„Im Glauben verbunden“: Großartige St.-Anna-Wallfahrt der Oberschlesier – Altötting echte „Ersatz-Heimat“ für den Anna-Berg

St.-Anna-Wallfahrt der Oberschlesier. Foto: Landsmannschaft Oberschlesien

Wie stark die Oberschlesier innerhalb der Katholischen Kirche und vor allem mit der heiligen Anna verbunden sind, davon legte auch heuer die 71. Sankt-Anna-Wallfahrt nach Altötting ein beredtes Zeugnis ab. Über 1.000 Gläubige waren, vielfach in ihren bunten Trachten und mit zahlreichen Fahnenabordnungen, am letzten Juli-Wochenende in den oberbayerischen Wallfahrtsort gereist, um gemeinsam mit zahlreichen heimatverbliebenen Landsleuten aus Oberschlesien Fürbitte zu halten. Am Samstagnachmittag begrüßten der Heimatchor Ostroppa/Gleiwitz und eine oberschlesische Musikkapelle die Landsleute vor der Basilika mit einem Standkonzert. Sichtlich erfreut über die große Resonanz der Wallfahrt, begrüßte der stellvertretende Vorsitzende der Landesgruppe Bayern der Landsmannschaft, Norbert Gröner, die Wallfahrer, die aus mehreren Bundesländern angereist waren. Altötting habe sich nach der Vertreibung zur „Ersatz-Heimat“ seiner Landsleute, für den bis in die 1980er Jahre nur schwer erreichbaren Anna-Berg bei Oppeln, entwickelt. Seit Anfang der 1950er Jahre halte man hier der heiligen Anna die Treue.

Richtig zuhause fühlten sich die Gläubigen bei den feierlichen Gottesdiensten. Am Abend waren diese zu einem Gottesdienst in der Basilika eingeladen, den der Guardian, Kapuzinerpater Marinus Parzinger, zelebrierte. Hatte man hier zur musikalischen Umrahmung die Schubert-Messe ausgewählt, so erklang beim Festgottesdienst ein Werk Josef Haydns. Bei beiden Gottesdiensten wirkten der Heimatchor aus Oberschlesien sowie eine Bläsergruppe unter Leitung von Rafael Winhold mit.

In seiner Festpredigt rief Bischofsvikar Prof. Dr. Peter Tarlinski aus Oppeln am Sonntag in der St. Anna Basilika die Gläubigen auf, „Christus als den lebendigen Sohn Gottes neu zu entdecken“. Ausdrücklich dankte er für 80 Jahre Frieden sowie für die Zusammenführung der oberschlesischen Familien, die sich teilweise bis zum Beginn der 1990er-Jahre hinzog.

Wie sehr die Sehnsucht nach Frieden und die Verbundenheit im Glauben die Identität der oberschlesischen Landsleute prägen, machte der Prediger einmal mehr deutlich. Er erinnerte an den „mörderischen Wahnsinn der NS-Diktatur“ und an den von ihr entfachten Zweiten Weltkrieg, der Flucht, Vertreibung und Heimatlosigkeit nachzog. Die Oberschlesier hätten nach dem Krieg „ihre Hoffnung in die Hände Gottes gelegt“. Diese Hoffnung sei in Erfüllung gegangen. Friede, Fleiß, Einsatz und Integrationsarbeit hätten die Wende zum Guten gebracht. „Schauen wir hoffnungsvoll in die Zukunft und bleiben wir den Wurzeln unserer Herkunft treu“, lautete sein Appell. „Mitzuteilen, mitzuwirken und mit aufzubauen“ seien schlesische Tugenden, die auch in der Zukunft wichtig blieben.

Die Bedeutung der Wallfahrt zeigte sich auch an der großen Zahl der Konzelebranten. Neben dem Bischofsvikar hatten sich auch die oberschlesischen Ruhestandsgeistlichen Pfarrer Joseph Scholz aus München und Pfarrer Franz Xaver Hecker aus Altötting sowie Diakon Nikolai Losev aus Nürnberg zur Mitfeier des festlichen Gottesdienstes eingefunden.

Am Nachmittag fand abschließend in der Stiftspfarrkirche noch eine Andacht mit Eucharistischem Segen statt, bevor Bruder Marinus Parzinger die Wallfahrer bei einer abschließenden Statio vor der Gnadenkapelle verabschiedete.
Text: Michael Glas