Zentraler Tag der Heimat in Ingolstadt: Ministerpräsident a.D. Horst Seehofer hebt Mut und Weitsicht der Heimatvertriebenen hervor

Volles Haus beim Zentralen Tag der Heimat in der Sportgaststätte des SV Zuchering. Foto: Susanne Marb

Ein wahrlich festlicher Rahmen erwartete Anfang November die rund 250 Teilnehmerinnen und Teilnehmer beim landesweiten „Tag der Heimat“ in der Sportgaststätte des SV Zuchering in Ingolstadt. Unter dem Leitwort „80 Jahre: Erinnern – Bewahren – Gestalten“ wurde der Bedeutung des Gedenktages eindrucksvoll Rechnung getragen.

BdV-Kreisvorsitzender Manfred Binder, der mit seinen fleißigen Helferinnen und Helfern maßgeblich zum Gelingen der Veranstaltung beigetragen hatte, verband den Tag mit der Hoffnung, ein Stück zum Frieden in der ganzen Welt beizutragen. Nur wer an die schrecklichen Ereignisse in Verbindung mit Flucht, Vertreibung und Deportation erinnere, könne Veränderungen im Bewusstsein der Menschen herbeiführen. In einem „geistlichen Wort“ hatte zuvor die evangelische Dekanin Gabriele Schwarz eine eindrucksvolle Parallele zwischen den zahlreichen Gedenkanlässen im November und den aktuellen globalen Konflikten gezogen.

BdV-Landesvorsitzender Dr. h.c. Christian Knauer hatte zuvor den Festredner des Nachmittags, den früheren Bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer mit dem Bayerischen Defiliermarsch, intoniert von der „Siebenbürger-Banater-Blaskapelle“, auf seinen Platz geleitet. Begleitet wurde er von seiner Gattin Karin, bei der sich Knauer für ihre Teilnahme an vielen Terminen der Landsmannschaften und den Sudetendeutschen Tagen bedankte. Seehofer, so der BdV-Landesvorsitzende in seiner Begrüßung, sei in all seinen Funktionen ein Partner der Heimatvertriebenen gewesen, „auf den man sich immer voll verlassen“ konnte. Mit der Schaffung des bayerischen Gedenktages für die Opfer von Flucht und Vertreibung, dem Bau des Sudetendeutschen Museums und seinem Einsatz für die symbolische Entschädigung der deutschen Zwangsarbeiter habe er sich mit „goldenen Lettern“ in die Geschichte des BdV eingetragen.

In der immer wieder durch Liedbeiträge des Russlanddeutschen Chores „Sehnsucht“ und der Siebenbürgisch-Sächsischen Singgruppe aufgelockerten Veranstaltung überbrachte Ingolstadts Oberbürgermeister Dr. Michael Kern die Grüße seiner Stadt. In Begleitung etlicher Stadträte zollte er den Heimatvertriebenen großen Respekt für ihren „Neuanfang mit leeren Händen“. Durch ihr Fachwissen, ihren Mut und ihr handwerkliches Können hätten sie maßgeblich zum Aufbau der zerstörten Stadt beigetragen.

Ministerpräsident Dr. h.c. Horst Seehofer bekannte zu Beginn seiner mit viel Applaus goutierten Rede, dass ihn die frühen persönlichen Kontakte zu Heimatvertriebenen „nachhaltig geprägt“ hätten. Auch er attestierte, dass die rund 15 Millionen heimatlos gewordenen Landsleute für den Aufbau Nachkriegsdeutschlands von herausragender Bedeutung waren. Statt zum „politischen Sprengstoff“ in den Aufnahmeregionen zu werden, hätten sie, gemäß ihrer bereits 1950 verabschiedeten „Charta“, auf „Rache und Vergeltung“ verzichtet und ein freiheitliches Europa als Ziel formuliert. Die „Charta der deutschen Heimatvertriebenen“ bezeichnete er als „beispiellosen Akt von Mut und Weitsicht in der deutschen Nachkriegsgeschichte“. Die enorme Aufbauleistung der Heimatvertriebenen in einem zerstörten Land und unter schwierigsten Bedingungen, ihr Einsatz, ihr Mut und ihre Haltung hätten Bayern nachhaltig positiv geprägt. Zudem seien sie heute zu den wichtigsten Wegbereitern der Verständigung mit Osteuropa geworden. Der „Tag der Heimat“ sei daher ein „großer Tag“, dessen Bedeutung weit über das Gedenken hinausreiche.
Text: Susanne Marb