Kraftanstrengung belohnt: Riesengebirgs-Trachtengruppe begeisterte beim Oktoberfest Trachten- und Schützenzug

Nicht nur mit ihrem traditionellen Bänderbaum überzeugte die Riesengebirgs-Trachtengruppe München beim Oktoberfest-Trachtenzug auf dem Weg durch die Münchener Innenstadt zur Theresienwiese. Mit ihrem Festwagen, bei dem auf die Federkielstickerei in Erdmansdorf im Riesengebirge hingewiesen wurde, leistete sie auch ein Stück Geschichtsunterricht. So mancher Beobachter am Straßenrand wird sich nämlich gefragt haben, weshalb gerade eine schlesische Gruppe Bezug auf dieses alte Handwerk nimmt, da die Federkielstickerei doch mehr in Tirol oder Südtirol anzutreffen ist. Die Antwort ist schnell gegeben:

Im 17. Jahrhundert mussten viele Anhänger der Reformation das überwiegend katholische Zillertal aufgrund ihrer Glaubenszugehörigkeit verlassen. Sie fanden in Schlesien, ganz speziell um Erdmannsdorf, eine neue Heimat, die landschaftlich der angestammten sehr ähnlich ist. Daher findet man noch heute im Riesengebirge und insbesondere in und um Erdmannsdorf viele typische „Zillertaler Bauden“, also Häuser und Höfe, die dem Baustil des Zillertals entsprechen. Im Zuge dieser Besiedlung kam so auch die neue Handwerkskunst nach Niederschlesien.

Bei der Gestaltung des diesjährigen Festwagens wurde die Riesengebirgs-Trachtengruppe von Alexander Stiegler aus Stumm im Zillertal unterstützt. Er erlernte die Federkielstickerei – ein Handwerk, für das es keine Meisterprüfung gibt – von seinem Vater. Damit wird der selten gewordene Beruf in der sechsten Generation der Familie weiterhin gepflegt. So war es etwas nahezu Einzigartiges, dass drei Generationen einer Familie auf dem Festwagen mitfuhren und ihre Arbeitsweise, die Arbeitsgeräte und natürlich die schönsten ihrer Werkstücke der Münchener Bevölkerung zeigten. Alexander Stiegler erhielt für seine Arbeiten 2019 den Bayerischen Staatspreis für Handwerkskunst. Auch in seinem Stammbaum ist die Auswanderung der Familie nach Schlesien festgehalten.

Stolz waren die Riesengebirgler auf ihre „Zwergerl“. Auch sie hatten ihre Trachten angelegt, schafften es trotz aller Begeisterung und Quirligkeit jedoch noch nicht, die gesamte Zugstrecke selbständig zu Fuß zurückzulegen. Durch das Engagement der Eltern konnten vier schön geschmückte Leiterwagen gestaltet werden, aus denen heraus die kleinen Trachtler unermüdlich dem Publikum zuwinkten und dafür großen Beifall bekamen. Text/Foto: U. M.