eine Reise in das europäische Ausland, um sich über die Situation der deutschen Minderheiten vor Ort zu informieren. Im vergangenen Jahr besuchte die Delegation die Minderheit in Ungarn, in diesem Jahr ging es zu Gesprächen mit Vertretern der Minderheit nach Schlesien. An der sechstägigen Reise nahmen neben Mitgliedern des Vorstandes des BdV Bayern auch Vorstands- und Präsidiumsmitglieder der Landsmannschaften Schlesien und Oberschlesien sowie weitere Vertreter der Verbände  – unter ihnen auch Herta Daniel, Weltvorsitzende der Siebenbürger Sachsen – teil. Das Programm wurde von der BdV-Geschäftsstelle unter maßgeblicher Mitwirkung von Christian Kuznik, Vorsitzender der Landsmannschaft Schlesien in Bayern sowie BdV-Schatzmeister Paul Hansel und Dr. Gotthard Schneider, Präsident der schlesischen Landesvertretung, zusammengestellt.

Das erste Ziel der Reise war die Stadt Neisse/Nysa, wo die Gruppe mit herzlichen Grüßen des Bürgermeisters Kordian Kolbiarz und der Stadtverwaltung um Alicja Papis empfangen wurde. Am nächsten Morgen besuchte die Gruppe dann das Eichendorff Kultur- und Begegnungszentrum in Lubowitz. Geschäftsführer Paul Ryborz, der die Begegnungsstätte und das angeschlossene Museum über das Leben und Wirken des schlesischen Dichters Eichendorff seit einigen Jahren leitet, führte die Gruppe durch das Museum und über das Gelände. Neben dem Eichendorff-Museum existiert in dem Ort auch ein Begegnungszentrum mit bis zu 50 Betten, in dem regelmäßig Lehrerfortbildungen und Jugendbegegnungen zu den Themen der deutschen Minderheit stattfinden. Die Ruine des ehemaligen Schlosses Lubowitz ist mittlerweile weitgehend abgesichert und begehbar. Beim anschließenden Mittagessen berichtete Marcin Lippa, Vorsitzender des Verbands der deutschen sozial-kulturellen Gesellschaften in der Woiwodschaft Schlesien (VdG), über die Situation der deutschen Minderheitengruppe vor Ort. Insgesamt sei die Lage als stabil zu werten, so Lippa. Zahlreiche Projekte der vergangenen Jahre zeigten, dass das Interesse an der deutschen Minderheit vielerorts sogar steige.

Nächster Programmpunkt war ein Treffen mit Vertretern der Miro-Fußballschule, die vom VdG koordiniert wird. Die Gruppe besuchte hierzu das Gelände des Fußballvereins des Ortes Chronstau, wo am selben Tag das Turnier um den „Pokal des Vorsitzenden“ ausgetragen wurde. Rund 300 Kinder und Jugendliche im Alter von 4 bis 14 Jahren hatten an dem Turnier teilgenommen. Bei einem gemütlichen Zusammensein berichteten Programmkoordinator Harald Bartela und Dominik Duda, Kulturmanager des Instituts für Auslandsbeziehungen, über die Miro-Fußballschule und deren Aktivitäten. Namenspatron der Fußballschulen ist Weltmeister Miroslav Klose, der selbst aus dem Oppelner Schlesien stammt. In insgesamt 13 lokalen Gliederungen werden Kinder und Jugendliche in den Miro-Fußballschulen sowohl in deutscher als auch in polnischer Sprache trainiert. Spielerisch sollen sie an die deutsche Sprache herangeführt werden. Sehr zu begrüßen ist, dass das Angebot von polnischen und deutschen Familien gleichermaßen angenommen wird. Die Fußballschulen seien so auch ein Ort der Verständigung und des Austausches.

Noch am selben Abend stand eine Begegnung mit Vertretern des Deutschen Freundschaftskreises in Körnitz/Kornica an. Der Freundschaftkreis um Paul und Teresa Rybczyk hat die Gruppe in seinen Räumlichkeiten in Körnitz herzlichst empfangen. Die Delegation hatte bei dem Treffen die Möglichkeit, sich mit Zeitzeugen auszutauschen und mehr über die Situation der Deutschen in Polen zu erfahren. Anschließend lud der Freundschaftskreis zu einem Abendessen. Der Chor des DFK „Körnitzer Stimme“, der speziell aus diesem Anlass zusammengekommen war, präsentierte schlesisches Liedgut in deutscher und polnischer Sprache. Der DFK Körnitz, der derzeit rund 180 Mitglieder hat, pflegt im Rahmen eines Schüleraustauschprogramms schon seit langem enge Kontakte in das bayerisch-schwäbische Hollenbach bei Aichach.

Ein Höhepunkt der Reise war die Teilnahme der Gruppe an der traditionellen Minderheitenwallfahrt am St. Annaberg/ Góra Świętej Anny. Zu dem Wallfahrtsgottesdienst an der Lourdes-Grotte, der in deutscher und polnischer Sprache abgehalten wird, waren in diesem Jahr erneut mehrere tausend Pilger an den Annaberg gekommen. Ludwig Schick, Erzbischof von Bamberg und Metropolit der Kirchenprovinz Bamberg, hielt in diesem Jahr das geistliche Leitwort. In seiner Ansprache betonte Schick, der auch Vorsitzender der deutsch-polnischen Kontaktgruppe der Deutschen Bischofskonferenz ist, dass gerade die Minderheiten zeigten wie Vielfalt in Einheit gelebt werden könne. Große Gefahr für ein Europa in Vielfalt gehe von den populistischen Strömungen aus, die in vielen Ländern Europas auf dem Vormarsch seien. Die Vielfalt Europas zu wahren und zu schützen sei ein zutiefst christlicher Auftrag. Gerade in einer globalisierten Welt gelte es mehr denn je die Verschiedenheit der Kulturen zu akzeptieren und die jeweils eigene Herkunft und Identität nicht zu vergessen. Grußworte zum Festgottesdienst sprachen zudem Bernard Gaida, Vorsitzender des VdG und der deutsche Botschafter in Warschau, Rolf Wilhelm Nikel. Auch Gaida betonte, dass es gelte, populistischen Parolen nicht zu folgen. „Wegschauen“ sei keine Alternative. Botschafter Nikel, der die Wallfahrt am Annaberg bereits zum dritten Mal besuchte, übermittelte den Pilgern die guten Wünsche des Bundespräsidenten. Die Minderheitenwallfahrt sei ein herausragendes Beispiel dafür, wie Friede und Versöhnung in Europa gelebt werden könnten. Weiterhin gelte es, das gute nachbarschaftliche Verhältnis zwischen Deutschen und Polen zu fördern. Auch für Europa gelte die Botschaft des Bischofs: Einheit in Vielfalt. Das gemeinsame Haus Europa müsse sich eben diesem Grundsatz verpflichten.

Im Anschluss an den Wallfahrtsgottesdienst kehrte die Gruppe im Pilgerheim am Annaberg ein.  Hier konnte die Delegation den Wettbewerb der Kinder und Jugendgruppen der deutschen Minderheit verfolgen, an dem zahlreiche kulturelle Tanz- und Musikgruppen aus dem Umfeld des VdG auftraten. Am Rande des Besuchs am Annaberg kam es darüber hinaus zu einem Zusammentreffen mit Erzbischof Schick, der sich interessiert über die Delgationsfahrt des BdV informierte.

Nach der Wallfahrt besuchte die Delegation aus Bayern die Gemeinde Krappitz/ Krapkowice südlich von Oppeln. Vertreter des lokalen Freundschaftskreises begrüßten die Gruppe und führten durch die Krappitzer Altstadt. Auf dem Turm des Krappitzer oberen Tors berichtete Bernard Friedla, zweiter Bürgermeister der Stadt Krappitz, über Geschichte und Gegenwart seiner Gemeinde. Beim der anschließenden Zusammenkunft hatten die Teilnehmer der Reise die Möglichkeit, sich mit den Vertretern des Freundschaftskreises auszutauschen.

Nach dem Abendessen im Sebastianeum in Groß Stein/ Kamień Śląski kam es im Sitzungssaal des Sebastianeums zu einer Begegnung mit Alfons Nossol, dem ehemaligen Bischof von Oppeln. Nossol gilt als einer der bedeutendsten „Brückenbauer“ und Vermittler zwischen Polen und Deutschen. Landesvorsitzender Christian Knauer würdigte den Bischof einleitend dafür, der deutschen Minderheit in Polen wieder eine Sprache gegeben zu haben. Gerade in der Zeit des Systemwechsels habe Nossol wesentlich zur Verständigung zwischen Deutschland und Polen beigetragen. Nossol berichtete im Anschluss in einem überaus prägnanten und weitsichtigen Vortrag über die Entwicklungen des Verständigungsprozesses zur Wendezeit und über die Möglichkeiten und Chancen der Verständigungsarbeit. Von großer Bedeutung für die Versöhnung zwischen Polen und Deutschen sei der Friedensgruß des damaligen Bundeskanzlers Helmut Kohl und des polnischen Ministerpräsident Tadeusz Mazowiecki bei der Versöhnungsmesse 1989 in Kreisau gewesen. Bei der Messe war die deutsche Minderheit zum ersten Mal seit 1945 wieder offiziell als solche aufgetreten. Auch die Friedensbotschaft „Achten der Minderheiten – der Weg zum Frieden“, die Johannes Paul II.  zum  Weltfriedenstag 1989 verkündet hatte, habe einen wesentlichen Beitrag zur Aussöhnung geleistet. Nossol betonte, dass der Weg der Verständigung und des „Brückenbauens“ auch künftig weiter beschritten werden müsse. Der Schlüssel hierzu sei das vereinte Europa. Als eine Gemeinschaft des Geistes und der Kultur müsse sich Europa jeder Form nationalistischer Vereinnahmung und Einengung entschieden widersetzen. Gerade die Heimatvertriebenen könnten sich durch das Vergeben und Brückenbauen auch weiterhin für die Einheit Europas in Vielfalt einsetzen.

Bernard Gaida, Vorsitzender des VdG, und Rafal Bartek, Vorsitzender  des VdG im Oppelner Schlesien,  empfingen den BdV am kommenden Morgen in den Räumen der Geschäftsstelle in der Oppelner Altstadt. Geschäftsführerin Maria Neumann begrüßte die Delegation und berichtete über die Tätigkeit und die Strukturen des VdG, der 1991 gegründet wurde. Bei dem anschließenden Meinungsaustausch betonte Bartek, dass es eine der größten Herausforderung des Verbandes sei, den Stellenwert der deutschen Sprache im Bildungs- und Schulwesen zu stärken. Es fehle insbesondere an fachkundigen Lehrkräften, die sowohl Polnisch als auch Deutsch unterrichten könnten. Im polnischen Schulsystem gebe es zudem vielerlei Hindernisse bei der Durchsetzung zweisprachigen Unterrichts. Bartek betonte darüber hinaus, dass es von Bedeutung sei, europaweit Minderheitenstandards einzuführen. Der Erfolg des MinoritySafePacks, das vom VdG intensiv unterstützt wurde, sei ein erster Lichtblick zu einer einheitlichen Umsetzung von Minderheitenstandards in Europa, so Bernard Gaida. Im Weiteren betonte Gaida, dass der VdG als Vertreter der deutschen Minderheit in Polen heute einen guten Draht in die bundesdeutsche Politik habe. Der Verband sei heute auf höchster politischer Ebene anerkannt und werde insbesondere auch vom Aussiedlerbeauftragten der Bundesregierung unterstützt. Mit den Landsmannschaften könne in verschiedenen Bereichen zusammengearbeitet werden, etwa im Bereich der Kulturpflege. Es sei anzustreben, Kooperationen dieser Art zu intensivieren. Als „Fürsprecher“ der Minderheiten werden der BdV und die Landsmannschaften den Minderheiten auch weiterhin politische Rückendeckung geben, so Christian Knauer bei dem Meinungstausch.

Beim anschließenden Besuch der Joseph-von-Eichendorff-Caritas-Zentralbibliothek, die 1989 von Erzbischof Alfons Nossol ins Leben gerufen wurde, konnte sich die Delegation über den Bestand und die Aufgaben der deutsch-polnischen Einrichtung informieren. Die Gruppe wurde bei ihrem Besuch von Karol Graca, Referent für Archivarbeit, und Diakon Marek Dziony, Referent für deutschsprachige religiöse Literatur und Minderheitenseelsorger der Diözese Oppeln, empfangen und geführt. Die jungen Bibliothekare berichteten auch über die Projektarbeit der Eichendorff-Bibliothek, etwa über die sogenannten Büchereibusse, die deutschsprachige Literatur direkt in die Gemeinden des Oppelner Umlandes bringen.

Beim anschließenden Besuch des Hauses der Deutsch Polnischen Zusammenarbeit in Oppeln, das von verschiedenen deutschen und polnischen Stiftungen getragen wird, konnte die Gruppe von Geschäftsführer Lucjan Dzumla mehr über die Aktivitäten des Hauses erfahren. Neben Veranstaltungen, Workshops und Lesungen veranstaltet das HDPZ unter anderem auch eine Akademie für die Selbstverwaltungsvertreter der deutschen Minderheit, um diese miteinander in Kontakt zu bringen und zu vernetzen.

Herzlich empfangen wurde die Gruppe beim Verein Pro Liberis Silesiae in Oppeln-Malino. Dr. Margarethe Wysdak, Vorsitzende des Vereins, und Vorstandsmitglied Barbara Loch führten die Gruppe durch das Schulgebäude und stellten die Tätigkeiten der bilingualen Bildungseinrichtung vor, die 2008 ins Leben gerufen wurde. Derzeit werden von dem Schulverein nach den Grundsätzen der Montessoripädagogik drei Schulen bzw. Kindergärten in Raschau, Goslawitz und Oppeln-Malino betrieben. Die Kinder werden sowohl in deutscher als auch polnischer Sprache betreut. Durch zahlreiche Projekte wie etwa die sogenannte „Kinderspielstadt“ werden die Kinder spielerisch an die deutsche Sprache herangeführt. Für die Zukunft und Weiterentwicklung des Vereins sei es von großer Bedeutung weitere qualifizierte Fach- und Lehrkräfte zu finden, die sowohl der deutschen als auch der polnischen Sprache mächtig sind. Zudem stellt die in Polen unlängst verabschiedete Bildungsreform den Verein vor das Problem für die nun zusätzlich zu betreuenden Schulklassen angemessene Räumlichkeiten zu Verfügung zu stellen.

Der letzte offizielle Programmpunkt der Reise war der Besuch des ehemaligen Kriegsgefangenen- und Internierungslagers Lamsdorf/Łambinowice.  Bereits im deutsch-französischen Krieg wurden hier Kriegsgefangene interniert. Im Laufe des Zweiten Weltkriegs wurden in Lamsdorf von der Wehrmacht bis zu 400.000 Kriegsgefangene und sowjetische Soldaten festgehalten, von denen bis zu 40.000 an Hunger, Krankheit und den Folgen des Arbeitseinsatzes starben. In den Folgejahren des Krieges wurden unter polnischer Verwaltung dann mehrer tausend deutsche Zivilisten interniert. Erwiesenermaßen fielen über eintausend Menschen der Willkür der Lagerleitung zum Opfer. Heute ist auf dem Gelände eine Dokumentationsstätte eingerichtet, die das Schicksal der Kriegsgefangenen und der zivilen deutschen Opfer im Arbeitslager Łambinowice nach 1945 darstellt. Seit 1995 existiert auf dem Gelände des ehemaligen Arbeitslagers eine Gedenkstätte. In Gedenken an die Opfer des Nachkriegslagers wurde 2002 von Erzbischof Alfons Nossol in unmittelbarer Nähe zur Gedenkstätte ein Friedhof eingeweiht. Die Namen der Opfer erinnern und mahnen zugleich an künftige Generationen.

Den krönenden Abschluss der Reise bildete der Besuch Breslaus. Die Delegation konnte hier die zentralen Sehenswürdigkeiten der Stadt wie die Dominsel, den Großen Ring oder das alte Rathaus besichtigen. Schon bei dem Kurzbesuch zeigte sich, dass gerade die Stadt Breslau heute offen mit ihrer wechselvollen Geschichte umgeht. Die deutsche Vergangenheit wird nicht negiert, wie dies noch im sozialistischen Polen der Fall war, sondern in vielerlei Weise aufgearbeitet und erinnert. Nicht zuletzt machten die zahlreichen Begegnungen und Gespräche, die die Delegation des BdV im Laufe der Reise hatte, deutlich, dass das Erinnern und die Versöhnung für die Zukunft eines Europas in Frieden unabdingbar sind und dass für die deutsche Minderheit Schlesien als Heimat ermöglicht wird, vor allem indem sie ihre Sprache, Kultur und Geschichte frei und ungehindert leben kann.


Berlinfahrt 2017

Auch 2017 ist wieder eine Delegation des BdV-Bayern zum Tag der Heimat nach Berlin gereist. Auf Einladung von BdV-Präsident Dr. Bernd Fabritius besuchte die Gruppe den Bundestag und das Paul-Löbe-Haus. Natürlich stand auch der Besuch der Auftaktveranstaltung zum Tag der Heimat in der Berliner Urania auf dem Programm der viertägigen Reise nach Berlin.


„Ungarn und die deutsche Minderheit“ – Studienfahrt des BdV-Landesverbandes nach Ungarn

Anlässlich des 25-jährigen Bestehens des deutsch-ungarischen Freundschaftsvertrages veranstaltete der Landesverband Bayern des Bundes der Vertriebenen, die Dachorganisation der Landsmannschaften in Bayern, in diesem Jahr erstmalig eine Reise in das europäische Ausland, um sich über die Situation der deutschen Minderheitengruppen zu informieren. Auf Anregung von Georg Hodolitsch, Vizevorsitzender der Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn, wählte die Delegation Ungarn zum Ziel ihrer fünftägigen Informationsreise. Die Gruppe um den BdV-Landesvorsitzenden Christian Knauer erwartete in Ungarn ein spannendes und abwechslungsreiches Programm. Gleich zum Auftakt kamen die Teilnehmer im Ungarischen Parlament mit Emmerich Ritter, Parlamentssprecher der Ungarndeutschen, zusammen. Aus erster Hand bekamen die Delegierten, unter ihnen die Vorsitzenden der Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn sowie der Donauschwaben und der Siebenbürger Sachsen, Informationen über die gegenwärtige Situation der Deutschen in Ungarn.

Im Anschluss besuchte die Delegation die Budapester Andrássy Universität, wo Prof. Dieter A. Binder, Dr. Orsolya Lénart und Prof. Georg Kastner über die wissenschaftliche Beschäftigung mit der deutschen Geschichte in Ungarn berichteten und bestehende Problemfelder der Kultur- und Brauchtumspflege ansprachen. Noch am selben Tag traf die Gruppe im Haus der Ungarndeutschen mit Otto Heinek, Vorsitzender der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen, mit Monika Ambach, Direktorin des Ungarndeutschen Kultur- und Informationszentrums, und mit Johann Schuth, Chefredakteur der „Neue Zeitung“, zusammen. Im kleinen Kreis wurden hier offen die Fortschritte ungarndeutscher Kulturpflege in den vergangenen Jahren und die aktuellen Probleme der kulturellen Autonomie diskutiert. Im weiteren Verlauf der Reise besuchte die Delegation das Ungarndeutsche Bildungszentrum in Baja, wo der Vertreter der örtlichen deutschen Selbstverwaltung und Fachschaftsleiter für Deutsch und Volkskunde im UBZ, Alfred Manz, die Delegation in einem sehr prägnanten Vortrag über die kulturellen Aktivitäten der lokalen Selbstverwaltung und die ungarndeutsche Bildungslandschaft informierte. Beim anschließenden Empfang konnten sich die Teilnehmer mit Gabriella Scherer, Hauptdirektorin des UBZ, und Joseph Emmert, Leiter der Kulturabteilung, austauschen.

Noch am selben Abend besuchte die Delegation das Lenau Haus in Pécs/Fünfkirchen. Hier nahm die Gruppe an der feierlichen Verleihung des Lenau-Preises teil, der in diesem Jahr an die Mundartforscherin Dr. Katharina Wild ging. Im Anschluss konnten die Delegierten im Gespräch mit der Hauptdirektorin des Valeria-Koch-Schulzentrums, Ibolya Englender-Hock, und Zoltán Schmidt von der ungarndeutschen Regionalleitung der Branau Wissenwertes über die Aktivitäten des Lenau Hauses erfahren. In einem sehr offenen Gespräch erörterten die Referenten den Teilnehmern die aktuellen Probleme in den Bereichen Sprachentwicklung und Bildung. Am Samstag morgen führte der ehemalige Pécser Regionalbischof Michael Mayer die Gruppe aus Bayern durch die Kathedrale St. Peter und Paul.

Auch mit lokalen Gruppen hatte sich die Delegation auf ihrer Informationsreise zur deutschen Minderheit getroffen. Gleich am Abend des ersten Veranstaltungstages besuchte die man die ungarndeutsche Selbstverwaltung in Soroksár und das dortige Bauernhausmuseum („Sváb Tájház“). Am örtlichen Denkmal zur Erinnerung an die Vertreibung der Deutschen legten der BdV-Landesvorsitzende Christian Knauer und Hans Schmuck, Vorsitzender der Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn in Bayern, im Rahmen einer Gedenkminute jeweils ein Gesteck nieder. Den krönenden Abschluss der Reise bildete das Zusammentreffen mit der lokalen ungarndeutschen Tanzgruppe um Leiter Franz Várga und Vizebürgermeister Attilla Stettner, die zusammen mit der deutschen Selbstverwaltung Pusztavám um Tíbor Gerlinger eine Festveranstaltung mit lokalen Tanz-, Musik- und Mundartgruppen für die Besucher aus Bayern organisiert hatten. Mit der Gemeinde Pusztavám, die Partnergemeinde des oberbayerischen Ortes Geretsried ist, bestehen schon seit mehr als 25 Jahren enge Kontakte nach Bayern. Die Reise, die unter der Leitung von Georg Hodolitsch, Vorstandsmitglied der Lands-mannschaft der Deutschen aus Ungarn, und BdV-Geschäftsführer Sebastian Sparwasser stand, diente so nicht nur als Informationsreise sondern insbesondere auch dazu, die freundschaftlichen Beziehungen zwischen Ungarn und Deutschland zu pflegen und weiter auszubauen.


Berlinfahrt 2016

Auch in diesem Jahr ist wieder eine Delegation von Mitgliedern der BdV-Gebietsverbände zum nationalen Tag der Heimat nach Berlin gereist. Während der viertägigen Studienfahrt Anfang September, besuchte die Gruppe auf Einladung von BdV-Präsident Dr. Bernd Fabritius auch den Bundestag. Die 35 Teilnehmer konnten hier in einem unterhaltsamen Vortrag Wissenswertes über die Aufgaben und Funktionen des Parlaments sowie über die Geschichte des Reichstagsgebäudes erfahren. Nach dem Besuch der Reichstagskuppel wurde die Gruppe im Paul-Löbe-Haus von BdV- Landesvorsitzenden Christian Knauer und Dr. Bernd Fabritius empfangen. Letzterer berichtete der Gruppe aus dem parlamentarischen Alltag und den politischen Prozessen in Berlin. Anschließend stand die Ausstellung „GrenzErfahrungen. Alltag der deutschen Teilung“ am Bahnhof Friedrichstraße auf dem Programm. Die von der Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland konzipierte Ausstellung eröffnete den Teilnehmern vielerlei Erinnerungen und auch neue Einblicke in die Geschichte der deutsch-deutschen Teilung. Nach Einbruch der Dunkelheit staunte man am Spreeufer über die eindrucksvolle Licht-Videoinstallationsshow „Dem deutschen Volke — Eine parlamentarische Spurensuche. Vom Reichstag zum Bundestag“ zur Geschichte des Parlaments und des Reichstagsgebäudes.

Höhepunkt der Reise war zweifelsohne der Tag der Heimat in der Urania, der dieses Jahr unter dem Motto „Identität schützen – Menschenrechte achten“ stand. Neben Bundespräsident Joachim Gauck und BdV-Präsident Dr. Bernd Fabritius sprach auch der Beauftragte der deutschen Bischofskonferenz für die Vertriebenen- und Aussiedlerseelsorge Weihbischof Reinhard Hauke. Gauck und Fabritius betonten in ihren Ansprachen, dass das Schicksal der Vertreibung der Deutschen aus dem mittleren und östlichen Europa ein wichtiger Teil deutscher Erinnerungskultur sei. Gleichzeitig würdigten beide Redner den Beitrag der deutschen Heimatvertriebenen zur Verständigung in Europa. Mit Blick auf die gegenwärtige Flüchtlingssituation betonte Gauck, dass die Integration der Ankömmlinge ein langandauernder und herausfordernder Prozess sein werde. Gerade aber die heimatvertriebenen Deutschen empfänden Empathie mit den Flüchtlingen von heute. Im Anschluss an die Veranstaltung, die von den Potsdamer Turmbläsern musikalisch umrahmt wurde, kam es zu einem informellen Austausch zwischen den Teilnehmern der Reise sowie den anwesenden politischen und landsmannschaftlichen Delegierten. Die Kranzniederlegung am Vertriebenendenkmal am Theodor-Heuss-Platz, bildete schließlich den Abschluss des Veranstaltungstages. Neben den Vertretern des BdV und der Landsmannschaften nahmen auch Frank Henkel, stellvertretender Bürgermeister Berlins sowie die Bayerische Sozialministerin, Emilia Müller, an dem Erinnerungsakt teil.