
Im großen Rahmen feierte am Sonntag die Sudetendeutsche Landsmannschaft Aichach ihr 75-jähriges Gründungsjubiläum. Bereits im Vorfeld hatten sich die Vorstandsmitglieder alle Mühe gegeben, den großen Saal im Pfarrzentrum St. Michael festlich zu schmücken. Ein großes Kuchenbuffet, bereit gestellte Getränke sowie die hervorragenden Darbietungen des Aichacher Liederchores, bildeten den passenden Rahmen, um das Kommen der Gäste zu belohnen. Und die kamen in einer Anzahl, die selbst die kühnsten Erwartungen von SL-Ortsobfrau Heidi Hötschel übertrafen. So mussten kurzerhand noch zusätzlich Tische aufgestellt werden, um die rund 160 Besucher unterzubringen.
Staunen löste beim schwäbischen Bezirksvorsitzenden der Landsmannschaft, Eduard Schiefer aus Mindelheim, die überaus große Präsenz aus dem politischen Bereich aus. So hatten sich unter anderen Bundestagsabgeordneter Hansjörg Durz, Landtagsabgeordneter Andreas Jäckel (beide CSU), Landratsstellvertreter Helmut Lenz, Altlandrat Dr. h.c. Christian Knauer, Bürgermeister Klaus Habermann, der langjährige Bezirksrat Rupert Reitberger und die Altbürgermeister Hans-Dieter Kandler, Mering, und Josef Lentscher, Aindling, und viele Kreis- und Stadträte unter die Gäste gemischt. Zudem waren auch Stadtpfarrer Herbert Gugler, sein evangelischer Kollege Harald Baude, viele Delegationen aus den SL-Gruppen im südlichen Kreisgebiet und der Aichacher Vereine der Einladung gefolgt.
Mit einem Totengedenken, einem Film, mit dem die Geschehnisse von Flucht und Vertreibung, die Eingliederung der rund 15 Millionen Heimatvertriebenen in der Nachkriegszeit und die heutige Arbeit der Landsmannschaften in Erinnerung gerufen wurden, Grußworten, einem Power-Point-Vortrag über die Vereinsgeschichte und Ehrungen, hatte die Landsmannschaft ein abwechslungsreiches zweieinhalbstündiges Festprogramm zusammengestellt. Einen Höhepunkt bildete dabei die Festrede des BdV-Präsidenten, Dr. Bernd Fabritius, der sich zuvor bei einem Rundgang die Sudetendeutsche Heimatstube, das Anton-Günther-Denkmal im Stadtpark und das Gedenkkreuz am Alten Friedhof zeigen ließ.
In kurzen, aber prägnanten Grußworten hatten Bürgermeister Klaus Habermann und Bundestagsabgeordneter Hansjörg Durz die Arbeit der Landsmannschaft gewürdigt. Habermann, dessen Familie selbst aus dem Sudetenland stammt, hob die Bedeutung seiner Volksgruppe für die Nachkriegsentwicklung Aichachs hervor. Durch deren Wissen und Können seien viele Betriebe neu entstanden und kulturelle Akzente gesetzt worden. Durz versprach, sich im Bundestag vehement gegen Kürzungen für die Arbeit der Heimatvertriebenen einzusetzen. Deren „Friedens- und Brückenbauarbeit“ hätte maßgeblich zum Zusammenhalt mit den Staaten Ost- und Südosteuropas beigetragen.
Teilweise humorvoll gestaltete sich der Rückblick auf die 75-jährige Geschichte des Verbandes durch Erika Glöckner und Jonny Michl. Darin erinnerten sie an die Gründung ihrer Ortsgruppe am 6. Dezember 1949 im ehemaligen Gasthaus Hofmann, die bisherigen elf Ortsobleute, die Einweihung der Heimatstube am 18. Oktober 1970, die Anton-Günther-Gesangsgruppe und die Ausstellung „Erzwungene Wege“ im Kreuzgratgewölbe des Kreisguts 2015. So mancher Besucher erkannte sich dabei als „Aktiver“ auf Bildern von der einstigen Akkordeongruppe unter Leitung von Ingrid Walser, im Liederchor oder von früheren Veranstaltungen wieder.
Mit heimatlichen „Karlsbader Oblaten“ und einem Sekt-Präsent wurden anschließend durch SL-Ortsobfrau Heidi Hötschel und ihrer Stellvertreterin Erika Glöckener langjährige Mitglieder geehrt. Rainer Laske gehört seit zehn, Ursula Burkhard und Klaus Habermann seit 35 Jahren, Christine Birkmeir seit 40 und Dr. Walter Floegel sowie Hermann Zenker seit 45 Jahren der Landsmannschaft an. Mit der silbernen Ehrennadel des BdV erhielt SL-Schatzmeister Jonny Michl eine besondere Auszeichnung aus den Händen des BdV-Präsidenten. BdV-Landesvorsitzender Dr. h.c. Christian Knauer würdigte ihn in einer kurzen Laudatio als „Aktivposten der Ortsgruppe“, ohne den sich diese nicht so stark präsentieren könnte.
Mit seinem Dank an die Organisatoren des Nachmittags, einem Appell, die Arbeit der Landsmannschaft durch Beitritte zu unterstützen und dem Absingen der Nationalhymnen endete die durchwegs gelungene Feier. Am 29. November steht um 15 Uhr im Gasthof Specht die nächste SL-Zusammenkunft mit einem Vortrag über die „Bauden im Riesengebirge“ durch Klaus Klimpke aus München an.

