Aus den Verbänden: Nürnberg gedenkt der Vertreibungsopfer – Oberbürgermeister König zeigt sich solidarisch

Nachdenklichkeit, Trauer und Freude kennzeichneten den Gedenkakt des BdV Nürnberg auf dem Hallplatz in Nürnberg. Trotz der bis kurz vor Veranstaltungsbeginn anhaltenden Regenschauer, ließen sich viele Trachtenträger und Fahnenabordnungen nicht von einer Teilnahme abbringen. Foto: Susanne Marb

Als erste bayerische Großstadt hat Mitte September Nürnberg den Opfern von Flucht und Vertreibung der deutschen Heimatvertriebenen vor 80 Jahren gedacht. Bei einem Gedenkakt mit anschließender Kranzniederlegung würdigte Oberbürgermeister Marcus König (CSU) vor dem zentralen bayerischen Mahnmal für die Opfer von Flucht und Vertreibung auf dem Nürnberger Hallplatz, den Leidensweg der rund 15 Millionen Vertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg. In seiner Gedenkrede spannte er den Bogen von den Gräueltaten des nationalsozialistischen Regimes über die Verbrechen in den von der Wehrmacht besetzten Gebieten an der dortigen Zivilbevölkerung bis hin zu den folgenden Racheakten der Roten Armee an den Landsleuten. Die deutsche Bevölkerung in den östlichen Landesteilen und in den Siedlungsgebieten in Ost und Südosteuropa hätten mit der zwangsweisen Vertreibung aus ihrer angestammten Heimat einen unbegreiflich hohen Preis zahlen müssen. Dies dürfe auch heute nicht in Vergessenheit geraten, wo sich die Ereignisse in den Kriegs- und Krisengebieten zu wiederholen drohten. Er dankte dem örtlichen Kreisverband des Bundes der Vertriebenen (BdV) mit Stadtrat Werner Henning an der Spitze für die Anregung und Organisation der Zusammenkunft.

BdV-Landesvorsitzender Dr. h.c. Christian Knauer erinnerte in seinem Grußwort an die Verschleppung der Russlanddeutschen aus ihren Siedlungsgebieten im Jahr 1941. Für den BdV kennzeichne diese historische Wegmarke den Beginn der Vertreibungen der Deutschen im Zusammenhang mit dem Zweiten Weltkrieg. Mit der Deportierung tausender Landsleute aus dem Banat in die rumänische Baragan-Steppe hätten diese Grausamkeiten 1950 einen letzten Höhepunkt erreicht. Mit eindeutiger Klarheit warnte er vor einem wieder zunehmenden „überzogenen Nationalismus“. Die Familien der Heimatvertriebenen und Aussiedler wüssten, zu welchen fatalen Folgen Nationalismus und Totalitarismus führen können. Deshalb träten sie entschlossen für die Verteidigung des freiheitlichen, demokratischen Rechtsstaats ein und distanzierten sich von den extremen politischen Rändern.

Der Stadt dankte der frühere Aichacher Landrat für die Sanierung der Umgebung der Gedenkstätte und für deren Engagement beim Ausbau und des Erhalts des Hauses der Heimat. Nürnberg sei in den letzten Jahren wieder zu einem „Zentrum für die Vertriebenen“ geworden. Davon lege auch die hier beheimatete „Kulturstiftung der Deutschen aus Russland“ ein beredtes Zeugnis ab. „Dass der Oberbürgermeister in der Frankenmetropole zu Veranstaltungen der Landsmannschaften und des BdV kommt, habe man in vielen Jahrzehnten vermisst. Offenbar hat sich, nicht zuletzt durch den Wechsel im Amt des Oberbürgermeisters, hier die Haltung zum Positiven verändert.“

BdV-Kreisvorsitzender Werner Henning zeigte sich hoch zufrieden mit der großen Beteiligung von Trachtenträgern und Fahnenabordnungen am Gedenkakt. Obwohl es bis zwanzig Minuten vor Beginn kräftig regnete, sei es für die Betroffenen offenbar ein Herzensanliegen gewesen, an die schmerzhaften Geschehnisse, unter denen ihre Familien zu leiden hatten, zu erinnern.
Text: Susanne Marb