
Ausgesprochen konstruktiv und harmonisch verlief der erste offizielle Meinungsaustausch zwischen dem Polnischen Generalkonsul in München, Rafał Wolski mit den Mitgliedern des Geschäftsführenden BdV-Landesvorstandes und den Landesvorsitzenden der ostdeutschen Landsmannschaften. BdV-Landesvorsitzender Dr. h.c. Christian Knauer würdigte in seinem Eingangsstatement die Initiative des Gastgebers und richtete angesichts der aktuellen Lage in Europa einen dringenden Appell an beide Völker, künftig noch enger zusammenzustehen. Die Verteidigung der Demokratie und der Freiheit seien gemeinsame Anliegen und ein Gebot der Stunde. Polen dürfe daher nicht länger das Gefühl haben, von Deutschland vermeintlich bevormundet zu werden und Deutschland nicht mit längst geklärten Forderungen überzogen werden.
Er dankte dem Generalkonsul, dass seit dessen Amtsantritt der BdV und die ostdeutschen Landsmannschaften jährlich zum Nationalen Unabhängigkeitstag Polens am 13. November eingeladen würden. Mit seiner hohen Präsenz bei Veranstaltung der Heimatvertriebenen habe er zudem ein völlig neues Kapitel in den gegenseitigen Beziehungen aufgeschlagen und sei dadurch zu einem echten Brückenbauer geworden.
Einig waren sich die Gesprächsteilnehmer, dass für beide Völker die Geschichte des 20. Jahrhunderts von Tragödien gekennzeichnet waren. Flucht und Vertreibung seien darin nicht nur für die Deutschen, sondern auch für die Polen traurige Wirklichkeit geworden. Das Leid für die millionenfachen Opfer sei unermesslich gewesen. Polen habe durch den „Hitler-Stalin-Pakt“ zunächst von zwei Seiten bitteres Unrecht erfahren, was letztlich auch zum Verlust der polnischen Ostgebiete und der Vertreibung der dortigen polnischen Bevölkerung geführt habe.
Auf Bitten seiner Gäste erinnerte der Generalkonsul an die Geschichtsfälschungen während der kommunistischen Zeit. Mit großer propagandistischer Wirkung habe man beispielsweise zunächst die 22.000 durch die Sowjets ermordeten polnischen Offizier, Reserveoffiziere und Intellektuellen von Katyn den Deutschen angelastet. Deren Gestapo hatte parallel zu diesen Verbrechen ebenfalls die polnische Intelligenz zum großen Teil zu vernichten versucht. Auch würden an die Mär „von den nur kurzzeitig in den wiedergewonnenen Gebieten lebenden Deutschen“ nur noch wenige seiner Landsleute glauben. Heute spüre man auch in Polen eine immer größere Offenheit der Menschen gegenüber der tatsächlichen Geschichte und damit auch gegenüber den Angehörigen der Heimatvertriebenen. Ausschlaggebend für diese Veränderung waren zum einen die etwa 30 Millionen Hilfspakete der deutschen Bevölkerung in den 80er-Jahren für seine Landsleute, zum anderen der sogenannte „Heimweh-Tourismus“. Daraus habe sich ein gutes Fundament für Verständnis und ein neues Miteinander entwickelt.
Beeindruckt zeigten sich die BdV-Vertreter von den fundierten Ausführungen Wolskis zur Geschichte seines Landes. Einig war man sich, dass man den außerordentlich fruchtbaren Dialog jährlich fortsetzen wolle. Gemeinsames Ziel sei es dabei, bei beiden Völkern das gegenseitige Vertrauen zu stärken. Auch der kleinste Beitrag hierfür, sei richtig und wichtig, so der BdV-Landesvorsitzende und der Generalkonsul übereinstimmend.
Text: Dr. h.c. Christian Knauer
