
Anfang Mai gedachten in einer bewegenden Gedenkfeier auf dem städtischen Friedhof in Rosenheim Sudetendeutsche, Schlesier, Banater Schwaben, Pommern, Russlanddeutsche sowie Ost- und Westpreußen gemeinsam der rund 15 Millionen deutschen Heimatvertriebenen und der am Ende des Zweiten Weltkrieges bei Flucht, Vertreibung und Deportation ums Leben gekommenen über zwei Millionen Landsleuten. Einfühlsame Worte fand zur Begrüßung Kreisobfrau Gabriele Schleich von der Sudetendeutschen Landsmannschaft. Für den passenden musikalischen Rahmen sorgte die Bläsergruppe Gasteiger durch ergreifende Weisen. Das Totengedenken sprach die katholische Gemeindereferentin Hannelore Maurer. Darin hob sie hervor, dass es „im Krieg keine Gewinner“ gebe.
Die Festansprache, bei der auch vom BdV-Bezirksverband Oberbayern mitorganisierten Feierstunde, hielt dessen Vorsitzender Ministerialdirigent a.D. Paul Hansel. In einem großen Bogen zeichnete er die Opfer der Vertreibung an unterschiedlichsten Beispielen nach. Dabei erinnerte er in historischen Zusammenhängen und Gegenüberstellungen an die unterschiedlichsten Situationen der Deutschen gegen Ende des Zweiten Weltkriegs. Auf der einen Seite bedeutete dies das Ende des Leidens durch Kampfhandlungen und die Befreiung vom Nationalsozialismus, auf der anderen begann neues Leiden durch Flucht, Vertreibung, Deportationen und kommunistischer Unterdrückung. An den Verlust der angestammten Heimat und das damit verbundene Leid der Landsleute im Osten zu erinnern, bleiben für den BdV-Landesverband ehrenvolle Verpflichtungen.
Rosenheims dritte Bürgermeisterin, Gabriele Leicht (SPD), erinnerte in ihrem Grußwort an die Ankunft der Vertriebenen und deren Integration in die Stadt und den Landkreis Rosenheim. Dies sei keine einfache Aufgabe gewesen, war Rosenheim doch stark bombardiert worden, litt unter vielfachem Mangel und war einwohnermäßig durch die Ankunft der Heimatvertriebenen bevölkerungsmäßig um rund 23 Prozent angewachsen. Sehr ergreifend empfanden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer den folgenden Moment, als die Melodie vom „Guten Kameraden“ gespielt wurde. Seinen würdevollen Ausklang fand in der Aussegnungshalle die Zusammenkunft mit dem Abspielen des Bayernlieds und der Nationalhymne. Anschließend legten BdV-Bezirksvorsitzender Paul Hansel, der Landesvorsitzende der Landsmannschaft der Ost- und Westpreußen, Christoph Stabe, und Eduard Neuberger von der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland am Heimatkreuz der Vertriebenen einen Kranz nieder.
Die Feierstunde fand in Sichtweite der Gedenkstätte für die deutschen Soldaten der beiden Weltkriege statt. Viele von ihnen hatten bis zur bedingungslosen Kapitulation, oft unter Einsatz ihres eigenen Lebens, unzähligen Menschen in Ost- und Westpreußen, in Pommern, Schlesien und dem Sudetenland zur Flucht vor der anrückenden Roten Armee verholfen. Entsprechend der vor 75 Jahren in Stuttgart verabschiedeten „Charta der deutschen Heimatvertriebenen“ bleiben Krieg, Nationalsozialismus sowie Flucht und Vertreibung für die Landsmannschaften und ihre Mitglieder immerwährende Mahnungen, um künftigen Kriegen und Gewalttaten entgegenzuwirken. Deutlich spürbar wurde in der Feierstunde das uneingeschränkte Eintreten der Organisationen für Frieden, Freiheit, Rechtsstaat und das Recht auf die Heimat. P.H/Ch. St.
