
Passau. Mit dem Landesvorsitzenden des Bundes der Vertriebenen (BdV) und ehemaligen Landrat des altbayerischen Landkreises Aichach-Friedberg, Christian Knauer, hatte die Sudetendeutsche Landsmannschaft Passau am vergangenen Samstag prominenten Besuch. SL-Ortsobfrau Helga Heller freute sich sichtlich, dass sich im Gasthaus Aschenberger nicht nur Mitglieder ihres Verbandes, sondern auch aus den Reihen der Siebenbürger Sachsen, der Deutschen aus Russland und der Deutschen aus Ungarn eingefunden hatten. Traditionell mit dabei waren Gäste aus der SL-Ortsgruppe Ruhstorf.
Eingeleitet wurde die Zusammenkunft mit der Vorführung einer vom BdV Bayern vor zwei Jahren in Auftrag gegebenen Filmproduktion über die Vertreibung der Deutschen im Osten. Gezeigt wird darin deren Ankunft in Bayern, ihren Beitrag zum wirtschaftlichen Aufschwung des Freistaates und ihre Brückenbauarbeit seit der Wende in den 90er Jahren zu den Nachbarländern. Bei so manchem Zuseher, der noch zu den Zeitzeugen von damals gehört, löste der Film schreckliche Erinnerungen an die Kindheit und Wehmut aus. Mit der Produktion, die vor allem für die Breitenarbeit in Schulen, Jugendverbänden und heimatgeschichtlich interessierten Personen gedacht ist, will der Vertriebenendachverband nicht nur die Erinnerung an das Schicksal der eigenen Landsleute wachhalten, sondern auch Empathie für die derzeit von Flucht und Vertreibung betroffenen Menschen auslösen. Dies sei bei derzeit etwa 100 Millionen Flüchtlingen, die aus unterschiedlichsten Gründen weltweit ihre Heimat verlassen mussten, notwendiger denn je. Die Landsmannschaften sehen es, so Knauer, als eine ihrer Hauptaufgaben an, gegen Flucht und Vertreibung einzutreten und fordern daher seit Jahren strafbewährte Sanktionen gegen die dafür verantwortlichen Personen.

In einem leidenschaftlichen Appell wandte sich der frühere Landrat an die Kinder- und Enkelgenerationen der Heimatvertriebenen, die noch bestehenden Orts- und Kreisgruppen der Landsmannschaften durch ihre Mitgliedschaft zu unterstützen. Jeder vierte bayerische Bürger hätte ostdeutsche Wurzeln. Diese seien vielfach prägend für deren Entwicklung und Identität. „Es wäre doch schade, wenn sich in Passau, mit dem Abtreten der Erlebnisgeneration, niemand mehr an die Geschichte sowie den kulturellen und wirtschaftlichen Leistungen der Sudetendeutschen erinnern würde“, mahnte Knauer. Dass dies auch in der Dreiflüssestadt dringend notwendig sei, kam zuvor in den Begrüßungsworten der SL-Ortsvorsitzenden Helga Heller deutlich zum Ausdruck. Hatte man einst weit über 300 Mitglieder, sei diese Zahl mittlerweile auf etwa 35 geschrumpft. Entsprechend hoch liege deren Altersdurchschnitt. „Wir freuen uns über jeden, der bei uns mitmachen und unsere Arbeit unterstützen will“, so Helga Heller.
Die Zusammenkunft nutzte SL-Kreisobmann Peter Pontz um zwei langjährige Mitglieder zu ehren. So erhielten die frühere FDP-Stadträtin Ingrid Splitgerber und Ingrid Merklein Dankurkunden für 55- bzw. 35-jährige Mitgliedschaft. Helga Heller lud abschließend zur Sudetendeutschen Maiandacht mit Monsignore Klaus Hoheisel am 11. Mai, 14:30 Uhr ins Nikolakloster ein.
